Na klar. Es mussten zwei Deutsche sein, die das bisher seit Menschengedenken in so klar definierten Strukturen verlaufende Strandleben total revolutionieren wollen. Weshalb Deutsche? Davon später. Jedenfalls wollen die zwei Deutschen dort beginnen, wo es für die eingefleischten Sonnenliegenbenutzer ans Eingemachte geht: Auf der Deutschen liebsten Sonneninsel – was Capa-kaum vor allem auch allen Jenen zur Kenntnis bringen will, denen bereits in wärmendes Tuch gehüllt nichts Anderes übrigbleibt, als von Sonne, Sand und Meer zu träumen.

Also: Mallorca im Herbst. Auf den ersten Blick alles wie üblich – meist sonnige 26 Grad, noch immer heftiger Touristenbetrieb in Tapas-Bars und Souvenirläden, Hotels und Strandliegen sind gut besetzt, schon frühmorgens liegen Handtücher auf unbenutzten Strandliegen. Aber auf leisen (Internet-)Sohlen nähert sich die Sombrilla-Revolution. Noch zaghaft, im Probetrieb, wie die beiden Initiatoren Roland und Marc verkünden. Und zwar in einer der Touristen-Hochburgen der Insel, in Santa Ponça. Gelingt der Testlauf, will man Mallorcas Strände erobern und dann als Nächstes vielleicht Fuerteventura, heißt es.

140 Sonnenliegen wurden von den beiden Strandverhaltens-Revoluzzern gemeinsam mit den Gemeindeverantwortlichen fürs Erste ausgewählt, mit deren Hilfe Schluss gemacht werden soll mit der täglichen Urlaubsbeschäftigung, die gerade von den Sonnenhungrigen, die von Düsseldorf, Berlin, München, Stuttgart, Hamburg oder Paderborn einfliegen, gern geübt wird: Schon früh am Morgen, am besten vor dem Frühstück, die Lieblingsliege unter dem Sonnenschirm am Strand mit dem eigens dafür vorgesehenen Handtuch zu belegen, sprich: von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zu reservieren.

Was hat es über die Jahre hinweg für Appelle, zahllose Flugblätter und freundliche Hinweise des Strand- und Hotelpersonals gegeben, dies zu unterlassen, weil es doch unsozial sei (und überdies nicht gestattet). Alles vergebens. Doch nun das Sombrilla-Start-up mit der zeitgemäßen Geschäftsidee: Man soll doch seine Wunschliege auch ganz einfach übers Internet buchen können. Programm und Sombrilla-Webseite gibt es bereits – nur buchen kann man noch nicht. Der für den Herbst vorgesehene Test lässt zwar auf sich warten (ist ja auch kein Problem, um diese Jahreszeit einen vernünftigen Platz am Strand zu bekommen), doch im kommenden Jahr soll das System laufen. Das heißt dann: Mit Kreditkarte buchen wie einen Platz im Theater und auf dem reservierten Schirm springt eine solarbetriebene Leuchte von grün auf rot – besetzt.

Das Reservierungshandtuch wird überflüssig, die Online-Schirm-und-Liege-Vermittler sind pro Buchung um ein paar Dutzend Cent billiger (die auf den Preis für Liege und Schirm von je 4,50 Euro aufgeschlagen werden), die Liegen-Reservierer brauchen nicht mehr vor dem Frühstück zum Strand hetzen – und Denjenigen, die zu spät dran und/oder Internet-Anti-User sind, bleiben auch künftig nur die ihnen ohnedies bekannten Ärger-oder Neid-Gefühle.

Also eigentlich Alles wie bisher. Nur eben elektronisch.

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