Wir sollten einmal kurz verweilen und das betrachten, was in unserer heutigen so öffentlichkeitsaktiven Welt um uns geschieht und was es mit uns macht. Einige Gedanken zur Zeit – wenn man so will. Denn Capa-kaum meint: Politik und Wirtschaft liefern praktisch im Wochentakt die Erkenntnis, wie leicht es ist, Menschen zu manipulieren.

Griffige Schlagworte politischer Akteure sind es – von Donald Trump bis Frauke Petry und HC Strache, aber auch von Recep Tayyip Erdogan bis Horst Seehofer, die den Zukurzdenkenden gut ins Ohr gehen. Aber auch die scheinbar fundierten schwammigen Erklärungen politischer Sprecher etwa zu den Flüchtlingsdeals mit der Türkei und Libyen oder von sprachgewandten Lobbyisten etwa zu TTIP und Glyphosat, die den Besserzuhörenden den Anschein des Faktischen vermitteln wollen.

Die Reihe der Beispiele lässt sich problemlos fortsetzen. Die Gemeinsamkeit: Immer wird so getan, als würde die Wahrheit mitgeteilt. Man kann natürlich darüber philosophieren, was die Wahrheit ist – Capa-kaum wird sich damit vielleicht in nächster Zeit befassen. Diesmal aber geht es um unsere tägliche Manipulation und darüber, wie es überhaupt möglich wird, dass die Bemühungen dieser Art von Politik und Wirtschaft ihr Ziel auch nicht verfehlen.

Ja, es ist in unserer Mediengesellschaft einfach zu einfach, Schlagworte als Allheilmittel anzubieten, oft Schlechtes für Gutes zu verkaufen oder Risikoreiches als Sicheres anzupreisen und fast pausenlos neue Lösungen als beste Möglichkeit darzustellen – auch wenn sich das beim zweiten Hinsehen als Irrglaube herausstellen würde. Aber wer schaut schon ein zweites Mal hin? Dafür fehlen doch Zeit und Lust – das nächste Thema ist doch bereits da und erfordert unsere Aufmerksamkeit oder macht uns einfach mehr Spaß. So kommt es, dass Otto Normalverbraucher in diesem Medientreiben gerne mitmacht und den Meinungsforschern für ihre Umfragen das entsprechende Futter liefert – klingt der nächste Vorschlag plausibel, schlägt das Meinungspendel ohne Zögern einfach in die ganz andere Richtung aus: Einmal ja, einmal nein. Womit die mediale Spektakelspirale durch unsere Manipulationsbereitwilligkeit wieder weitergedreht wird.

Wir können uns nicht einmal „auf die Umstände“ ausreden, denn die Ursache für diese Manipulationsmöglichkeiten liegt schlichtweg in jedem von uns selbst. Angesichts der pausenlos und überall auf uns einströmenden Informationen im Beruf, in der Freizeit, auf der Straße, in der Familie, über Internet, Fernsehen und Zeitungen, von E-Mails bis WhatsApp nehmen wir Vieles praktisch nur noch einfach entgegen ohne es wirklich zu hinterfragen oder zumindest bewusst zu konsumieren. Denn das geht auch gar nicht. Die Kommunikationspsychologie hat beispielsweise festgestellt: Immer mehr Menschen zappen im 2-Sekunden-Takt durch 40, 60 oder 100 Fernsehkanäle, wobei sich nach längstens 2 Stunden ein Völlegefühl einstellt, aber gleichzeitig auch inhaltliche Leere – man hat zwar „Alles“ konsumiert, sich aber durch nichts bereichert, nichts bewusst gespeichert.

Aber, leider: In unserem Unbewussten findet alles statt. Weil real durch unsere Sinne Wahrgenommenes durch diese unserem Gehirn zugeleitet und dort verarbeitet wird. Das heißt: Realität wird in unsere Psyche übertragen, jeder Wahrnehmungsinhalt erhält damit zusätzliche Faktoren und wird dadurch gleichsam zu einem psychischen Ereignis. Wir treffen Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ – und wissen gar nicht warum. Ein aufnahmebereites Feld für Manipulatoren.

Capa-kaum muss da an ein Zitat aus Immanuel Kants Schrift „Was ist Aufklärung erinnern: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.“

Man könnte auch sagen: Wer es sich zu einfach macht und gebotenen Informationen zu schnell Glauben schenkt, nicht hinterfragt, nicht in Frage stellt, hört auf zu denken. Und ist ein willfähriges Objekt für Manipulatoren.

3 Kommentare zu “Unsere tägliche Manipulation”

  • Kant kanns 14. Juni 2016

    Ich glaub, das hätte dem Platon gefallen, sein ruhelos gelassenes Denken als sein „zentrales ethisches Projekt“ bezeichnet zu bekommen.

  • Capa-kaum 14. Juni 2016

    @Kant kanns: Bin natürlich ganz deiner Meinung! Das ist ja die Crux, dass kritisches Hinterfragen des eigenen Handels für Viele so unangenehm ist. Aber nicht von ungefähr ist „bei den alten Griechen“ am Eingang des Apollo-Tempels in Delphi so tiefgründig gestanden:“Erkenne dich selbst“. Und für Platon war dieses Bemühen um solche Selbsterkenntnis ein unverzichtbarer Bestandteil seines zentralen ethischen Projekts.

  • Kant kanns 13. Juni 2016

    Lieber Capa-Kaum – danke wieder einmal für die kurze Zusammenfassung von dem, was Realität ist. Sicher sind auch viele Menschen von den neuen, sich explosiv entwickelnden technischen Möglichkeiten, sich zu informieren und miteinander zu kommunizieren vollkommen psychisch überfordert. Andererseits können sie nur durch eigene Anwendung und Ausprobieren ihre Souveränität über ihre Möglichkeit und ihre Entscheidungen, Möglichkeiten zu nutzen ODER nicht zu nutzen, wie sie es wollen, wieder erlangen.
    Deshalb denke ich: nicht dass Entscheidungen gefühlt „aus dem Bauch“ gertroffen werden, kann sich fatal für Manipulationsbereitschaft auswirken. Eher die Faulheit und Feigheit und ein Mangel an Freude am eigenen Leben sind es, die dazu führen, dass getroffene „Bauch-Entscheidungen“ nicht hinterfragt, froher Dinge zurückverfolgt in die eigene mögliche Motivation oder reuelos, also irgendwie liebevoll, kommuniziert werden. Es gehört zur Mündigkeit eben auch ein Mut, sich selbst unbeschönigt sehen zu wollen dazu. ?.

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