Es ist ja großartig, wie sich die Kommunikationswelt allein in den vergangenen 30 Jahren verändert hat. Aber nichts hat nur Vorteile, und deshalb gibt Capa-kaum einmal einige Gedankenimpulse zu den Nachteilen. Und das, obwohl er ja selbst Medienmensch und gerne Nutzer der vielfältigen Möglichkeiten ist.

Rückblende: Vor 30 Jahren – die Jungen können sich’s nicht vorstellen und haben’s die älteren meiner Leser vielleicht schon vergessen? – war von Mobiltelefonen im Alltag oder von PC’s daheim nicht die Rede. Geschweige denn von Smartphones, Notebooks oder iPad’s. Damals: Kein Internet, kein Facebook, keine E-Mails – bloß TV, Zeitungen und Fax. Wer erinnert sich noch daran, wie mühsam es war, Informationen über ein Urlaubshotel oder über ein Produkt zu erhalten? Und dass man etwa als Sportjournalist am besten eine Menge Münzen mit dabei hatte, um den Spielbericht vom öffentlichen Telefon des Fußballplatzes durchgeben zu können (so Capa-kaums Erinnerung an seine frühen Jahre…).

Wie praktisch, angenehm und vorteilhaft dank der elektronischen Möglichkeiten heutzutage alles geworden ist, wissen wir. Das beginnt bei der Buchung von Flügen und Theaterkarten (übers Internet) und endet in der möglichen ständigen Erreichbarkeit (übers Mobiltelefon) und der persönlichen Flexibilität (durch die Smartphone-Features).

Hier aber, wie erwähnt, kurz quergedacht.

Zum Beispiel über die Kommunikationsmittel: Die große Kommunikationsrevolution, die Erfindung des Buchdrucks, im 15. Jahrhundert, war ein unsagbar großer Impuls für die Weiterentwicklung der Gesellschaft. Durch den Buchdruck entstand ein größerer Markt und für diesen zwingend der Bedarf nach Lesefähigkeit als Zugangsvoraussetzung. Lesen und sich Wissen erwerben zu können war nicht mehr nur einigen Auserwählten – wie zuvor vorwiegend den Mönchen – vorbehalten. Der Buchdruck sorgte außerdem für größere Authentizität im Hinblick auf den vorliegenden Text als die früher gemachten handschriftlichen Abschriften. Wer nicht lesen konnte, blieb bald gesellschaftlich zurück.

Nicht viel anders übrigens heute. Wer die Mittel der elektronischen Kommunikation nicht nützen kann oder bewusst nicht nützt, schränkt seine Möglichkeiten zunehmend ein. Wobei nicht die Frage ist, ob es gut ist, dass immer mehr computerisiert und auf Online-Zugriff verengt wird. Es ist eben so, im technischen Fortschritt gibt es nie die Möglichkeit der Reversibilität. Auch wenn es (wie etwa in der Waffenproduktion oder Atomenergie) nicht immer von Vorteil ist. Aber, um einige bekannte Bilder zu verknüpfen: Wenn der Zauberlehrling Mensch den Geist aus der Flasche geholt hat, lässt sich der losgelassene Besen nicht mehr in die Ecke stellen.

Vor allem erfordert die Nutzung der elektronischen Kommunikation noch mehr Fähigkeiten als die Nutzung des Gedruckten. Wissenschaftlich formuliert, genügt es nicht mehr nur literalisiert zu sein, man muss auch die Kopplung von Oberfläche und Tiefe beherrschen. Einfacher gesagt: Man muss nicht mehr nur lesen und das Gelesene verstehen können, sondern auch in der Lage sein, Computer und Software richtig zu benutzen. Was manchen Bevölkerungs- und Altersgruppen schwer fällt – und wer das nicht beherrscht, bleibt bald ebenso gesellschaftlich zurück wie Bevölkerungsgruppen, die nicht schreiben und lesen konnten oder können.

Und immer wieder muss man sich daran erinnern, dass die Authentizität der Information im Internet oft mehr als fraglich ist. Das ist – mit Einschränkungen, sicherlich – ein deutlicher Unterschied zum seinerzeitigen Impuls durch den Buchdruck. Man denke nur an die Informationsplattform Wikipedia, wo praktisch jeder Inhalte verändern kann bzw. Inhalte als wahr dargestellt werden, die gar nicht wahr sein müssen. Oder an Fakes, die über Twitter oder Facebook blitzschnell millionenfach verbreitet werden. Die elektronische Informationswelt eröffnet eben allzu leicht die Wege zur Manipulation durch Unkenntnis der Nutzer und vor allem durch im Hintergrund agierende Informationsfilter: Wer weiß, was uns die Suchmaschine Google vorenthält, wenn wir nach einer Information suchen.

Aber, wie eingangs festgestellt, manchmal sollte man sich bei aller Euphorie über das zur Verfügung Stehende auch über dessen Gefahren und Nachteile Gedanken machen. In diesem Sinn: Bewusst immer weiter in die elektronische Kommunikationswelt…

2 Kommentare zu “Gedanken zur Kommunikation”

  • Aquarius 29. September 2012

    Lesen, schauen, denken, verstehen………dafür haben wir unseren Kopf. Wer ihn nicht benutzt, ist selber Schuld, wenn ihn andere manipulieren (Kirche, Medien, Politik). Je mehr man weiß, umso leichter trifft man seine Entscheidung als mündiger Bürger.Ja, dafür haben wir diese vielen Möglichkeiten: zur Information, zur (Meinungs)-Bildung und dann natürlich auch zur richtigen Reaktion.

  • ernst 29. September 2012

    Man muß mit den heutigen Medien eben genauso umgehen wie mit den damaligen und alles selbst hinterfragen.
    In den gedruckten Medien, sowie Radio und TV sind alle, oder die meisten Beträge schwarz auf weiß, einige halbwahr und ein Teil eben unwahr gewesen.

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