Es ist keine Ausstellung üblicher Art, die derzeit in London ein echter Publikumsmagnet ist. Nicht nur, weil sie bloß knappe drei Wochen zu sehen ist, sondern weil man, hat man das ehrwürdige frühere Hauptquartier des Duke of York betreten, in eine Welt der Inspiration eintaucht. In der dort seit nunmehr sieben Jahren befindlichen Saatchi Gallery verführt Karl Lagerfeld mit seinem Gesamtkunstwerk unter dem Titel Mademoiselle privé in die Welt der Gabrielle „Coco“ Chanel. Sehenswert – meint Capa-kaum, der sich üblicherweise von Society-Events nicht beeindrucken lässt.

Lagerfeld, der seit 1983 mit dem Haus Chanel verbunden ist, steuerte für diese Ausstellung, die nicht ganz zufällig zum 30-jährigen Jubiläum der Saatchi Gallery stattfindet, unter anderem eine Serie von Fotos bei, die zeigen, dass er seinem Ruf als ausgezeichneter Mode-und Schmuckfotograf auch hier gerecht wird. Und dazu einen äußerst originellen Film über ein – natürlich – fiktives Gespräch zwischen ihm und der 1971 verstorbenen „Coco“ Chanel. Tolle Installationen sind in dem Haus, durch das man gleichsam von Butlern auf verschlungenen Wegen über drei Etagen geleitet wird, verwirklicht. In den meist abgedunkelten Räumen wird alle Aufmerksamkeit geschickt auf Düfte, Stoffe und insgesamt darauf gelenkt, was das Besondere dieser Marke ist, erlebt man Kreativität und Charisma, Handwerk und Inspiration, die Chanel zu einem Weltkonzern der Mode-und Kosmetikbranche gemacht hat, mit ausgewählten Beteiligungen, vom Bademodenhersteller Eres bis zu den Uhrenerzeugern Chatelain und Bell and Ross oder dem schottischen Strickwarenunternehmen Barrie Knitwear.

Nein, es ist keine Werbeveranstaltung, sondern tatsächlich eine mit hohem Aufwand und einer Fülle von Ideen gestaltete Ausstellung, die Geheimnisse (etwa: der Zusammensetzung des berühmten Chanel No. 5) zwar nicht lüftet, aber in eindrucksvollen Installationen zeigt (etwa: eine Vielzahl überdimensionaler Kosmetikdosen, aus denen, wenn sie sich im Rhythmus der Klänge im Raum öffnen, unterschiedliche und doch harmonische Düfte strömen). Oder jene Stoffe der Haute Couture, durch die man hindurchgeht und die angreifbar sind, aber dennoch der Normalität irgendwie entrückt bleiben. Und dazu als Höhepunkt die Originale der berühmten Bijoux de Diamants.

Wer von diesen paar Zeilen noch nicht genug hat und mehr Society will, dem kann Capa-kaum den Link zur Seite der Ausstellung – mit Eindrücken von der Eröffnungsparty – empfehlen: http://mademoiselleprive.chanel.com/en_WW/

Mademoiselle privé. Ausstellung in der Saatchi Gallery, London. Bis 1. November. Tägl. 10 bis 18 Uhr (Mittwoch bis 22 Uhr).

1 Kommentar zu “Eintauchen in die Inspiration”

  • Nr. 5-Geschädigter 19. Oktober 2015

    Lieber Freund, bitte baue eine Männerwarnung ein nach diesem Text: Chanel Nr. 5 hat mir meine letzte Scheidung eingebracht: hab ich meiner Frau geschenkt zum 10jährigen; hat sie mir vor die Füße gedonnert und gemeint, das verschenken Männer eh nur, wenn sie es nötig haben, an Marylin zu denken, wenn sie gerade mal nicht denken sollen – die Verknüpfung von deren gehauchtem Misterpräsident und ihrer berühmten Aussage, von mit was sie ins Bett geht soll es möglich machen, wenn’s Inge nicht mehr bringt… Das war’s dann gewesen mit meiner bis dahin wirklich glücklichen Ehe… Ich mag Deine Zeilen sonst immer total, aber von denen hier habe ich, wie Du verstehen wirst, natürlich genug ganz ohne Link-

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