Dieser Tage wird der Schlussstrich unter ein Millionen-Debakel des Gesundheitswesens gezogen. Der letzte Impfstoff für die Schweinegrippe – man erinnert sich noch dunkel – wird nun verbrannt. Und mit ihm allein in Deutschland nochmals rund eine Viertelmilliarde Euro. Nicht vergessen sollte bei dieser Gelegenheit werden, wie leicht die Länder von der Pharmaindustrie gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO über den Tisch gezogen wurden.

2009 war es, als die WHO, angeschoben von den Lobbyisten der Pharmaindustrie, die höchste Pandemiestufe ausgerufen und unter den Politikern eine Massenhysterie ausgelöst hatte. Es sollte weltweit eine Impfaktion in noch nie dagewesenem Umfang geben. Was damit innerhalb weniger Monate zum Milliardengeschäft für die Pharmaindustrie wurde, erwies sich als Desaster für die Länder und Gemeinden. In Deutschland waren von den Bundesländern 34 Millionen Impfstoff-Dosen gekauft worden, nur 5 Millionen Dosen wurden verbraucht – und von den Krankenkassen bezahlt.  Sehr bald hatte sich das H1N1-Virus im Vergleich zu üblichen Grippeerkrankungen als relativ harmlos erwiesen und das Interesse an den Impfungen ließ zu wünschen übrig. (Siehe den Blog: Die Folgen der Schweinegrippe v. 3.9.2010.) Mittlerweile ist das Haltbarkeitsdatum der Impfstoffe abgelaufen und außerdem weiß man, dass auch normale Grippeimpfungen vor dem H1N1-Virus schützen. Zu spät: Die Milliarden Euro und Dollar waren weltweit bereits an die Hersteller des Impfstoffes geflossen…

13 Millionen Impfstoff-Dosen wurden in Deutschland bereits entsorgt, der Rest, 16 Millionen, fein aufgeschichtet auf 196 Paletten, wird nun im Magdeburger Müllheizkraftwerk Rothensee vernichtet. Bis heute wurde übrigens nicht untersucht, wie es möglich war, dass von der WHO eine solche Hysterie ausgelöst werden konnte, wer dafür verantwortlich war und welche Lehren daraus für künftige Fälle gezogen werden könnten. Und das ist, meint Capa-kaum, der skandalöse politische Aspekt des Pharma-Skandals.

1 Kommentar zu “Millionen in den Müll”

  • kalinka 26. November 2011

    … auch eine dieser planlosen Aktionen, die viel gekostet hat und nur ganz wenigen eine Menge Geld gebracht hat. So wie gegenwärtig diverse Rettungsschirme für den Euro. Damals war es die Pharmaindustrie und jetzt sind es die Banken.

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