Wer seine musikalische Liebe in Jazz und Soul gefunden hat, muss sich ihr mit Leib und Seele verschreiben. Heißt also, um sich wirklich in diese Musikgenres zu vertiefen, diese zu verstehen und als Künstler zu einem Teil eigenen Musikschaffens zu machen, ist eine gehörige Portion Beschäftigung mit ihren Facetten und Gesetzmäßigkeiten, vor allem aber auch die eingehende Befassung mit den Werken der großen Könner dieser Musikrichtungen nötig. Mit dieser allumfassenden Einleitung gelangt Capa-kaum auf direktem Weg zu Roger Cicero, der eben in Frankfurt (Main) und tags darauf in Berlin eine ungewöhnliche Herbst-Tour begonnen hat.

Ungewöhnlich ist diese Solo-Tour einerseits, weil sie eigentlich eine Duo-Tour ist – Roger Cicero singt und spielt mit dem  kongenial-wunderbaren Pianisten Lutz Krajenski. Ungewöhnlich aber auch, weil der bisher immer wieder auf großen Bühnen auftretende Roger Cicero diesmal kleine Veranstaltungsräume ausgewählt hat, beispielsweise in Berlin das Tipi-Zelt. Und so wird der Jazz-Soul-Funk-Abend fast zu einem privaten Happening.

Roger Cicero: Man kann keinen Draht zu seinem Musikgenre haben. Man kann ihm vorwerfen, für Deutschland beim Eurovision Song Contest erfolglos angetreten zu sein (2007, Platz 19). Man kann seine Macke (früher mit Hut, diesmal mit Mütze auf der Bühne) belächeln, weil man sie unnötig findet. Was man aber nicht kann: Seine Qualitäten als Sänger, Musiker und Entertainer in Frage zu stellen. Beeindruckend, was er mit seiner Stimme zu Wege bringt. Und deshalb ist das, was Roger Cicero gemeinsam mit Lutz Krajenski in seinem Programm Roger Cicero Solo bietet, außergewöhnlich, sehens- und hörenswert.

Der intime Rahmen tut dem facettenreichen Vollblutmusiker gut. Roger Cicero plaudert mit seinem Publikum, hat Spaß mit seinem Bühnenpartner, streut die berührenden Liebeslieder an seinen Sohn und seinen Vater ein und sprüht vor musikalischer Lust. Von Prince und den Sportfreunden Stiller bis Duke Ellington und Dave Brubeck spannt sich der Bogen der an diesem Abend gebotenen Genres. Übrigens Dave Brubeck: Dessen mit Al Jarreau komponiertes und technisch überaus anspruchsvolles Blue Rondo a La Turk, von Roger Cicero als „eigentlich nicht nachspiel- und nachsingbar“ angekündigt, ist ein unzweifelhafter Höhepunkt des Abends, der beiden Protagonisten die Gelegenheit gibt, ihr Können voll auszuspielen.

Roger Cicero Solo feat. Lutz Krajenski. Tour im Oktober 2010 in mehreren deutschen Städten sowie in Zürich bis 24. Oktober (München).

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