Welt-Monopoly

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Sep2013 04

Mehrere Meldungen der letzten Tage geben Capa-kaum Anlass, wieder einmal auf die seltsamen Relationen des Welt-Monopoly hinzuweisen.

Fangen wir mit Fußball an. Da kauft Real Madrid einen 24 Jahre alten walisischen Stürmer namens Gareth Bale von Tottenham Hotspurs um schlappe 100 Millionen Euro und verkauft einen Tag später seinen deutschen Mittelfeld-Anker Mesut Özil um 50 Millionen Euro an Arsenal London (vor drei Jahren hatten die Spanier an Werder Bremen bloß 18 Millionen Euro für Özil überwiesen). Übrigens: Özil erhält ab sofort 7 Millionen Euro Jahresgage, das sind pro Monat mehr als 583.000 Euro – so viel verdienen die meisten MitarbeiterInnen im Handel oder in Büros in drei Jahren…

Wenn für die weiteren Top-Käufe der Sommermonate wie Edinson Cavani (um 64,5 Millionen Euro zu Paris St. Germain), Radamel Falcao (um 60 Millionen Euro nach Monaco) und Neymar (um 57 Millionen Euro zum FC Barcelona) ebenso irgendwelche virtuell anmutende Größenordnungen für junge Männer, die mit ihren Beinen ein rundes Leder hin und wieder ins eckige Gestänge am Ende des Spielfelds unterbringen, ausgegeben werden, so lässt das mittlerweile sogar Fußballfunktionäre wie den europäischen Fußballchef Michel Platini darüber nachdenken, ob das gerechtfertigt sein kann. Denn gleichzeitig sind die meisten Fußballklubs schwer verschuldet.

Nicht minder seltsam dieser Tage das Geschacher in der Weltwirtschaft. Zwei Beispiele. Da kauft Microsoft um 5,4 Milliarden Euro die Handy-Sparte des einstigen Branchen-Primus Nokia (und die Börse jubelt). Ein Hinweis: Wie man weiß, werden solche Deals meist so abgehandelt, dass das übernommene Unternehmen die Zinsen für die Geldleihe der Kaufsumme zu zahlen hat – und damit in den Folgejahren nicht aus den roten Zahlen herauskommen kann, im Gegenteil meist dann das Zeitliche segnet.

Aber was sind die paar Milliarden gegen die 100 Milliarden Euro, die Vodafone aus dem Verkauf seiner US-Beteiligung Verizon Wireless einsackt. Mit dem Erlös kann Vodafone den europäischen Telekommunikationsmarkt richtig aufmischen, bei einigem Geschick der Manager können nicht einmal die europäischen Wettbewerbshüter zu erwartete Großdeals der nächsten Zeit stoppen, etwa die von Vodafone geplante Übernahme des TV-Kabelnetz-Betreibers Kabel Deutschland.

Da wird Geld hin und her geschoben wie das Spielgeld für den Kauf von Häusern und Hotels auf dem Monopoly-Spielbrett. Nur dass es hier um echte Werte und vor allem auch um Schicksale von Zehntausenden Menschen geht. Und die Politik kann dieses gefährliche Welt-Monopoly schon lange nicht stoppen.

Ach ja: Griechenland braucht auch wieder ein paar Milliarden Euro.

3 Kommentare zu “Welt-Monopoly”

  • Retep8 15. September 2013

    Bin ich froh, dass dem armen Ronaldo jetzt auch ein entsprechendes Gehalt zugesprochen wurde. Gerechtigkeit siegt.

  • Retep8 5. September 2013

    Vulgär-Kapitalismus, nichts weiter.

  • wibek 4. September 2013

    nicht zu vergessen: die hartz-IV-arbeitslosen erhalten im nächsten jahr ein paar euro mehr

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