Jetzt wissen wir’s also. Dank bemerkenswerter Studien der Ornithologen. Weshalb nämlich nicht mehr so vieleSaatkrähen wie früher in diesen Tagen in unseren Parkanlagen, auf den Bäumen und Gehwegen unserer Städte zu sehen sind. Allein in Wien haben eifrige Vogelzähler des Winters bis zu einer Viertelmillion solcher Flugobjekte gesichtet (sagen sie), in Berlin (liegt ja weiter nördlich und ist daher als Destination offensichtlich nicht so attraktiv) immerhin noch 80.000. Und jetzt: Vielleicht sind es ein paar Tausend Brutpaare, die es sich in den genannten Großstädten gemütlich machen.

Um gleich einmal einem Irrtum vorzubeugen: Das schwarz gefiederte Getier, das sich nun hierzulande herumtreibt, gehört vorwiegend der Spezies Nebelkrähen an, zuweilen auch jener der Rabenkrähen, versichern eben jene Vogelkundler, die sich mit dem Vogelflug der Saatkrähen und ihrem Ausbleiben befasst haben.

Capa-kaum muss klarstellen: Das Ausbleiben der, wie wir immer wieder bemerken, äußerst selbstbewussten, von Ängstlichen gern als Todesvögel titulierten, russischen Wintergäste hat nichts mit der politischen Eiszeit unserer europäischen Regionen gegenüber Putins Russland zu tun (wie es etwa die Tourismusbranche bejammert) – und ebenso nicht mit dem Klimawandel, der ja etwa zahlreiche Störche und Kraniche bereits dazu veranlasst, den traditionellen Winterflug überhaupt zu stornieren.

Tatsächlich verzichten viele russische Saatkrähen auf den mühsamen Fernflug nach Mitteleuropa, weil sie mittlerweile in ihren eigenen, früher nur in der warmen Jahreszeit bewohnten Regionen ausreichend an Nahrung finden, haben die Krähenexperten festgestellt. Die schwarzen Rabenvögel sind ja intelligent genug, um die richtigen Schlüsse aus veränderten Gegebenheiten zu ziehen (was vielleicht auch den ein oder anderen angeblichen homo intelligens anstehen würde). Jedenfalls haben die munteren Aasfresser gemerkt, dass während in Mitteleuropa immer weniger Müll frei herumliegt seit einiger Zeit genügend Wohlstandsmüll und Essensreste auf den Deponien im heimischen Russland, im Baltikum und in Weißrussland zu finden sind. Wozu also in die Ferne fliegen?

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