Die Zündler sind unter uns – und leider mittlerweile auch an jenen Hebeln, mit denen sie etwas bewirken können. Mit denen sie zum Beispiel Massen bewegen können, manipulieren können. Und sie werden schon seit einiger Zeit immer mehr. Man glaubt ihre Namen zu kennen: Erdogan, Putin, Trump, Le Pen, Wilders… Ein Irrtum, von dem man nur hoffen kann, dass er sich nicht verhängnisvoll auswirkt.

Ja, klar: Wenn Antidemokraten – wie bereits einige der Genannten – durch das System der Demokratie an die Macht kommen, dann ist es allzu schnell um eben diese Demokratie geschehen. Hat man schon in der Vergangenheit gesehen (schmerzhaftestes Beispiel: Hitler) und beobachtet die stückweise Demontierung der demokratischen Gesellschaft in der Gegenwart in manchen afrikanischen und südamerikanischen Staaten ebenso wie in der Türkei oder auch – US-Amerikaner werden’s nicht gern zur Kenntnis nehmen – durch das Dekreteregime des Donald Trump.

Natürlich sind die Machtpolitiker die aktiven „Ober-Zündler“, die es verstehen, mit Propaganda, Manipulation und Erfundenem (also, weil’s netter klingt: „Fake News“ und „alternativen Fakten“) Menschenströme zu (ver)leiten. Da gibt es aber noch andere, man könnte sagen: „passive Zündler“, auf die Capa-kaum das Augenmerk richten will. Jene nämlich, die zuschauen, die das böse Spiel mit der Demokratie zulassen: Etwa Erdogans aufheizende Wahlveranstaltungen in Deutschland, Putins Mühlespiel mit den Europäern und den Amerikanern um die Ostukraine und Syrien, Trumps Verständnislosigkeit erregende Twitter-gestützte Schaukelpolitik (wenn man da überhaupt von „Politik“ sprechen kann). Jedenfalls also bei weitem nicht bloß die „schweigende Masse“, auf die sich die handlungsschwachen Demokratiepolitiker gerne berufen, um ihr eigenes Unvermögen zu kaschieren.

Nein, diese an Sicherheit und gutem Auskommen in ihrem Leben interessierte „schweigende Masse“ dient den „Ober-Zündlern“ als Manövriermasse, der einige Beruhigungspillen verabreicht wird, um umso ungestörter die eigene Machtpolitik vorantreiben zu können. Und die Politiker, die passiv zusehen, die beschwichtigen, die die Realität verweigern oder schönreden, richten während solcher Entwicklung besonderen Schaden an, meint Capa-kaum. Ihr Einfluss auf die „Mitte der Gesellschaft“ schwindet, je mehr sich die Starken an den Machthebeln durchsetzen, sie bereiten aber gleichzeitig das Feld auf für jene, die sich an den Rändern der Gesellschaft radikalisieren.

Was geschieht, kann man leicht aus der Geschichte lernen – tut man das? Oder man kann es – man möge Capa-kaum den Vergleich verzeihen – in der angeblich „schönsten Nebensache der Welt“, im Sport beobachten. Radaubrüder auf Fußballplätzen gibt es von Jahr zu Jahr mehr – die Rabauken sind keine „Fans“, wie sie so gern von Sportreportern genannt werden, sondern Gruppen Krimineller, die die Plattform des Sports nützen, um zu zerstören, zu verletzen. Eigene Fanbetreuer versuchen zu beschwichtigen, durch Gespräche gute Stimmung zu schaffen – wo eigentlich entsprechendes Durchgreifen schon längst angesagt wäre. Dass der alte Aufmunterungsruf „Jetzt geht’s los“ von den Raudaumachern zum Schlachtruf der Aggression pervertiert ist, ist ihnen zu lange entgangen.

Nun also sind rassistische Beschimpfungen von Spielern noch das vermeintlich Harmloseste rund um die Fußballspiele. Schlägereien und  Zerstörungswut vor und nach dem Spiel arten in jüngster Zeit immer mehr aus. Die Aversion gegen gegnerische Mannschaften wird nicht mehr nur auf hässlichen Transparenten ausgedrückt, sondern – wie jüngst in Dortmund – auch in Prügeleien, bei denen Unbeteiligte und sogar Kinder verletzt werden. Und wenn russische Hooligans bereits jetzt öffentlich verkünden, sie würden bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland Radau machen und die Stadien „brennen lassen“, dann merkt vielleicht auch der nicht am Fußball Interessierte, wie weit die Mobilisierung des Mobs zumindest auf diesem Gebiet schon vorangeschritten ist. Und sollte eigentlich ein Lehrbeispiel für die demokratisch interessierte Gesellschaft sein. Denn vom „Wehret den Anfängen“ bis zum „Wehe wenn sie losgelassen“ ist ein allzu kleiner Schritt.

4 Kommentare zu “Wehe wenn sie losgelassen”

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