… aus bestimmtem Anlass leider immer wieder, ob sich die Menschheit, also unsere Gesellschaft tatsächlich so kontinuierlich weiterentwickelt, wie wir es glauben möchten und Legionen von Philosophen in den vergangenen Jahrhunderten es uns als evolutionär-logische Entwicklung unserer Spezies vorgedacht haben. Nun wäre es für Capa-kaum möglich, derartige Positivgedanken gleich einmal in Frage zu stellen – etwa durch einen Exkurs über die immer wiederkehrende Kriegslust trotz der daraus absehbaren verheerenden Folgen. Oder über den im Generationenabstand zu registrierenden Intelligenz- und Wissensverlust der Gesellschaft – eine Entwicklung, die sich trotz immer größerer Informationsmöglichkeiten in regelmäßig durch Umfragen festgestellten ganz verwunderlichen Wissenslücken über Zeitgeschichtliches oder durch die vorige Generation Geschaffenes dokumentiert.

Nein, Capa-kaum hat jetzt mit ziemlichem Erstaunen eine Meldung aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten erfahren, wodurch dieses Land seinem Beinamen in betrüblicher Form gerecht wird. Hat es nun doch tatsächlich in einer Umfrage der  amerikanischen Studentenverbindung SigmaPhiEpsilon die Frage gegeben: „Wen würdest du gern einmal vergewaltigen?

Dazu muss man wissen: Die besagte Studentenverbindung, deren Filiale an der University of Vermont diese Frage ihren Mitgliedern gestellt hat, ist eine der größten der USA und hat ausschließlich männliche Mitglieder. Und ist bereits in den 1990er-Jahren dadurch aufgefallen, dass jene, die um die Aufnahme in die Vereinigung ansuchten, rassistische Witze erzählen und Fragen beantworten mussten, welche Dinge sie mit einer Stripperin machen würden. Auch das geschah übrigens im an der an sich so heimeligen  Universität in Burlington im US-Bundesstaat Vermont.

Nun soll man natürlich nicht gleich von solchen Einzelfällen auf Grundsätzliches schließen, wenn … ja, wenn da nicht auch andere Vorkommnisse wären, die ein trübes Licht auf die Gedankenwelt mancher Studentenverbindungen liefern. Dort finden sich – und nicht nur in den USA – aktenkundig rüde Aufnahmerituale, Trinkgelage und psychische und physische Demütigung von Neulingen oder Schwächeren. Das lässt sich nicht etwa verharmlosend mit einer „Ventilfunktion in einem fordernden Umfeld“ oder mit „Gedankenlosigkeit“ rechtfertigen, sondern ist ein bedenklicher Ausdruck einer Gesinnung gerade in einer gesellschaftlichen Gruppe, die durch ihre Ausbildung anstrebt, eine Elitenfunktion wahrnehmen zu wollen.

Und deshalb frägt sich Capa-kaum als Individuum einer aufgeklärten Gesellschaft, ob sich die Menschheit tatsächlich so kontinuierlich weiterentwickelt, wie wir es glauben möchten.

2 Kommentare zu “Man frägt sich…”

  • Moli 19. Dezember 2011

    Die Gleichheit der Menschen ist doch nur eine leere Phrase, sieht man doch überall auch in Europa, da muss man gar nicht die Amis anprangern! Wenn wir Europäer wegen der Rechte der Frauen den Islam kritisieren, sollten wir darüber nachdenken, wie es die Kirche mit den Rechten der Frauen bei uns hält!

  • kalinka 17. Dezember 2011

    Wie geht diese Geschichte weiter? Werden die Urheber dieser Umfrage angezeigt, angeklagt, verurteilt, bestraft?
    Hat die Studentenverbindung SigmaPhiEpsilon die allgemeinen Menschenrechte in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von 1776 vergessen: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden, worunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit sind.“ Ich sehe Handlungsbedarf in den USA.

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