Man sollte sich daran erinnern, dass es in der Geschichte immer wieder Menschen gab, die die Gesellschaft in positiver Weise weiterentwickeln wollten. Und deshalb nimmt Capa-kaum den siebenten Jahrestag seiner Blogseite zum Anlass, seinen ersten Beitrag vom 1. Mai 2010 „Mut zum Denken“ nochmals online zu stellen.  Noch immer aktuell, obwohl fast 600 veröffentlichte Blogs später – dies für die neuen der mittlerweile täglich bis zu 2.600 Besucher (visits) der Capa-kaum-Seite.

Im 18. Jahrhundert wollten Philosophen, Schriftsteller und Politiker Wege aus der, wie sie es nannten, „selbst verschuldeten Unmündigkeit“ aufzeigen. „Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ wurde zum Wahlspruch der Epoche der so genannten Aufklärung. Damals lebte man in einer Zeit tief greifender gesellschaftspolitischer Veränderungen – durchaus vergleichbar mit der Situation von heute.

Es ist doch so: Die Liste der unmittelbarsten Problemstellungen, mit denen sich die Gesellschaft in unserer Zeit konfrontiert sieht, ist lang, etwa: Zunehmende Distanzierung des Bürgers zum Staat, Entsolidarisierung, wachsender Fundamentalismus, Globalisierung von Wirtschaft und Kommunikation, die Missachtung der Menschenrechte. Die Egozentrierung der Gesellschaft hat den Alltag erfasst – an der Supermarkt-Kassa wie beim Ein- und Aussteigen in U-Bahn und Bus: Physisches Verdrängen zum Durchsetzen des eigenen Anspruchs in einer Gesellschaft, die ihre Individualität hervorkehren will.

Der gemeinsame Nenner all dessen lautet ganz einfach: Es geht um persönliche, gesellschaftliche, politische und religiöse Macht. So findet unversehens ein immer größer werdender Gesellschaftskonflikt statt, ein Konflikt auch der Werteverständnisse verschiedener sozio-kultureller Systeme der Welt. Und die von den Wegbereitern der Aufklärung erträumte ethische Weiterentwicklung der Gesellschaft ist nicht wirklich erkennbar. Denn: Viele lehnen sich zurück und meinen, es wären doch andere „Entscheidungsträger“ dafür verantwortlich, etwas in dieser Hinsicht zu tun. Politiker vor allem. Oder auch Philosophen. Vielleicht Zukunftsforscher? Meinungsbildner jedenfalls. Denn was kann der „Durchschnittsmensch“ schon dazu tun, fragen sie.

Capa-kaum hat eine Antwort nicht vergessen, die der deutsche Philosoph Immanuel Kant bereits 1784 gegeben hat: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem, unmündig zu sein.

Ist es tatsächlich so schwer, diese „Unmündigkeit“ hinter sich zu lassen und eigenes Denken einzusetzen – gegenüber Vorurteilen, angeblichen Dogmen und angemaßter Autorität? Hier fängt nämlich die eigene Verantwortung an, die sich nicht auf die allgemeine Gesellschaft abschieben lässt.

1 Kommentar zu “Mut zum Denken – reloaded”

  • AusderTonnemitBlick...aber nurkurz: zurück 1. Mai 2017

    Ja, lieber Capa-Kaum so mancher kleine Text von Dir und hier aus den zurückliegenden Jahren ist mir in ebenso guter Erinnerung geblieben, der Pater noster-Text zum Beispiel, mancher Ausstellungs-Text wie der über Kokoschka oder die Coco-Chanel-Ausstellung, mancher schöne, immer liebevoll auf Theater schauende und daher wirklich einladende Text zu mancher Inszenierung, die strengen Schauermärchen, die leider keine Märchen sind über verdorbene Fischessen und zuletzt der über die Kreuzfarhtschiffe und das Unheil, das sie anrichten, wenn wir sie blind nehmen wie die Herren aller Länder – manchen der kurzen, aber oft nicht kleinen Texte habe ich ausgedruckt und weitergereicht an Menschen, die keine Lust (mehr) haben auf Computer, weil sie ihr Leben nicht mit ständig zu absolvierenden Updates verschwenden wollen – Habe vielen Dank für Dein Engagement in gesellschaftlicher Aufmerksamkeit! Nachdem mit Deinem Blog das verflixte siebte Jahr überstanden ist, kann es weiter so gut gehen und nur noch besser werden – mit oder ohne gezählte visits:) – Dafür alles Gute von mir aus der Tonne – Dein D i o- ge nes

Kommentar senden

Jeder Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschalten.
Nähere Hinweise dazu im Urheberrechtshinweis.

Zum Weiterdenken

Aus den Erfahrungen unserer Vergangenheit schöpfen wir unsere Klugheit für die Gestaltung unserer Gegenwart und unsere Weisheit für unsere Vorhaben in der Zukunft.

  • rss
  • rss
  • rss
  • rss
Info-Mail

Capa-kaum sendet Ihnen seine Info-Mails, wenn Sie hier Ihre E-Mail-Adresse eingeben.