Jedem ist es wohl schon so gegangen: Dass man nämlich als zahlender Konsument das Gefühl hat, gegenüber dem Verkäufer oder Anbieter zumindest die schlechteren Karten zu haben (wenn schon nicht überhaupt über den Tisch gezogen worden zu sein). Etwa wenn man von seiner Versicherung, der man jahrelang brav Prämien bezahlt hat, nun eine Leistung entsprechend dem Vertrag erhalten will – und feststellen muss, dass man einen Hinweis im Kleingedruckten auf Seite 17 der im Internet abrufbaren Vertragsbestimmungen übersehen hätte. Nun aber zu einer aktuellen Meldung, zu der Capa-kaum seine eigene Wahrnehmung authentisch beitragen kann.

Da haben jetzt doch gleich mehrere EU-Kommissare bekanntgegeben, dass die im Abo angebotenen Video-Streamingdienste etwa von Netflix, Sky oder Amazon künftig grenzüberschreitend nutzbar gemacht werden sollen. Künftig – also vielleicht ab 2017. Und nicht war die Rede von konventionellem TV.

Zur Erklärung für Jene, die Fernsehserien, Spielfilme oder Sportsendungen nicht übers Internet und/oder nicht über Abo-Dienste konsumieren und bloß daheim vor dem TV-Gerät: Mithilfe des so genannten Geoblocking wird das Ansehen von vielen Sendungen im Ausland bisher mit der Begründung lizenzrechtlicher Bestimmungen verweigert – das funktioniert, indem die TV-Stationen und Anbieter die ländermäßig zuordenbaren IP-Adressen etwa der Notebooks und Smartphones abrufen. Gleichzeitig ist in unserer digitalisierten Welt möglich festzustellen, wo das Gerät genutzt wird. Befindet es sich außerhalb des eigenen geografischen Gebietes, erscheint statt des Fernsehbildes zum Beispiel der Hinweis: „Dieses Video darf aus rechtlichen Gründen nur in Österreich wiedergegeben werden.“ Wer also im Urlaub oder auf Dienstreise derartige Sendungen sehen möchte, hat bisher Pech.

Das Beispiel Österreich ist deshalb gewählt, weil Capa-kaum ein beständiger Fernsehgebührenzahler in Österreich ist und sich – als Fußballfreund – bei seinen Aufenthalten außerhalb der Alpenrepublik schon wiederholt darüber geärgert hat, dass ihm die Live-Übertragungen sogar der österreichischen Bundesliga trotz seiner Gebührenzahlungen verwehrt geblieben sind. Also: Eine Leistung erhält man nicht, obwohl man sie bezahlt hat.

Nun, da die EU-Kommission vollmundig endlich (!) eine Änderung dieses abstrusen Zustandes ankündigt, will Capa-kaum, der sich derzeit noch bei Österreichs Nachbarn aufhält, seine kurze Recherche in der ORF-TVthek der letzten Tage veröffentlichen. Da ist in Deutschland am eigenen Notebook unter anderem „aus rechtlichen Gründen“ die hoch gejubelte ORF-Serie Altes Geld nicht zu sehen (die im deutschen TV derzeit ohnehin nicht ausgestrahlt wird), auch nicht die Sendung Kleine große Stimme vom 8. Dezember. Dass auch die internationalen Fußballereignisse nicht konsumierbar sind, überrascht in diesem Zusammenhang nicht wirklich, wohl aber, dass die Sendung Sport live um 20 Uhr im Spartenkanal ORF Sport plus nicht gesehen werden darf, obwohl dort nur einige Minuten Beiträge mit Kurzinformation gebracht werden. Absurd wird es, wenn Österreich-spezifische Sportsendungen außerhalb der rotweißroten Landesgrenzen nicht gesehen werden können – beispielsweise die Zusammenfassung der österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaft oder das Finale der österreichischen Ringer-Bundesliga zwischen Wals und Götzis. Sicher Ereignisse von weltweiter Bedeutung…

Doch nicht genug. Aus besagten „rechtlichen Gründen“ ist zum Beispiel die Info-Sendung Kultur heute (um 19 Uhr 50) des angeblich eigens für Europa-weite Information geschaffenen Kulturkanals ORF III in der nicht-österreichischen EU nicht zu sehen. Gipfel der Absurdität: Am 10. Dezember gab’s dort (laut Liste, aber nicht abrufbar) neben Kinotipps und dem Bericht über den neuen Geschäftsführer der Bundestheater-Holding auch den Hinweis auf den Weihnachts-Dreiteiler über die Hörbiger-Familie. In den auch in Deutschland abrufbaren (wenige Minuten später ausgestrahlten) Seitenblicken konnte Capa-kaum erleichtert diese wesentliche Information doch empfangen… Und ja, es gibt auch ORF-Sendungen, die im Ausland zu sehen sind: Unter anderem neben der ZiB auch Frisch gekocht, die Barbara-Karlich-Show oder heute leben.

Capa-kaum stellt jedenfalls die Frage an die Verantwortlichen der Absurditäten: Schon was von personalisierten Internetzugängen gehört, von Benutzerkonten mit Passwort? Das würde den Konsumenten ihr Recht, für das sie bezahlt haben, geben, könnte ganz schnell gemacht werden und es müsste die EU-Kommission nicht mit jahrelangen Frist-Versprechen herumeiern. Meinethalben jeweils für zeitlich begrenzte Urlaubs- oder Dienstreise-Aufenthalte. Aber so zahlt man (TV-Gebühren oder Streaming-Abos) und erhält stattdessen oft nur ein Schriftinsert mit dem Inhalt „Schmecks“.

In Teil 2 dieser vorweihnachtlichen Tatsachen-Legende „Man glaubt es nicht“ geht es in wenigen Tagen dann darum, dass man – anders als in diesmaligen TV-Story – in der EU für eine Leistung, die man nicht mehr erhalten kann, dennoch zahlen muss

3 Kommentare zu “Man glaubt es nicht, Teil 1”

  • Monika 12. Dezember 2015

    Also, ich meine, die Öffentlich-Rechtlichen könnten sich endlich was überlegen. Entweder sie zahlen uns die Gebühren zurück, wenn wir nicht konsumieren können, da im Ausland. Oder sie lassen uns im Ausland das Programm empfangen, da wir es ja auch weiterhin bezahlen müssen. Ich glaube auch, dass ein Überlegen in diese Richtung (bei ständig sinkenden Zuseherzahlen) den Öffentlich-Rechtlichen längst selbst einfallen hätte müssen.

  • palKa 11. Dezember 2015

    die tv-sender und netflix etc. wollen ihre lizenzausgaben verteidigen. legitim. doch ein skandal, dass die eu es zulässt, dass wir zwar gebühren und abos zahlen dürfen, aber damit nur ein eingeschränktes recht erhalten. aber dass die eu mit ihren bürgern wenig am hut hat weiß man eh

  • Paul 11. Dezember 2015

    Ärgerlich, aber … man kann sich dagegen wehren. Und zwar so, wie es freiheitsliebende Menschen in Drittwelt-Ländern tun (wenn auch aus anderen Motiven): über sogenannte „Proxy-Server“, mit denen man die Sperren umgeht. Von Österreich aus funktioniert hola.org recht gut – ob es umgekehrt auch von Deutschland aus für die ORF-TVThek geht, hab ich noch nicht probiert (und kann es hier von Wien aus auch nicht).

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