Einer kleinen Gemeinde südlich von Wien ist es dieser Tage vorbehalten, ein großes Stück Literatur 400 Jahre nach dessen Erscheinen ins Gedächtnis zu rufen. Angesichts der Ereignisse, die sich dort, im beschaulichen Niederösterreich begeben, schweifen Capa-kaums Gedanken unversehens weitab in den Süden Europas…

Dorthin, wo der Dichter Miguel de Cervantes lebte und wo er den Helden seines berühmten Werkes die legendären Schlachten ausfechten ließ, die Kämpfe mit den Riesen, die er, der fabelhafte Don Quijote, als ihm zur Täuschung in Windmühlen verwandelt sieht. Was aber ist Wirklichkeit, was ist Traum, frägt sich der Leser? Darf man seinen Sinnen vertrauen, wenn man schon Worten nicht vertrauen kann? Oder sollte, wie manche Literaturhistoriker interpretieren, Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen als Kampf gegen die Maschinen, gegen den rasanten technischen Fortschritt verstanden werden?

Capa-kaum will sich an dieser Stelle in den diesbezüglichen Diskurs über die Fiktion eines Kampfes gegen Windräder nicht einmischen, sondern kehrt in die Wirklichkeit des Jahres 2012 zurück – und in die Gemeinde Ebenfurth. Dort nämlich trägt eine Bewohnerin bereits viele Jahre tatsächlich einen heroischen Kampf gegen Windräder aus und hat jetzt sogar einen Erfolg errungen. Vor zehn Jahren hat im Genehmigungsverfahren für drei Windräder die besagte Anrainerin keine Parteienstellung erhalten gehabt, worum sie bis zum Obersten Gerichtshof kämpfte. Und jetzt Recht bekam. In diesem Fall ist den Worten zu trauen, ist der Traum Wirklichkeit geworden. Was aber nun? Die österreichische Lösung: Ein Sachverständiger muss her um zu prüfen, ob dieser Entscheid zur Stilllegung der Windräder führen müsse, denn die Richter haben nicht angeordnet, was nun zu geschehen habe.

Aber immerhin: Anders als der „Ritter von der traurigen Gestalt“ hat die aufmüpfige Ebenfurtherin zumindest diese Schlacht ohne blutige Schrammen überstanden. Womit im Vergleich zur Legende des 17. Jahrhunderts die Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts deutlich humaner erscheint. Wenigstens in diesem Fall.

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