Weihnachten 2016

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Dez2016 21

Stellen wir uns vor: Wir laden ein paar Freunde und Bekannte zu einem Open House in unsere Wohnung ein und einer davon bringt noch zwei Andere mit, die wir nicht kennen, denen wir aber – weil sie offenbar Bekannte des Bekannten sind – ohne weiteres Fragen ebenfalls unsere Gastfreundschaft gewähren. Nach einigen Stunden hören wir Lärm aus den anderen Räumen und müssen feststellen, dass die nicht eingeladenen Gäste alles kurz und klein schlagen. Und ehe wir etwas tun können, laufen sie davon… Wieso das Ganze? Lust am Zerstören, Wut, Rache, Verblendung – weshalb?

Mag sich dazu Jeder seine Gedanken machen, was nun zu tun wäre. Halt: Capa-kaum geht es natürlich nicht darum, dumpfe Emotionen zu schüren. Denn man muss für sich klarstellen:  Was können denn die anderen, die bei uns gern aufgenommenen Freunde und Bekannten dafür? Aber wo endet unser Verständnis von Toleranz – und liegt die Grenze dafür nicht dort, wo wir ausgenützt werden und vielleicht auch naiv sind?

Die Terrorattacke auf dem Berliner Weihnachtsmarkt. Wie steht es mit der Spannbreite unserer Gastfreundschaft? Wie lässt sich unsere Hilfsbereitschaft für echt hilfsbedürftige Flüchtlinge abgrenzen von übertriebener Samariterhaftigkeit ohne näher hinzusehen?

Nach dem Blutbad an der Berliner Gedächtniskirche haben wir’s wieder einmal von unseren Amtsträgern gehört: Wir sollen unser Leben deshalb doch nicht ändern, wir sollen auf Straßen und Plätzen einfach wachsam sein, wir dürfen doch unser freies Leben in der Gesellschaft nicht kaputt machen lassen. Capa-kaum kann’s schon nicht mehr hören. Weihnachtsmärkte hinter Betonsperren, schwer bewachte Fußballspiele und Silvesterfeste – hat sich denn das Leben in unserer Gesellschaft, unser Gefühl von Sicherheit, Freiheit und Unbeschwertheit (etwa bei Großveranstaltungen) nicht schon längst geändert? Die Attentate in Brüssel, Paris, Nizza? Und was ist mit den vielen missglückten und den zahlreichen von den Behörden totgeschwiegenen Anschlagversuchen (Capa-kaum war selbst vor zwei Jahren in Berlin unmittelbarer Zeuge eines solchen, der in einer Explosion mit einem Toten und einer ausgebrannten Wohnung endete)?

Capa-kaums Gedanken zu Weihnachten 2016 führen angesichts der unerfreulichen Entwicklung der letzten Zeit in eine Richtung, die er nicht einschlagen will. Und deshalb als Weihnachtsbotschaft einige Zeilen, die ihm seine ständige Leserin M. zugesandt hat:

Meine Lieben,

Wir freuen uns auf Weihnachten.

Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, dann, wenn Weihnachten ist, also am 24. Dezember, wenn der Schnee weiß und unschuldig alles zudeckt, ist unser Leben wieder gut. Alles ist wieder neu und wir beginnen mit Zuversicht bei null. Wir verzeihen uns selbst und den Anderen.

Wie gesagt, ich freue mich auf Weihnachten in der Unschuld des Festes und wünsche Euch allen friedliche Weihnachten, Gesundheit und Zufriedenheit und viel weniger Sorgen fürs neue Jahr.

Ich glaube noch immer an das Weihnachtswunder, Ihr doch auch?

6 Kommentare zu “Weihnachten 2016”

  • Aquarius 23. Dezember 2016

    Wir müssen endlich die Bezeichnung „Terrorist“ durch „Verbrecher“ austauschen. Danke an „AusderTonnemitBlick…“. Kein Idealismus dieser Welt rechtfertigt solche Taten und daher sind die Täter Verbrecher.

