…und der Ungerechtigkeit in der Welt. Und das obwohl heute der Tag des In-den-April-Schickens stattfindet. Also, eine Warnung vorweg: Capa-kaums Abhandlung ist kein lustvoller 1. April-Scherz, sondern ein trauriges Beispiel für Diskriminierung, hinterlistige Legendenbildung und, ja man muss es so nennen, Mobbing.

Lasst uns mit Demjenigen beginnen, der in den Tagen des Osterfestes im Mittelpunkt steht: Der Osterhase. Man sagt, er gelte schon seit dem alten Ägypten als Fruchtbarkeitssymbol, wenngleich er auch seine Funktion als österlicher „Eierbringer“ erst vor etwa vier Jahrhunderten übernommen hat. Weshalb ihm diese verantwortungsvolle Aufgabe übertragen wurde? Man weiß es nicht. Mag sein, dass sein sprunghaftes Verhalten in Feld und Flur dazu beitrug, vielleicht auch seine Fruchtbarkeit, möglich auch, dass ihn seinerzeit die Protestanten auswählten, um sich von den Katholiken abzugrenzen (wie manche Forscher meinen), oder auch, Gipfel der Legendenbildung, weil der Osterhase schlichtweg ein misslungenes Ostergebäck sei – denn ursprünglich galt das Lamm als österliches Symbol und sollte von den Bäckern vor Ostern gebacken werden, was aber offenbar nicht immer artgerecht gelang, wie findige Osterhasen-Forscher herausfanden.

Wie auch immer: Der Osterhase sorgt also für den Eiertransport – und keiner weiß warum. Wenn wir in unserer vorösterlichen Betrachtung nun also direkt zum Osterei gelangen, dann wollen uns nicht in die Aufzählung von diversen Bräuchen versteigen, sondern ganz einfach feststellen, dass es früher sicher sehr praktische Gründe gab, Eier zum Ostergeschenk zu machen. Denn seit dem Mittelalter hatte die Kirche in der vorösterlichen Fastenzeit den Verzehr von Fleisch und Eierspeisen verboten. Die Folge war, dass sich vor Ostern große Mengen an Eiern ansammelten, zumal der Vorfrühling eine gute Legezeit der Hühner ist. Damit der Eierüberschuss nicht verdarb, wurden die Eier abgekocht und haltbar gemacht. Den um Ostern oft fällig gewordenen Pachtzins entrichteten die Bauern üblicherweise mit den angesammelten Eiern (wofür es schon Belege aus dem 14. Jahrhundert gibt). Die restlichen Eier wurden zur Weihe in die Kirche mitgenommen und anschließend verschenkt.

Ostereier bemalt, umhäkelt, kunstvoll verziert, auch aus Holz oder Filz, natürlich auch aus Schokolade oder Marzipan, dazu die berühmten kunstvollen sorbischen Eier oder die wertvollen Fabergé-Eier – ein wahrer (und für Manche einträglicher) Kult ist um das Osterei entstanden. Das geht so weit, dass es in der schwäbischen Gemeinde Sonnenbühl sogar ein Osterei-Museum gibt, das über tausend Exponate aus ganz Europa zeigt.

Nun aber ist die eingangs erwähnte Diskriminierung anzusprechen. Denn Hase und Ei haben dem Produzenten des Kultobjekts, der Henne, jegliche Bedeutung genommen. Nun gut, sie legt zwar die Eier – aber, bitte sehr: Wer spricht zu Ostern schon darüber? Im besten Fall stehen mit Reis oder Schaumstoff gefüllte Osterhühner aus Stoff als Dekoration herum. Es gibt es sie in Häkelanleitungen und Bastelvorlagen, darunter auch, und das ist eben wohl als Mobbing übelster Art zu bezeichnen, Osterhühner aus Klorollen (!) mit Krepppapier und Bastelkleber. Ganz zu schweigen übrigens davon, dass Capa-kaum zu allem Überfluss ein Kochrezept für ein Osterhuhn zugetragen wurde…

Doch wem das alles noch nicht genug ist: Eine aktuelle Information zum Schluss, die zeigt, wohin das Huhn-Mobbing in unserer wirtschaftlichen Realität führt. Jedes Jahr werden nämlich allein in Deutschland 40 Millionen (männliche) Küken „geschreddert“, wie es so unschön heißt. Denn Hähne sind unerwünscht, können sie doch nicht für Eiervorrat sorgen und sind außerdem nicht so gut zu mästen wie Hennen. Aber Capa-kaum hat dieser Tage eine Frohbotschaft gelesen: Dass nämlich Deutschlands Landwirtschaftsminister diese Massentötungen männlicher Küken bis 2017 beenden will. Bis dahin soll man bereits im Ei erkennen, was da schlüpfen will – und dann vernichtet man eben die Eier. Fröhliche Ostern!

2 Kommentare zu “Von Osterhasen, Ostereiern, Osterhühnern…”

  • Aquarius 6. April 2015

    Der Mensch in seiner Gier ist das allergrößte Ungeheuer, das die Natur zustande gebracht hat. Ich meine, nicht der Stärkste sondern der Böseste überlebt.

  • ichbinhierjanurausversehenmalvorbeigekommen 1. April 2015

    Naja, es heißt noch viiieeeell weniger unschön als es gemacht ist! Das Schreddern. Auch ist ein Klorollen-Hühner-Mobbing wohl weniger schlimm – für ein Huhn – als im Kochtopf zu landen. Und unsinnig: jeder weiß, dass an einem anständigen Huhn mehr Fett als Fleisch ist: für Kranke erstklassig als ausgekochte Brühe für Ent-Fastete eher schmale Kost, denen ist ein rechter Fleischhahn in ordentlich gutem Rotwein lieber! – Mensch Meier, Dir auch- fleißiger Capa-Kaum: Frohe Ostern!

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