Zugegeben: Konzeptkunst ist etwas, das Kunstpuristen gerne mit Geringschätzigkeit betrachten. Fehlt doch vielen Werken der KonzeptkünstlerInnen auf den ersten Blick die Tiefe der Aussage, und tatsächlich mutet auch Vieles, was unter dem Deckmantel dieses Begriffs geboten wird, hanebüchen an oder scheint ganz einfach auf den Kauf durch Museen und Galerien, die modern erscheinen (wollen), konzipiert (böse Zungen meinen: Deshalb ja auch Konzeptkunst). Dennoch empfiehlt Capa-kaum, sich die im Wiener Museum Moderner Kunst gleich auf vier Ebenen ausgebreitete erste umfassende Werkschau von Cosima von Bonin anzusehen.

Die in Kenia geborene Deutsche gehört seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den wichtigsten Vertreterinnen dieses Genres, das in der Kunstwelt klangvolle Namen wie Henry Flynt (der als Begründer der Concept Art gilt), Joseph Beuys, Peter Weibel, Valie Export, Marcel Duchamp, Sol LeWitt, Ai Weiwei oder Joseph Kosuth (von dem derzeit eine mächtige Installation im Wiener 21er-Haus zu sehen ist) umfasst. Getreu der Zielsetzung der Konzeptkunst, unterschiedliche Kunstrichtungen weiterzuentwickeln und dabei das Kunstwerk als Impulsgeber für Gedanken zu erachten, sind in dieser Ausstellung vielfältige Arbeiten aus allen Phasen ihres Schaffens zu sehen: Raumgreifende Installationen ebenso wie Stoffbilder, Skulpturen, Videos und Fotografien – und dies auch in Verbindung mit ihrem Netzwerk von KünstlerInnen. Manches hat sie eigens für die Wiener Ausstellung entworfen.

Man kann die gezeigten Objekte leichthin als sinnfrei abtun – originell sind sie allemal. Viele der in den Größenverhältnissen manipulierten Alltagsdinge wie verfremdete Tiere, Pilze oder Wohnrequisiten wirken geradezu kindlich verspielt, Anderes wiederum in ihrer Anordnung kreativ und gleichzeitig seltsam, Manches einprägsam ironisch. Die Kunst von Cosima von Bonin hat schon was, denkt man sich, je länger man durch die Ausstellung geht und immer aufs Neue auf die Leitmotive ihrer Arbeit stößt: Uneindeutigkeit, Provokation und hintergründiger Humor. Es macht jedenfalls Spaß, meint Capa-kaum, angesichts der oft eigenartigen Objekte und ausgehend vom Gesehenen selbst seine Gedanken weiter zu spinnen.

Cosima von Bonin: Hippies Use Side Door. Ausstellung im Museum für Moderne Kunst (mumok), Wien. Bis 18. Januar 2015. Dienstag bis Sonntag 10-19 Uhr (Donnerstag bis 21 Uhr), Montag 14-19 Uhr.

Außerdem derzeit für Konzeptkunst-Interessierte sehenswert: Sigmund Freud und das Spiel mit der Bürde der Repräsentation. Eine Installation von Joseph Kosuth im 21er-Haus, Wien. Bis 11. Januar 2015. Mittwoch und Donnerstag 11-21 Uhr, Freitag bis Sonntag (und an Feiertagen) 11-18 Uhr.

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