Diese Aufregung um die neue Facebook-Chronik. Man kennt das ja: Immer wenn etwas verändert wird, gibt es Skepsis, Widerstand und formieren sich Initiativen, die das Bisherige beibehalten wollen. Manchmal zu Recht, oft aber stellt sich auch heraus, dass das Neue gar nicht so ablehnenswert ist wie es ursprünglich für Viele ausgesehen hat. Womit die Facebook-Aufregung um Design und Datenschutz in der Mitte der Gesellschaft angekommen und symptomatisch ist für so manche Entwicklung in unserer Welt. Daher also Allgemeingültigkeit besitzt, auch wenn nur jener Teil der Gesellschaft betroffen ist, der sich in diesem sozialen Netzwerk befindet. Das aber sind mittlerweile eine Menge Menschen – genauer gesagt weltweit immerhin 845 Millionen, die täglich insgesamt 2,7 Milliarden Mal den „Gefällt mir“-Button anklicken und bereits rund 100 Milliarden angebliche „Freundschaften“ begründet haben.

Klar ist: Mit dem Thema Datenschutz wird von vielen Nutzern in der Internet-Gesellschaft häufig ziemlich lässig umgegangen, daher ist die aus Anlass des Facebook-Neudesigns losgetretene Debatte sehr wichtig. Allerdings: Am meisten regen sich über die neue Facebook-Chronik diejenigen auf, die am wenigsten Ahnung von der Sache haben, stellt Capa-kaum fest. Etliche selbsternannte Experten in Sachen Internet nämlich und dazu – wie könnte es anders sein – PolitikerInnen verschiedener Ausrichtungen.

Es hat schon was für sich, dass im Zentrum der außerhalb der Facebook-„Gemeinde“ vorgebrachten Kritik die neue „Timeline“ steht, die Zeitachse im persönlichen Nutzerprofil. Denn zweifellos werden Arglose durch das neue Design dazu verleitet, Lücken in der eigenen Lebenschronik „nach bestem Wissen und Gewissen“ auszufüllen. Also (zu) viele persönliche Informationen öffentlich preiszugeben.

Aber: Steht jedem Menschen nicht ein gutes Maß an Eigenverantwortung an? Auf Facebook bezogen lautet das: Niemand muss sich dem scheinbaren Zwang der neuen Chronik-Darstellung unterwerfen und haarklein wirklich alle „Lebensereignisse“ anführen. Bei näherem Hinsehen ist nämlich der Datenschutz genauso gut oder schlecht wie bisher und wie immer und überall im Internet, hat Capa-kaum bei der Neueinrichtung seines eigenen Facebook-Profils festgestellt. Abgesehen davon, dass man ja alle möglichen Einstellungen vornehmen kann, um Informationen für die anderen unsichtbar zu machen oder überhaupt zu löschen, ist natürlich wie überall im Internet klar: Alle, auch die gelöschten, Informationen sind irgendwo auf irgendeinem Server, in irgendeinem elektronischen Archiv gespeichert. Aber: Weiß man das nicht?

Und genau in dieser Zeit der Aufregung um den Datenschutz in Facebook neulich im Kino, vor dem Hauptfilm, sehr passend ein Gespräch in der Reihe hinter Capa-kaum: „Natürlich beziehe ich Facebook beim Info-Sammeln über einen Bewerber ein“, sagte die Stimme, die offensichtlich jemanden aus dem Personalbereich gehörte. „Lebenslauf und Zeugnisse können ja ok sein, der Bewerber selbst auch kein Problem – aber weißt du, ich sehe mir in Facebook immer die Freunde an, mit denen der Bewerber verbunden ist. Wenn da mehrere darunter sind, die Kevin, Jessica oder Jasmin heißen, dann kenn‘ ich mich schon aus. Und dann auch, welche Musik besonders gefällt, welche Spiele interessieren und so. Da weiß ich dann schon viel.

Aber, wie gesagt: Steht jedem Menschen nicht ein gutes Maß an Eigenverantwortung darüber an, welche seiner persönlichen Daten er wann und wo öffentlich macht?

2 Kommentare zu “Von der Eigenverantwortung”

  • Moli 11. Februar 2012

    heute schiebt doch jeder die verantwortung auf jemanden anderen. das erspart sich selbst gedanken zu machen

  • Charlie 5. Februar 2012

    niemand hat doch überblick darüber, welche daten von ihm im netz sind! wer sich fürchtet oder was zu verbergen hat, sollte gar nix ins netz stellen. google, facebook &co sammeln alle möglichen daten, und das seit jahren, welche seiten angesehen werden, buchungen, bestellungen, also genug infos über jeden von uns

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