Es könnte eine echte Weihnachtslegende sein, wenn es nicht wahr wäre. Die Rede ist von einem Ereignis, das Capa-kaum authentisch wiedergeben kann. Denn es betrifft den Capa-kaum mehr als Wohlbekannten und mehr als Seelenverwandten, nennen wir ihn schlicht: G. Im Mittelpunkt der zu berichtenden, durchaus seltsamen Angelegenheit stehen ein Unternehmen von weltweitem Rang, nennen wir es: Fodavone, und die dunklen Mächte, die unser Leben regeln. Aber weil es die Tage der heimeligen Adventzeit sind, in denen diese Geschichte das Licht der Öffentlichkeit erblickt, so geziemt es sich, auch das wahrhaft Unglaubliche in milder Sanftmut über solch Unverfrorenheit zu erzählen. Wohlan.

Und es begab sich… in jenem mächtigen Lande an Rhein und Spree, gelegen zwischen den erhabenen Gebirgen im Süden und den mythenreichen Gewässern im Norden, dass G seinen Wohnort aus der lebendigen Hauptstadt ins nahe Land der Töchter und Söhne verlegen wollte. Da meldete G den Zeitpunkt seines Weggehens den Lieferanten von Strom und Wärme, ebenso der Versicherung seiner in der Wohnung befindlichen Habseligkeiten und auch der für die Gebühren des Fernsehens zuständigen Stelle. Das alles war, so frohlockte G, in jenem von Ordnungssinn geprägtem Land ein Kinderspiel – alle stimmten zu, dass an dem von G genannten Termin des Wegzugs die betreffenden Verträge beendet und somit keine über diesen Tag hinaus anfallenden Kosten verrechnet würden. Ebenso als er sein Konto bei der Sparkasse seines bisherigen Wohnorts von einem Tag zum anderen kündigte.

Doch die dunklen Mächte, geleitet von jenen im Umkreis des Manneken Pis ihr Unwesen Treibenden, hatten mit G Anderes vor – und so wurde seine allzu frühe Freude alsbald zu einem Irrgang durch ein Labyrinth, das das eingangs erwähnte Unternehmen mithilfe der dunklen Mächte so geschickt errichtet hatte, dass es daraus kein Entrinnen gibt.

Eilfertig und zu fristgerecht frühem Zeitpunkt hatte G, wie von Fodavone gefordert, seine Kündigung der Verträge für Digital-TV, Internet und Telefon per Einschreibbrief abgeliefert und darauf hingewiesen, dass er im Ausland nun nicht mehr die Dienste der Fodavone in Anspruch nehmen könne – ein für das Sonderkündigungsrecht nötiger Hinweis. Und: Ja, per gutem alten Brief und somit anders als in den genannten Fällen der übrigen Vertragspartner, die die Kündigung ganz einfach mit E-Mail akzeptierten und ebenso bestätigten.

Jedenfalls aber traf nun der Zorn der Fodavone G unter Mithilfe der dunklen Mächte mit voller Gewalt. Sein Kündigungsschreiben wurde zwar rasch beantwortet, eingeleitet vom „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Zuhause“, aber gleichzeitig mit der Mitteilung, für Internet und Telefon sei die Gebühr noch mehr als drei Monate nach dem Wegzug zu bezahlen. Und das obwohl der Dienst laut Vertrag nicht mehr in Anspruch genommen werden kann. Einfach so: Drei Monate Zahlung für Nichts.

