Manchmal ist auch Capa-kaum über Vorkommnisse in der Wirtschaft ziemlich erstaunt, obwohl man doch denken könnte, in etlichen Jahrzehnten des Lebens hätte jeder Aufmerksame bereits wohl Einiges an Wunderlichem erlebt, so dass ihn nichts mehr aus der Fassung bringen könnte. Etwa die Ereignisse der weltweiten Schuldenkrise seit dem Zusammenbruch der Lehman Brothers-Investmentbank – in diesen Tagen ist übrigens bereits dreijähriges „Jubiläum“ dieser denkwürdigen Pleite… Dieser Finanz-GAU hat immerhin die Augen auch von „Otto Normalverbraucher“ für die Machenschaften rücksichtsloser Finanzjongleure geöffnet: Wie unverfroren und gedankenlos über die Folgen mit Geldern von Kleinanlegern und ganzen Staaten spekuliert wurde, abseits von Mechanismen der Marktkontrolle.

Aber nun will Capa-kaum die Aufmerksamkeit auf einen anderen Wirtschaftsschauplatz lenken, wo Erstaunliches zu registrieren ist. Dort, wo es nämlich die Konsumenten unmittelbar merken.

Mit 1. September hat die EU bekanntlich den Verkauf von althergebrachten 60-Watt-Glühlampen verboten, nachdem schon zuvor die alten 100- und 75-Watt-Lampen daran glauben mussten. Wobei dahingestellt bleiben soll, wie sinnvoll der Ersatz der traditionellen Leuchtmittel durch Energiesparlampen tatsächlich ist – steht doch der Einsparung an Strom ein Bündel an Entsorgungsproblemen (und Kosten) wegen des in ihnen verwendeten hochgiftigen Quecksilbers gegenüber. Jedenfalls gibt es im Handel seit 1. September nur noch die neuen Lampen. Und zum gleichen Zeitpunkt haben die beiden größten Glühlampenhersteller Europas, Osram und Philips, veritable Preiserhöhungen bis zu 25 Prozent für eben diese neuen Lampen bekannt gegeben. Weil angeblich die in ihnen verwendeten „Seltenen Erden“ (siehe Blog „Also doch„) gerade jetzt so teuer geworden sind.

An Zufälle denkt man in der Wirtschaft ohnedies nicht, ebenso wenig unterstellt Capa-kaum den Managern Gedankenlosigkeit. Bleibt also nur die Unverfrorenheit, diese Preiserhöhungen nicht schon Wochen zuvor oder etwa Wochen später wirksam werden zu lassen, was für Politik und Öffentlichkeit weniger offensichtlich und daher mit geringerer Aufregung darüber verbunden gewesen wäre.

Aber offensichtlich sind die Firmenchefs unverfroren genug, um sich nicht um derlei Begleitmusik kümmern zu müssen. Die höheren Preise müssen sowieso geschluckt werden, steht doch nur noch das neue Produkt im Regal.

Ihre Kollegen von der Benzinwirtschaft haben erst kürzlich in Deutschland ähnlich unverfroren agiert. Weil die Autofahrer den von ihnen auf Wunsch der Politik angebotenen, mit höherem Anteil von Biosprit versehenen Treibstoff E10 kaum tankten, straften sie (nein: nicht die Politik, sondern) die Konsumenten mit einem 3-Cent-Aufschlag auf den herkömmlichen Treibstoff ab. Nach dem Motto: Man darf’s doch versuchen, so lange bis der Unmut in Politik und Öffentlichkeit zu groß wird.

Angesichts solcher Vorkommnisse können Capa-kaum die Chefs der Großbanken direkt leidtun. Denn mitten in der eingangs erwähnten, noch immer nicht durchgestandenen Finanzkrise mussten sie ihre Bilanzen veröffentlichen. Und während sie über die faulen Staatspapiere von Griechenland & Co jammerten, hatten sie Milliardengewinne zu verkünden. Und das war weder gedankenlos noch unverfroren, das war einfach Pech.

4 Kommentare zu “Gedankenlos oder unverfroren?”

  • odeon2 4. September 2011

    ich warte nur drauf, dass die EU auch die kerzen normiert 😉

  • Charlie 4. September 2011

    Das ist doch wieder ein perfektes Beispiel, worum sich die EU kümmert. Alles nur für die Industrielobby, die teurere Produkte verkaufen kann, weil nur die mehr zugelassen sind, und der Konsument muss zahlen.

  • jospal 3. September 2011

    wir werden von den firmen total erpresst, weil kerzen sind auch kein ausweg, kosten insgesamt wahrscheinlich mehr als eine glühbirne

  • kalinka 2. September 2011

    Da gibt es gar keinen Ausweg aus der Kostenfalle? Ich wäre für die Rückkehr zu romantischem Kerzenlicht ;-))

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