Manchmal sollte sich jeder ein wenig Zeit nehmen, seine Gedanken über das Leben, also: das eigene Leben, zu sortieren, vielleicht neu zu ordnen. Dazu wieder einmal einige Zeilen, mit denen Capa-kaum Nachdenk-Anstöße geben will. Wenn dazu eingangs von der Quantentheorie die Rede ist, so scheint das nur auf den ersten Blick eine schwierige Lektüre zu sein – sie hat aber durchaus mit unserem Leben zu tun.

Also zuerst: Werner Heisenberg. Der deutsche Atomphysiker und Nobelpreisträger hat durch die von ihm gelegten Grundlagen zur Quantenmechanik die Erkenntnistheorie revolutioniert. Heisenbergs Theorie, zusammengefasst in der so genannten Unschärferelation: Da auf Grundlage der Quantentheorie nicht zugleich Ort und Impuls eines Atomteilchens genau angegeben werden können, kann auch nicht seine Energiemenge hinsichtlich des exakten Zeitpunkts bestimmt werden. Daher kann keine exakte Angabe über die zukünftige Bewegung des Teilchens gemacht werden, womit an die Stelle von Tatsachenaussagen in der Mikrophysik nur Aussagen über Tendenzen und Möglichkeiten treten können. Damit hatte Heisenberg eine völlig neue Sichtweise physikalischer Vorgänge in die Wissenschaft eingeführt.

Was das im Hinblick auf unser Leben, auf unser Agieren in der Gesellschaft, zu tun hat, schrieb Heisenberg selbst richtungweisend im Vorwort zu seinem Buch „Der Teil und das Ganze – Gespräche im Umkreis der Atomphysik“: „Die moderne Atomphysik hat grundlegende philosophische, ethische und politische Probleme neu zur Diskussion gestellt, und an dieser Diskussion sollte ein möglichst großer Kreis von Menschen teilnehmen.

In vereinfachter Übersetzung bedeutet Heisenbergs Quantentheorie nämlich: Alles unterliegt ständiger Veränderung und definiert sich auch ständig neu. Und zugleich erscheint das erwähnte Zitat Heisenbergs als Auftrag an uns, unsere Beziehungen zu unserer Welt und unsere individuelle Position in der Gesellschaft immer wieder einer Prüfung zu unterziehen.

Sehen wir uns an: Jeder sind wir ein Teil des Ganzen, ein Mensch im Konglomerat der Gesellschaft, ein Augenblick im Fluss des Zeitlaufs. Jeder muss sich also damit zufrieden geben, am Ende seines Lebens etwas Unvollkommenes zu hinterlassen. Aber: Welches ist das Ziel, das man für sich erreichen kann – als Mensch, als Individuum? Für diese Frage gibt es kein Generalrezept, sie lässt sich nur individuell beantworten – womit jeder Denkende die Aufgabe hat, sich darüber klar zu werden.

Gleichzeitig beinhaltet dieses Verständnis vom Leben die Verpflichtung, nicht in einem einmal definierten persönlichen Horizont zu verharren, sondern Neues zuzulassen und zu analysieren. Neue Entwicklungen einfach abzulehnen, sich damit nicht aktiv auseinander zu setzen, zeugt von Kleingeistigkeit.

Jeder wird seine Möglichkeiten nur dann sinnvoll ausschöpfen können, wenn er mit offenem Geist und aufnahmebereitem Gefühl durchs Leben geht.  Denn alles unterliegt eben, wie gesagt, ständiger Veränderung und ist daher auch ständig neu zu definieren. Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder alles gut heißen soll, was rundum geschieht. Es liegt an jedem Einzelnen, die Sinnhaftigkeit neuer Entwicklungen für unsere Gesellschaft in sein Weltbild, in seinen Verständnishorizont einzuordnen. Die Konsequenz lautet: Die Bereitschaft zu haben, das Faulbett gepflegter und auch noch so kleinster Vorurteile zu verlassen.

Womit Capa-kaum wieder bei Heisenberg angelangt ist, der in seiner Schrift „Physik und Philosophie“ erklärte: „Die Wirklichkeit, von der wir sprechen können, ist nie die Wirklichkeit an sich, sondern eine von uns gestaltete Wirklichkeit.“ Die Betonung liegt auf: „von uns“.

1 Kommentar zu “Im Fluss des Lebens”

  • LuRo 4. November 2012

    wenn das alles so leicht wär!

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