  • Elisabeth 22. Dezember 2016

    Die Gesellschaft gehört geschützt vor solchen wenigen Personen, die andere Menschenleben mißachten und deren Leben gefährden bzw im schlimmsten Fall beenden.
    Ich bin sehr bestürzt und traurig über die Ohnmacht gegenüber einzelnen Personen, die sich nicht respektvoll gegenüber Unschuldigen feige verhalten.
    Ich hoffe und glaube an uns und unsere Zukunft!
    Elisabeth

  • AusderTonnemitBlick... 21. Dezember 2016

    Bestimmt bin ich kein Maßstab, aber: Weihnachtsmärkte, Rockkonzerte, Stadien füllende Events sind für mich Terror! – Einer ,auf den ich starre und wo ich einfach nicht begreifen kann, dass Leute sich bei alle dem Lärm, dem grellen, sich anbiedernden Klischee von Weihnachten, oder Kunst und Kultur wohlfühlen und diese orte freiwillig aufsuchen. Und der Terror genannte Terror sind Verbrechen, schwere Verbrechen. Ich fühle mich bedroht, weil Verbrechen nicht Verbrechen, sondern Terror geheißen werden und sehr bedroht davon, gleich wo diese Verbrechen gerade verübt worden sind, dass Medien in der Tat daraus, aus Verbrechen Breaking-News-Ware machen und diese anbieten, als ginge es um Fernseh-Ersatz oder Computerspiele, Dinge, die der Unterhaltung dienen: klicken Sie hier und verfolgen sie auf Video den Weg des Attentäters, und hier das Video mit den ersten Betroffenheits-Interviews … grauenhaft – ich klicke nicht. DAS will ich als Haltung zur Nachricht nicht unterstützen – Wie gesagt, kein Maßstab. Mein Puls jedenfalls geht schneller, manchmal schneller, wenn das weiter weg als wenn es dichter dran geschieht. Vielleicht, weil die Ohnmacht, die man dann empfindet noch größer ist… Und das ist alles nicht erst seit den Anschlägen so, sondern schon ganz lange. Wäre es anders, befremdete es mich aber auch ganz schrecklich, dass jedesmal verordnet wird: wir lassen uns unsere Märkte, unsere Spiele, unsere Events nicht vermiesen, wir leben unser Leben! – Jetzt erst recht – Naja, wenn die Leute sicher sind, dass diese Dinge ihr Leben sind… Ich wünsche jedem, dass ihn seine gelebte Zeit froh macht und eine schöne weihnachtliche Besinnung darauf.

  • Retep8 21. Dezember 2016

    Bitte lasst uns doch in den Dörfern bleiben. Terror mit unschuldigen Opfern gibt es seit Menschen auf der Erde leben. Dessen Abscheulichkeit ist nicht zu relativeren, aber der Verhältnismäßigkeit ist auch Wort zu reden. Warum gewichten wir die Zahl der Opfer zu einer nationalen Katastrophe, warum breitet sich Furcht aus und wird ganzen Bevölkerungsgruppen Schuld zugewiesen, obwohl täglich(!) gleich oder mehr Tote und Verletzte auf unseren Straßen zu beklagen sind. Das Risiko bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen oder invalidiert zu überleben ist doch mindestens genau so real, wie Opfer eines Terroranschlags zu werden. Und trotzdem begeben wir uns täglich ohne darüber auch nur einen Augenblick nachzudenken hinaus auf die Straßen. Und das Beispiel mit den ungeladenen Gästen, die alles kurz und klein schlagen, findet doch täglich(!) vielfach in den Wohnungen sozial belasteter einheimischer Familien statt. Die Zahl der in die Kriseninstitutionen flüchtenden Frauen und Kinder nimmt ständig zu.

    Terror ist leider auch zur Breaking-News-Ware der Medien geworden. Je näher das Ereignis zu unserem Lebensraum stattfindet, um so mehr fühlen wir uns bedroht. Aber seien wir doch ehrlich: Wird in den Nachrichten von einem Selbstmordattentat mit 25 Toten und 150 Verletzten aus Bagdad, oder einem Vulkanausbruch auf einer Indonesischen Insel mit unbekannter Opferzahl berichtet, schlägt unser Puls nicht höher, und 5 Minuten später ist das salopp gesagt aus unserem Gedächtnis gelöscht. Nicht war?

    Populistische politische Bewegungen kochen ihr Süppchen mit dieser unverhältnismäßigen Furcht. Sehr wenige Meinungsmacher trauen sich scheinbar bei diesem Thema die Proportionen zu bewahren.

  • der Kaiser aus Wien 21. Dezember 2016

    Mein lieber Freund,
    sehr zum Nachdenken anregende Worte und ein Hoffnungsschimmer von M.
    Frohe Weihnachten und das Beste für 2017!
    LGW
    PS:By the way Sarah, wir haben nur diese eine Welt also wird’s wohl nur gemeinsam zu schaffen sein.

  • Sarah 21. Dezember 2016

    Geht es wirklich nicht? Könnt Ihr nicht in Eurer Welt leben und wir in unserer? Wir haben unsere Vergangenheit und daraus gelernt. Wie können wir helfen, wenn Ihr uns die Luft zum Atmen nehmt?

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