Ein für das Genre ungewöhnlicher Schauplatz lädt dank seiner bemerkenswerten Ausübenden zu interessanten Vergleichen ein, die es Capa-kaum drängt, ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Das Genre: Humor, also Kleinkunst, wobei man sich jetzt in ausführlichen Gedankenspielen darüber ergehen könnte, weshalb eine auf professionell hohem Niveau stehende und häufig auch sein Publikum intellektuell fordernde Kunstform mit dem Vorbegriff Klein versehen wurde. Dies soll aber nicht Gegenstand der folgenden Betrachtungen sein, ebenso wenig wie die tiefer gehende Reflexion über den Schauplatz – denn immerhin ist das nun schon sehr erfolgreich zum zweiten Mal durchgeführte „Humorfestival“ nicht nur im als aktuelle Hochburg der politischen Realsatire zu bezeichnenden Kärnten angesiedelt, sondern dort sogar noch im Veranstaltungssaal des Casino Velden. Womit es gelänge, Bezüge zwischen Glücksspiel, Glücksfall und der Risikofreude (des Organisators Christian Hölbling alias Helfried) herzustellen, wenn es nicht um den eingangs angekündigten Vergleich ginge. Und zwar nicht um einen Vergleich zwischen allen dort auftretenden exzellenten internationalen (Klein-)Künstlern, sondern zwischen den Herren Schneyder und Rebers.

Am ersten Abend Werner Schneyder, einer der Giganten des deutschsprachigen Kabaretts, man könnte auch sagen: Doyen. Schneyder, der Wortgewaltige, der Intellektuelle, der Formulierer, der sich in sein Publikum Einschmeichelnde, der Österreicher. Am Abend danach Andreas Rebers, der ebenfalls schon vielfach Prämierte, der Pointen boshaft von sich Schleudernde, der sein Publikum Provozierende, sich gezielt als Reibebaum Darstellende, der Deutsche.

Schneyder, 73, der sich selbst als „Kabarentner“ bezeichnet und seit langen Jahren kaum mehr auftritt: Der aus dem klassischen Nummern-Kabarett Kommende, den strikten dramaturgischen Wechsel von Wort und Gesang (begleitet am guten alten Klavier) Bevorzugende, seine Stimme kaum Modulierende, das Publikum in seine flatternden Gedankengänge umsichtig Mitnehmende, der es schließlich mit seinen Titellied „Ich bin konservativ!“ zu Gedanken über seinen (nach Eigendefinition) linksliberalen Standpunkt anregt.

Rebers, 52, einer der aktuellen Stars der Kabarett-Szene: Der auf „Gegenbesuch“ Kommende, die moderne anspruchsvolle Form zynischer Pointen-Werkstatt Repräsentierende, Wort und Gesang immer wieder unvermutet ineinander fließen Lassende, auf Keyboard und Akkordeon Meisterhafte, mit seiner Stimme messerscharf Arbeitende, das Publikum durch eingestreute literarische Zitate und Anklänge an Kleinkunst-Klassiker (wie Der Herr Karl) Fordernde, der es immer wieder durch schmerzhaften Sarkasmus zum Nachdenken bringt.

Der Vergleich macht sicher: Beide, wiewohl zwei Jahrzehnte voneinander entfernt und in unterschiedlichen Stilrichtungen zu Hause, sind in ihrer Art großartig. Übrigens: Weil beide Kärnten lieben und als Wohnsitz (Schneyder) bzw. Wildwasser-Paddel-Urlaubs-Ort (Rebers) auserkoren haben, sind sie dank der Sponsorgelder einer Versicherung (HDI) zum Humorfestival gekommen, denn das „offizielle“ Kärnten hat für diese Art Humor nichts übrig. Schneyder und Rebers haben dem Publikum jedenfalls das beschert, was Helfried Capa-kaum gegenüber punktgenau mit „Klassik meets Avantgarde“ bezeichnet hat. Fortsetzung folgt hoffentlich 2011.

2. Humorfestival Velden 2010. Organisatoren: Christian Hölbling, Jürgen Gschiel. Mit: Werner Schneyder, Andreas Rebers, Leo Bassi, Microband, Massimo Rizzo, Sax Royal, Theater Irrwisch, Tanja Simma & Caroline Richards.

1 Kommentar zu “Klassik meets Avantgarde”

  • titular 27. September 2010

    Für mich war Werner Schneyder als Kabarettist immer zu sehr von sich eingenommen und von einer gewissen Präpotenz, die er das „für seine Texte zu dumme Publikum“ spüren ließ.

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