Da scheint was aus dem Ruder zu laufen. Und ohne jetzt Endzeitstimmung zu verbreiten, ist es an der Zeit sich ernsthaft Sorgen zu machen, meint Capa-kaum, wenn man die Ereignisse der letzten Monate analysiert. Denn Vieles spielt zusammen, um einen finanzwirtschaftlich explosiven Mix zu ergeben. Währenddessen werden dem staunenden Publikum von den Finanzministern der EU Beruhigungspillen verabreicht: Jetzt soll also doch, nach jahrelangem Ringen, eine Finanztransaktionssteuer kommen – vielleicht, möglicherweise ab 2018. Und wenn, dann machen vermutlich nur 10 Staaten bei dieser Abgabe auf Finanzgeschäfte der Banken mit – ziemlich lächerliches Vorhaben, wenn nicht einmal die EU geschlossen auftritt: 10 gegen die ganze Welt? Wer soll das glauben…

Doch zurück zu den wirklichen Problemen der Finanzwirtschaft. Da ist erstens die sattsam bekannte und vielfach kritisierte Strategie der Europäischen Zentralbank, an der Null-Linien-Politik der Leitzinsen festzuhalten. Erst vor wenigen Tagen gab es dazu äußerst kritische Töne am Rande der Jahrestagung von  Internationalem Währungsfonds und Weltbank. Führende EZB-Funktionäre hatten dort vor den Nebenwirkungen der 0,0-Zinsenpolitik und den von der EZB für Bankeinlagen verrechneten Negativzinsen (minus 0,4 Prozent) gewarnt.

Diese Faktoren, im Verein mit dem nachhaltig schwachen Wirtschaftswachstum und den bald fälligen Altlasten aus der Vergangenheit, stellen auch die „systemrelevanten“ Banken vor immer größere Probleme. Denn Banken verdienen grundsätzlich an der Differenz zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen. Diese Differenz liegt jedoch inzwischen bei null, weshalb die Institute versuchen, auf anderen Wegen Geld einzunehmen – dabei kommt jedoch noch ein weiterer Aspekt zum Tragen.

Die Risiken steigen für die Banken, denn die zur besseren Fundierung der Banken beschlossenen Basel-III-Regeln und die Vorgaben der Bankenaufsicht zwingen die Banken zu einer extrem hohen Eigenkapitaldeckung. Die Ertragsprobleme bewirken, dass jedoch das Kapitalerfordernis nicht aus den Gewinnen gedeckt werden kann. Da stellt die Spekulation eine attraktive Möglichkeit dar, mit großen Risiken doch hohe Gewinne zu erzielen, um auf diese Weise das erforderliche Kapital zu generieren – und das nur wenige Jahre nach der großen Finanzkrise, die durch Spekulation ausgelöst worden war.

Dazu kommt: Überschüssige Mittel können nicht mehr gut verzinst auf dem Zentralbankkonto geparkt werden, sondern aufgrund der von der EZB verrechneten Minus-0,4-Prozent-Zinsen fällt dafür eine Strafgebühr an.

Mit im Spiel ist auch der immer deutlicher werdende globale Wirtschaftskrieg, in dem – zugegeben – die Europäer bisher ziemlich sorglos unterwegs waren. Nicht von ungefähr drohen die USA der Deutschen Bank mit einer 14-Milliarden-Dollar-Strafe wegen der Teilhabe an unseriösen Immobiliengeschäften in den USA. Ob man sich tatsächlich, wie zuletzt kolportiert, auf 5,4 Milliarden Dollar einigen kann, wird abzuwarten sein. Man muss sich erinnern, dass die französische Großbank BNP Paribas 2014 in den USA ebenfalls wegen illegaler Geschäfte eine Strafe von umgerechnet 6,6 Milliarden Euro akzeptieren musste. Summen, die auch Großbanken nicht so einfach wegstecken.

Noch eine nicht allzu lautstark gemeldete jüngste Analyse des Internationalen Währungsfonds: Darin heißt es, dass bis zu 30 Prozent der europäischen Geldhäuser auf Dauer nicht überleben können, weil sie ganz einfach nicht genug Geld verdienen. Zusätzlich dürfte ein Viertel der Institute in Zukunft kaum profitabel arbeiten können.

Man darf bei alledem nicht vergessen: Die Zeche zahlen die einfachen Bürger als Kunden (durch steigende Gebühren) und zugleich als Steuerzahler (wenn die Banken direkt oder indirekt gestützt werden müssen). Außerdem belastet die Null-oder Niedrig-Zinspolitik die Vorsorge-Maßnahmen gerade auch von Privatkunden. Wir wissen es seit langem: Die Sparguthaben sind unattraktiv.

Unter dem Strich heißt das: Der Wert des Geldes ist nicht mehr jener, der er noch vor einigen Jahren war. Capa-kaum meint damit nicht nur den faktischen Wert, sondern vor allem den psychologischen und politischen Wert. Geld als Spielball eines globalen Finanz-Monopoly? Da braucht man nicht lange fragen, wer als Erster vom Spielfeld geworfen wird.

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