Wenn sich Meldungen zu einem bestimmten Thema häufen, und wenn dieses Thema überdies noch ein sehr sensibles und Jeden angehendes ist, dann – meint Capa-kaum – ist es an der Zeit, einen skizzenhaften Überblick über aktuelle politische Vorhaben, wirtschaftliches Geschehen und gesellschaftliche Implikationen zu geben. Anregung zum Nachdenken.

Nur die Spitze des Eisbergs ist die gegenwärtig zu Recht aufkochende Aufregung über den Datenklau, den der amerikanische Geheimdienst bei Millionen Telefonkunden und Internetnutzern betreibt – jedenfalls wird da tatsächlich offenbar, was an Möglichem wirklich geschieht. Facebook, Google, Microsoft und Apple sind nur die signalhaftesten Unternehmen, die in dieses Big Brother-Netz geraten sind.

Der alltägliche Datenklau geschieht jedoch wesentlich unbemerkter. Man kann nicht einmal mehr sagen: Wehret den Anfängen – denn wir sind mitten drin.

Neulich: Die Sache mit der neuen Microsoft-Spielkonsole und ihrem Kameraauge, womit die Gefahr entsteht, dass ein Videotrojaner ganz leicht im Wohnzimmer installiert wird. Oder: Dass man nun draufgekommen ist, dass die viel gelobten Smart-TV-Geräte über ihren Internet-Anschluss ein offenes Tor für Hacker darstellen, wenn das Fernsehgerät ins WLAN-Heimnetz eingebunden ist.

Da ist die Diskussion um Videoüberwachung auf Bahnhöfen und Straßen zur Abwehr von Terrorismus und Kriminalität direkt eine Lappalie. Wenn’s auch Viele nicht merken und sich von dem medialen Trommelwirbel um diese Videoüberwachung verschaukeln lassen.

Gut. Ist ja auch in Frage zu stellen. Aber viel gefährlicher für die Privatsphäre und jeden von uns sind die Datenklaus, die in großem Stil via Internet begangen werden. Wie kommt es beispielsweise, dass punktgenaue Werbung nicht nur auf Google-Suchseiten, sondern auch auf Internetseiten von Zeitungen etc. stattfindet? Capa-kaum erhält auch österreichische Werbung auf deutschen Seiten um umgekehrt. Aber hallo?!

Darüber lohnt es mal nachzudenken. Und nicht nur den vordergründigen Aufregungen um ein paar Videokameras mehr auf der Straße oder in einem U-Bahn-Wagen zu folgen. Könnte man ja glatt meinen, dies wäre eine Ablenkung von den wirklichen Datenschutz-Gefahren…

Weiter zur Erinnerung: Russland will jetzt die Weitergabe der Fluggastdaten aus den EU-Ländern – warum auch nicht? Solches hat sich ja auch schon das Heimatschutzministerium der USA gewünscht und erhalten… Dorthin muss der USA-Reisende schließlich auch seine Kreditkartennummer liefern. Ach ja: Es gibt die Zusage, dass mit diesen Daten sorgsam umgegangen werden. Beruhigend, oder?

Unterdessen ringt die EU um eine Datenschutz-Verordnung, die eigentlich 2014 wirksam werden sollte. Aber mittlerweile gibt es dazu rund 4.000 Änderungsanträge, wachsenden Lobbydruck, insbesondere, wie berichtet wird, aus den USA, und Konflikte um wesentliche Details wie die Frage, ob Cookies und vor allem die IP-Adresse des Computers als persönlich und damit zu schützende Daten zu bezeichnen sind oder nicht.

Wie erwähnt: Das ist nur eine Skizze über eine Datenwelt, die immer gläserner wird. Und in der es gleichzeitig für den Einzelnen immer schwerer wird, sich gegen Datenklau zu wehren.

2 Kommentare zu “Skizze zum Datenklau”

  • rolly p. 10. Juni 2013

    du hast noch was vergessen. den datenklau über die fernabfrage des stromverbrauchs. oder das tele-system auf den autobahnen. irgendeiner, der alles das vernetzt, weiß bescheid, ob wir daheim sind, wohin wir fahren etc. wo bleibt die persönliche freiheit?!!

  • aquarius 10. Juni 2013

    Ein weites Land. Wer darf und wer nicht? Warum erinnert mich das irgendwie an die verlorene Macht der „römisch katholischen Kirche“?

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