Zitate, die Anregungen zum Nachdenken geben…

 

Immanuel Kant: Was ist Aufklärung?

(1784)

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt, u.s.w., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wenn ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen.

 

Franz Kafka: Aphorismen

(1920)

Ein Mensch hat freien Willen, und zwar dreierlei: Erstens war er frei, als er dieses Leben wollte; jetzt kann er es allerdings nicht mehr rückgängig machen, denn er ist nicht mehr jener, der es damals wollte, es wäre denn insoweit, als er seinen damaligen Willen ausführt, indem er lebt. Zweitens ist er frei, indem er die Gangart und den Weg dieses Lebens wählen kann. Drittens ist er frei, indem er als derjenige, der einmal wieder sein wird, den Willen hat, sich unter jeder Bedingung durch das Leben gehen und auf diese Weise zu sich kommen zu lassen, und zwar auf einem zwar wählbaren, aber jedenfalls derartig labyrinthischen Weg, dass er kein Fleckchen dieses Lebens unberührt lässt… Der Mensch sieht, selbst wenn er unfehlbar wäre, im anderen nur jenen Teil, für den seine Blickkraft und Blickart reicht. Er hat, wie jeder, aber in äußerster Übertreibung, die Sucht, sich so einzuschränken, wie ihn der Blick des Mitmenschen zu sehen die Kraft hat… Er hat zwei Gegner: Der erste bedrängt ihn von hinten, vom Ursprung her. Der zweite verwehrt ihm den Weg nach vorn. Er kämpft mit beiden. Eigentlich unterstützt ihn der erste im Kampf mit dem Zweiten, denn er will ihn nach vorn drängen und ebenso unterstützt ihn der zweite im Kampf mit dem ersten; denn er treibt ihn doch zurück. So ist es aber nur theoretisch. Denn es sind ja nicht nur die zwei Gegner da, sondern auch noch er selbst, und wer kennt eigentlich seine Absichten?

 

Moritz Schlick: Vom Sinn des Lebens

(1927)

Hat aber das Leben einen Sinn, so muss er in der Gegenwart liegen, denn sie allein ist wirklich. Es gibt aber gar keinen Grund, warum in der späteren Gegenwart, im mittleren oder letzten Abschnitt des Lebens mehr Sinn liegen sollte als in einer früheren Gegenwart, als im ersten Abschnitt, der Jugend heißt. Jugend ist nicht Vorspiel oder erste Phase des Lebens, sondern die Zeit des Spielerischen, der Lust am Tun, der Begeisterung. Wir sprechen von „jugendlicher Begeisterung“. Begeisterung ist also jugendlich – und sie macht jugendlich. Ein Mensch, der in seinem Tun Begeisterung fühlend aufgeht, ist in Geist und Seele jung. Denken wir an das, was wir Genie nennen: Es ist immer von Begeisterung für das Tun erfüllt, jede wahre Größe ist von jener Unschuld, die man nur dem Heranwachsenden zuzumessen bereit ist. Das Wort „Jugend“ sollte uns also in diesem Sinn nicht äußerlich einen Lebensabschnitt bezeichnen, sondern einen Zustand, eine Art Lebensbetätigung, die grundsätzlich nichts mit den Jahren und ihrer Zahl zu tun hat. Je mehr Jugend in einem Dasein verwirklicht wird, desto wertvoller ist es. Wer jung stirbt, wie lange er auch gelebt haben möge, dessen Leben hat Sinn gehabt.

 

Paul Watzlawick: Wie wirklich ist die Wirklichkeit

(1976)

Die Wirklichkeit 1. Ordnung ist das, was wir täglich zusammen mit anderen Menschen erleben, was anhand von Experimenten und durch Wiederholungen „überprüfbar“ ist, wie zum Beispiel die Form, Farbe, Duft, Geräusche von bestimmten Objekten. Die Wirklichkeit 2. Ordnung: ist auf ein Individuum bezogen und mit „Grundannahmen“ zu umschreiben, die wir über die Welt durch Erfahrung haben. Sie ist eng verbunden mit Sinn und Wertvorstellungen, die wir mit den Dingen an sich verbinden und das Resultat höchst komplexer Kommunikationsvorgänge. Die Wirklichkeit 3. Ordnung: ist das mehr oder weniger „einheitliche Bild“, das wir aus unserer Erfahrung heraus erschaffen. Diese Ebene der Wirklichkeit ist identisch mit unserem Weltbild bzw. unserer Weltanschauung.

 

Edward O. Wilson: Die Einheit des Wissens

(1998)

Wir ertrinken in Wissen und dürsten in Einsicht… Wir sind uns in bedrohlichem Maße über den Sinn unseres Lebens im Unklaren… So wie sich unsere Kultur entwickelte, wissen wir heute mehr über unser Auto als über unser Gehirn oder unser Verhalten. Es ist an der Zeit, dass wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden intellektuellen Werkzeugen als gleichzeitig biologische und kulturelle Spezies erkennen… Es ist wichtiger, die richtige Frage zu stellen als die richtige Antwort zu geben. Die richtige Antwort auf eine triviale Frage ist immer trivial. Die richtige Frage hingegen dient auch dann, wenn sie noch nicht auf exakte Weise zu beantworten ist, als Wegweiser zu einer großen Entdeckung.

 

Stéphane Hessel: Empört Euch!

(2010)

Die Gründe, sich zu empören, sind heutzutage oft nicht so klar auszumachen – die Welt ist zu komplex geworden. Man muss genau hinsehen, man muss suchen… „Ohne mich“ ist das Schlimmste, was man sich und der Welt antun kann… Zwei große Menschheitsaufgaben sind für jedermann erkennbar: 1. Die weit geöffnete und noch immer weiter sich öffnende Schere zwischen ganz arm und ganz reich… 2. Die Menschenrechte und der Zustand unseres Planeten.

 

 

Zum Weiterdenken

Aus den Erfahrungen unserer Vergangenheit schöpfen wir unsere Klugheit für die Gestaltung unserer Gegenwart und unsere Weisheit für unsere Vorhaben in der Zukunft.

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