Mut zum Denken

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Mai2010 01

Capa-kaum erinnert sich: Zu seiner früheren Zeit gab es Menschen, die einen Wettbewerb zur Weiterentwicklung der Gesellschaft in Gang setzen wollten. Sie wollten Wege aus der, wie sie es nannten, „selbst verschuldeten Unmündigkeit“ aufzeigen. „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ wurde zum Wahlspruch der Epoche der so genannten Aufklärung im 18. Jahrhundert. Damals lebte man in einer Zeit tief greifender gesellschaftspolitischer Veränderungen – durchaus vergleichbar mit der Situation von heute.

Es ist doch so: Die Liste der unmittelbarsten Problemstellungen, mit denen sich die Gesellschaft in dieser Zeit konfrontiert sieht, ist lang, etwa: Zunehmende Distanzierung des Bürgers zum Staat, Entsolidarisierung, wachsender Fundamentalismus, Globalisierung von Wirtschaft und Kommunikation, die Missachtung der Menschenrechte. Die Egozentrierung der Gesellschaft hat den Alltag erfasst – an der Supermarkt-Kassa wie beim Ein- und Aussteigen in U-Bahn und Bus: Physisches Verdrängen zum Durchsetzen des eigenen Anspruchs in einer Gesellschaft, die ihre Individualität hervorkehren will.

Der gemeinsame Nenner all dessen lautet ganz einfach: Es geht um persönliche, gesellschaftliche, politische und religiöse Macht. So findet unversehens ein immer größer werdender Gesellschaftskonflikt statt, ein Konflikts auch der Werteverständnisse verschiedener sozio-kultureller Systeme der Welt. Und die von den Wegbereitern der Aufklärung erträumte ethische Weiterentwicklung der Gesellschaft ist nicht wirklich erkennbar. Denn: Viele lehnen sich zurück und meinen, es wären doch andere „Entscheidungsträger“ dafür verantwortlich, etwas in dieser Hinsicht zu tun. Politiker vor allem. Oder auch Philosophen. Vielleicht Zukunftsforscher? Meinungsbildner jedenfalls. Denn was kann der „Durchschnittsmensch“ schon dazu tun, fragen sie.

Capa-kaum hat eine Antwort nicht vergessen, die der deutsche Philosoph Immanuel Kant bereits 1784 gegeben hat: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.“

Ist es tatsächlich so schwer, diese „Unmündigkeit“ hinter sich zu lassen und eigenes Denken einzusetzen – gegenüber Vorurteilen, angeblichen Dogmen und angemaßter Autorität? Hier fängt nämlich die eigene Verantwortung an, die sich nicht auf die allgemeine Gesellschaft abschieben lässt.

1 Kommentar zu “Mut zum Denken”

  • bellasophia11 30. Mai 2010

    Ja…. Wir ersticken lieber in unserem angelernten Gefühl, ich kann doch nichts erreichen und verdrängen gern die Bequemlichkeit die hinter dieser Haltung steckt.

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