Klarerweise könnten kluge Köpfe nun einwenden, es gäbe nun mal Fristen für die Kündigung von Verträgen. Genau, doch im Falle eines Umzugs ins Ausland besteht das Recht, ab dem Tag des Umzugs nicht weitere Zahlungen aus dem Vertrag leisten zu müssen, was auch von den früher genannten Partnern etwa für Versicherung und TV-Gebühren angewandt wurden. Nicht so bei Fodavone. Denn die Internet-Telefon-Anbieter haben sich dank geschickter Lobbyisten bei den dunklen Mächten eine geradezu unglaubliche Sonderregelung herausgeschlagen: Danach könnte G, bliebe er irgendwo anders im inländischen Verbreitungsgebiet des Telekommunikationsanbieters wohnhaft, gar nicht ganz einfach außerhalb des Vertragsstichtags kündigen. Bei Umzug ins Ausland gilt – wie großzügig – ein Sonderkündigungsrecht, bei dem den Telekommunikationsfirmen aber zumindest diese dreimonatige Bonuszahlung zusteht, festgemeißelt durch § 46 (8) des im Jahr 2012 erlassenen Telekommunikationsgesetzes in jenem ordnungswilligen Land. Hätte G übrigens bei Fodavone einen Handyvertrag, hätte er überhaupt Pech und könnte dieses wunderbare Sonderkündigungsrecht nicht beanspruchen – denn wenn ausländische Partnerfirmen die Leistung erbringen könnten, bleibt der Vertrag aufrecht. Anmerkung: Man glaubt es nicht, welche einer breiteren Öffentlichkeit nicht bekannte Regelungen zu Lasten der einfachen Bürger und Konsumenten da ausgeheckt werden…

Zurück zu G. Als er dann noch bei der Fodavone-Hotline den in seinem Kündigungsbrief (und im Rückschreiben unberücksichtigen) Wunsch nach alsbaldiger Schlussrechnung urgierte, war es mit der angeblichen Herzlichkeit (siehe: Glückwunsch-Schreiben) schlagartig vorbei. Innerhalb eines Tages, sechs Wochen vor dem Wegzug und fast fünf Monate vor dem Ende der gewünschten Zahlungen wurden G’s Kommunikationsleitungen einfach gekappt und nur nach einem Kafkaesken Gang durch die Hotline-Instanzen und schließlich das ausdrückliche Entgegenkommen einer Mitarbeiterin wieder teilweise eingeschaltet (obwohl ja ohnehin noch monatelang die Gebühren dafür zu zahlen sind).

G berichtet noch von der Anregung eines der zahlreichen von ihm kontaktierten Hotline-Mitarbeiters, der ihm empfahl, doch einfach wegzuziehen und nicht mehr zu zahlen. Aber das ist, meint Capa-kaum, eine andere Geschichte.

6 Kommentare zu “Man glaubt es nicht, Teil 2”

  • Capa-kaum 17. Dezember 2015

    @retep8: ist gemacht, G meint aber, nicht das Jahr war schuld, sondern bloß der Provider

  • Retep8 17. Dezember 2015

    Bitte dem G ausrichten: A schlecht’s Joar dawischt.

  • Lilli 16. Dezember 2015

    Das ist ja eine ärgerliche Fodavone-Geschichte… Ich habe einen Stempel mit der Aufschrift „Salzamt – bewilligt/abgelehnt“ Den verwende ich manchmal in offiziellen Schreiben, mich meiner Hilflosigkeit zu entledigen (bemerkt hats übrigens noch niemand, aber MIR hilfts).Borg ich dir gerne!

  • Capa-kaum 16. Dezember 2015

    @DerHerrenWege… intuitiv. Und was Teil 3 betrifft: Wer weiß, wer weiß

  • DerHerrenWegesindunergründlich? 16. Dezember 2015

    Frage, lieber Capa-Kaum: Hat das G per Mail oder anders telekommunikativ mitgeteilt??? – Bitte Teil 3 der Geschichte vom mit Nichts gemachtem Gewinn heruntergebrochen auf Alltägliches.

  • Klaus Welser 16. Dezember 2015

    Einmal mehr ein Beleg für die beklagenswert mickrige Kundenorientierung großer Unternehmen. Und spannend, dass Mitarbeiter – augenscheinlich wider das Reglement des Unternehmens – dann im „Mensch zu Mensch“-Verfahren doch Lösungen zustande bringen. Am Ende eine lachhaft schlechte Management-Leistung, die den Begriff „Kundenbindung“ als Akt der Fesselung missversteht.

Kommentar senden

Jeder Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschalten.
Nähere Hinweise dazu im Urheberrechtshinweis.

Zum Weiterdenken

Aus den Erfahrungen unserer Vergangenheit schöpfen wir unsere Klugheit für die Gestaltung unserer Gegenwart und unsere Weisheit für unsere Vorhaben in der Zukunft.

  • rss
  • rss
  • rss
  • rss
Info-Mail

Capa-kaum sendet Ihnen seine Info-Mails, wenn Sie hier Ihre E-Mail-Adresse eingeben.