Eigentlich hatte sich Capa-kaum vorgenommen, sich aus den Vorwahlgeplänkeln zu den Parlamentswahlen seiner beiden Lebenssphären journalistisch heraus zu halten. Doch nun, da die Niederungen medialer Demokratie wenige Wochen vor den Wahlgängen in Deutschland und Österreich auf den Plakatwänden offensichtlich und damit intellektuell allzu schmerzlich geworden sind, scheint ihm eine kurze Anmerkung angemessen. Dazu hat Capa-kaum einen kleinen Slogan-Mix aus den politwerberischen Simplizitätsabgründen gebastelt – weil’s egal ist: bewusst ohne Bezug auf Parteien und Länder (wer will, kann ja versuchen, die kursiv geschriebenen Originalzitate den deutschen und österreichischen Parteien zuzuordnen):

Mit großem Staunen erfahren wir in diesen Tagen endlich, dass man Gemeinsam erfolgreich sein kann und von Anderen, dass nur Das Wir entscheidet. Und ganz wichtig: Dazu gehören Freiheit und Mut zur Wahrheit. Nicht zu vergessen (hört! hört!): Liebe deine Nächsten (dass diese biblische Phrase gern missbraucht wird, dokumentiert sich damit aktuell bestens auf den Plakatwänden). Na klar, kommt es auch auf das Brücken bauen an. Aber: Mit sicherer Hand ist das sicherlich alles zu bewerkstelligen. Dann kann man offenbar frohgemut rufen: Willkommen Zukunft. Sicherlich muss natürlich endlich Schluss mit Schulden gemacht werden, da braucht es Sicheres Geld. Denn: Solide Finanzen sind wichtig. Gefragt sind (Überraschung!) Neue Werte und überhaupt diese Ambition zum Wir erneuern.

Genug des plakativen Schwachsinns dieser Tage, der besonders dadurch deutlich wird, weil ja in Deutschland und Österreich unmittelbar hintereinander gewählt wird. Und, siehe da: Die um teures Geld politwerblich ziselierten Slogans unterscheiden sich nur manchmal in der Wahl der Worte, nicht in deren Sinnlosigkeit.

Doch am besten scheint es für manche Politwerber überhaupt zu sein, irgendwelche, zuvor nie gesehene Gesichter zu plakatieren, die allen freundlich herab lächelnd mitteilen, sie würden gerne im nächsten Abgeordnetenhaus vertreten sein…

Dass mancher Politiker, wie jener bayerische Obermacher, der ungeachtet aller (europäischer) gesetzlicher Möglichkeit eine Pkw-Maut für nicht-deutsche Autos, die Deutschlands Straßen befahren, wahlkämpfend Biertisch-lustig fordert, in diesen Wochen viel verspricht, was nicht zu halten ist, ist zwar eine andere Geschichte – die aber natürlich ins Bild passt.

Da drängt sich die Frage auf: Warum halten die Wahlwerber der politischen Parteien uns, ihre Bürger, also: ihr „Wahlvolk“, für geistig so unterentwickelt, um mehr Inhalte als simple Worthülsen, Allgemeinplätze, wie in Capa-kaums Slogan-Mix zusammengestellt, verstehen zu können? Ist das „Wahlvolk“ nach deren Meinung so naiv oder für wirkliche Gedanken, Hintergründe oder Erklärungen zu blöd? Capa-kaum sind jedenfalls diese Allgemeinplätze, die als Slogans verkauft werden, zu blöd.

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