Es ist ja schon so, dass Capa-kaum die Bedeutung wissenschaftlicher Studien überaus schätzt. Was aber nicht heißt, dass er die Ergebnisse der hochgeschätzten Forscher bloß mit großem Staunen und bedeutsamem Interesse verfolgt. Denn immer wieder kommen ihm Forschungsarbeiten unter, die er unter die Kategorie „seltsam“ einordnen muss. Wie etwa die wissenschaftliche Leistung deutscher Vogelforscher zum Thema Zebrafinken.

Diese haben nämlich für ihre Studie die Finkenweibchen in Käfige gesetzt, in denen sie durch das Drücken von verschiedenen Tasten mit dem Schnabel unterschiedlich laute Gesänge selbst abrufen konnten. Vier Gesänge eines Zebrafinken-Männchens wurden ihnen in unterschiedlicher Lautstärke über Lautsprecher angeboten. Und siehe da: Die Zebrafinken-Weibchen pickten sehr viel öfter auf die Taste für lauten Gesang als auf die anderen Tasten. Und sie waren, wie die Forscher des erhabenen Max-Planck-Instituts für Ornithologie geradezu ehrfürchtig erklärten, unglaublich aktiv: Manche Vogeldamen betätigten mehr als 1.000 Mal am Tag die Tasten!

Für die Forscher ist die Schlussfolgerung somit klar: Die Zebrafinkinnen stehen auf laute Sänger. Und können offenbar von diesen gar nicht genug bekommen. Wobei es, wie die hehren Forscher anmerkten, ja nicht nur um den Hörgenuss der Sangesfreude allein geht, sondern vor allem auch darum, dass laut singende Männchen vielleicht auch größer – ist gleich: potenter – und damit attraktivere Paarungspartner sind.

Jedenfalls konnte sich die Lautstärke deutlich durchsetzen. Und da stutzt Capa-kaum nun in der Betrachtung der Forschungsergebnisse: Ist doch auch in der menschlichen Gesellschaft weit verbreitet, dass oft die Lautstärke triumphiert – wenn jemandem im Konflikt die Argumente ausgehen, sich ein anderer besonders in Szene setzen will, Männer gegenüber Frauen ihr Ego hochspielen. Laut sein als (zumindest scheinbarer) Beweis für Kraft, Wichtigkeit, Überlegenheit, Selbstsicherheit und Fortpflanzungsstärke – Menschen sind offenbar doch nicht so weit entfernt von den Vögeln.

1 Kommentar zu “Triumph der Lautstärke”

  • Charlie 24. Juli 2010

    Wer nicht Lärm macht, kann sich nicht durchsetzen, so funktioniert eben unsere Gesellschaft.

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