Einmal etwas aus der Etymologie – denn Capa-kaum ist unter anderem auch ein Freund dieser Wissenschaft, die Worte auf ihre Ursprünge zurückführt. Und weil ihm kürzlich, beim Durchstreifen seiner Lieblingsbuchhandlung, etwas ganz Eigentümliches in die Hände gefallen ist, gibt es hier ein paar Zeilen dazu. Es ist eine Faltkarte, die – obwohl recht unscheinbar – neue Einblicke in Bekanntes ermöglicht. Auf den ersten Blick eine ganz normale Landkarte von Europa, bei näherem Hinsehen aber fallen die seltsamen Namen an der Stelle von bekannten Orten, Bergen und Gewässern auf. Da gibt es die Sumpfstadt, die Stadt der Bootsleute, den Kaufmannshafen, den Ort Waldbach oder Flüsse wie Sprühwasser, Die Reissende oder Die Fließende.

Also, es geht auf der Landkarte um den Ursprung der heutigen geografischen Bezeichnungen, zusammengestellt in diesem Atlas der wahren Namen auf der Grundlage einer Reihe von sprachwissenschaftlichen Werken. Und da offenbaren sich eben interessante Entdeckungen.

Die erwähnte Sumpfstadt ist beispielsweise das heutige Berlin, leitet es doch seinen Namen vom Altpolabischen „berl“ (= Sumpf) ab. Für jene, die Berlin näher kennen, keine Überraschung, ist doch das sumpfige Terrain, auf dem Deutschlands heutige Hauptstadt seinerzeit errichtet wurde, bis in die Gegenwart ein Problem bei Neubauten von Häusern und U-Bahnen. Ebenso nicht wirklich durch den heutigen Namen direkt zu erkennen ist Wien – auf der Landkarte als Waldbach eingezeichnet. Die Bezeichnung der heutigen österreichischen Hauptstadt leitet sich – Mancher wird’s wissen – von dem sie durchfließenden Flüsschen Wien ab, dessen Name auf das Keltoromanische „vedunia“ (= Waldbach) zurückzuführen ist.

Schon eher kann man den Konnex des Kaufmannshafen zu Kopenhagen herstellen oder vielleicht auch von Sprühwasser zur Spree. Nur Spezialisten ist es vorbehalten, in der Stadt der Bootsleute Frankreichs Hauptstadt Paris zu erkennen, gebildet aus den keltischen Bezeichnungen „par“ (= Boot) und „gwys“ (= Leute). Dass Die Fließende schlicht und einfach die Donau ist, was sich aus dem Indoeuropäischen herleitet („danu“ = stark fließendes Gewässer), erschließt sich dann eigentlich ebenso logisch wie die Herkunft der Isar als Die Reissende (indoeuropäisch „is-ara“ = heftig, reissend).

Und so kommt man auf dieser Landkarte (und in den begleitenden etymologischen Erklärungen) ins Schmökern, wundert sich über Die Fröhliche und was aus ihr heute geworden ist (Bukarest); wundert sich nicht, dass Valencia eigentlich Die Gesunde ist und Moskau Die Morastige; erfährt, dass London einst als Hügelfeste gegründet wurde und Nürnberg als Felsberg (mitteldeutsch „nürn“ = Fels), aber dass Felsenland (Kärnten) und Felsgebirge (Karawanken) ihren Ursprung im indoeuropäischen Sprachstamm haben („karant“ = Felsen, Stein).

Zum Schluss noch zwei einfache Namen: Große Glocke und Bergwiesenspitze. Ersteres ist natürlich Österreichs höchster Gipfel, der Großglockner, und hinter dem zweiten Namen versteckt sich der Paradeberg der Schweiz, das von der Wiesen-„Matte“ hergeleitete Matterhorn.

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