Kreuzfahrten boomen – die Buchungen für die Traumreise in die Karibik, in den Indischen Ozean, vor allem auch für Reisen in der Ostsee oder im Mittelmeer stiegen zuletzt um jährlich 3 bis 5 Prozent. Mehr als 6,7 Millionen Europäer waren im Vorjahr auf den Kreuzfahrtriesen unterwegs. Auf Schiffen, die während der Fahrt an einem einzigen Tag im Durchschnitt gleich einmal 200 bis 400 Tonnen und mehr Schweröl verbrennen. Und von denen eines während einer Kreuzfahrt die Umwelt ebenso stark belastet wie fünf Millionen Autos…

In einer französischen Studie wurde kürzlich die Belastung der Schiffspassagiere durch die ultrafeinen Partikeln aus den Schiffsabgasen untersucht und festgestellt, dass aus den Schornsteinen durchschnittlich 60.000 Schadstoffpartikel herausgeblasen werden. Und wer sich hinter den Schornsteinen aufhält, kann bis zu 380.000 krankheitserregende Partikel einatmen. Diese Partikel können neben Erkrankungen der Atemwege auch solche im Gefäßsystem des Körpers hervorrufen und damit etwa Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen. Der deutsche Naturschutzbund Nabu, der diese Analyse nun veröffentlichte, weist darauf hin, dass im Vergleich dazu saubere Luft lediglich 1.000 bis 2.000 Schadstoffpartikel aufweist.

Capa-kaum nahm diese Information zum Anlass, weiter zu recherchieren. Und es stellt sich heraus:  Der Großteil der auf den Weltmeeren fahrenden Kreuzfahrtschiffe wird nach wie vor mit dem besonders viele Schadstoffe produzierenden Schweröl angetrieben. Dazu muss man wissen: Schweröl ist ein Abfallprodukt aus den Raffinerien, das auch zur Herstellung von Teer und Asphalt genutzt wird. Beim Verbrennen im Schiffsmotor werden Schwefel, Stickstoff und Kohlendioxid in solchen Mengen freigesetzt, wie sie an Land nicht erlaubt wären. Deshalb müssen die Schiffe übrigens bei Annährung an Land auf Dieselbetrieb umstellen.

Aber: Schweröl kostet zum Beispiel in dieser Woche in Rotterdam rund 300 Dollar pro Tonne, der Preis für „sauberes“ Marine Diesel liegt dagegen bei derzeit rund 500 Dollar. Ein Preisunterschied, der Schadstoffprobleme auf offener See klein werden lässt, denn in die Tanks eines durchschnittlich großen Kreuzfahrtschiffs gehen bis zu 16.000 Tonnen Öl hinein. So versuchen die Reedereien, mit Rußfiltern (auf derzeit 23 von 300 Schiffen) oder so genannten Scrubbern zur Abgasnachbehandlung (gegenwärtig auf 70 Schiffen) das Ärgste zu vermeiden. Nur: Für die ultrafeinen Partikel gibt es bislang keine Filter…

Geht man dem Traum Kreuzfahrtschiff noch mehr nach, findet man Statistiken wie die folgende: Ein einziges modernes Kreuzfahrtschiff stoßt während der Fahrt täglich nicht nur fast eine halbe Tonne Rußpartikel, sondern auch mehr als fünf Tonnen Stickoxide und mehr als sieben Tonnen Schwefeldioxide aus. Bill Hemmings von der Umweltorganisation Transport & Environment sagte dazu im Mai 2016: „Die Luxusliner verbrennen so viel Treibstoff wie ganze Städte.“

Hemmings erklärte dies aus Anlass der Jungfernfahrt des größten Kreuzfahrtschiffes der Welt, der Harmony of the Seas – 362 Meter lang, bis zu 6.000 Passagiere, 2.000 Crewmitglieder, 20 Speisesäle, 23 Swimminpools – Ölverbrauch für die drei Maschinen 18.000 Liter, also 18 Tonnen pro Stunde, damit mehr als 430 Tonnen pro Tag. Das größte, aber eben nur eines von rund 300 Kreuzfahrtschiffen. Und gegenwärtig sind 50 weitere Traumschiffe im Bau – sie sollen bis 2020 hinzukommen. Darunter einige wenige, die mit Flüssiggas betrieben werden sollen – allerdings: Auch Flüssiggas ist (meist um 20 Prozent) teurer als Schweröl.

Aber, wie eingangs festgestellt: Das Thema sind nicht nur die Schadstoffe, die auf offener See „in die Luft“ strömen und eine Traumreise zu einer schmutzigen Angelegenheit machen, sondern die dadurch besonders gegebene direkte Belastung der Passagiere – auch wenn diese sich nicht hinter den Schornsteinen aufhalten…

3 Kommentare zu “Schmutziger Traumurlaub Kreuzfahrt”

  • Renate Skoff 18. Februar 2017

    Mhm, lieber Capa-kaum, diesmal hast du mir mit deinem Blog ganz schön eigeheizt. Nicht, dass ich deine Argumente nicht glauben oder nachvollziehen kann oder will. Aber Kreuzfahrten können, wie ein anderer Leser deines Blogs schon erwähnt hat, auch einzigartige, wunderbare Erlebnisse sein, die man nie vergisst. So bereue ich es auch nicht, schon die eine oder andere Kreuzfahrt gemacht zu haben und kann auch nicht ausschließen, dass das nie mehr vorkommen wird. Allerdings muss ich sagen, dass mir dein Blog schon die Augen geöffnet hat. Dass Schiffe solche Umweltverpester sind, war mir in dieser Form bisher nicht bewusst. Daher danke ich dir für deinen Beitrag, dessen Inhalt sicher bei der nächsten Urlaubsüberlegung sehr präsent sein wird.

  • AusderTonnemitBlick...auf die Tonnen 26. Januar 2017

    Das muss ich unbedingt meiner empathischen Freundin erzählen, denen so vieles leid tut auf der Welt wie es ist. Sie ist gut informiert, kritisch, widerständig bis zur Erschöpfung – aber ihr schönstes Erlebnis war trotzdem immer bisher ihre Weltrundreise mit so einer schwimmenden Stadt – nein, ich erzähl es ihr nicht – sie hat immer getan, was sie konnte und nun ist sie schon sehr alt. Und krank. Aber einer etwas jüngeren Millionärin, die sich mit ihrem Mann eine Kabine auf so einem Apokalypse-Dampfer gepachtet hat, um je nach Lust und Laune, gleich wo der auf der Welt gerade mal angelegt hat, zusteigen zu können – die ist zwar nicht meine Freundin und auch schon ganz schön alt, aber die werd ich das wissen lassen, lieber Capa-Kaum – unter denen würde ja selbst der Ararat zusammenbrechen, wenn die nächste Sintflut erstmal zurückgegangen ist…

  • Lilli Salander 25. Januar 2017

    Wenn einem davon nicht schon schlecht ist, bitte die Steigerungsstufe anklicken:

    https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/muellkippe-meer/11962.html

    Dagegen ist das, was Herr Trump gerade anrichtet, ein Spaziergang im Park.

    TITANIC, here we come!

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