Niemand kommt in den Tagen vor Weihnachten am Spektakel der Adventmärkte (oder Weihnachtsmärkte, Christkindlmärkte oder gar Christkindlesmärkte, wie die Nürnberger diese Belustigung nennen) vorbei – und deshalb widmet Capa-kaum seinen LeserInnen zum Jahresausklang die folgende Beobachtung, die zu einigen Gedanken und letzten Endes zu dieser Geschichte geführt hat.

Denn auch Capa-kaum ist in den vorweihnachtlichen Budenzauber geraten. Und: Ja, es geht – wie es der Titel verheißt – um ein Reptil. Genauer gesagt, um einen Alligator, dessen Capa-kaum dort mitten im Menschengewühl unvermutet ansichtig wurde.

Das Tier lag regungslos (das kennen wir ja von seiner Spezies) inmitten des Trubels. Und klarerweise fiel er mit seinen gut zweieinhalb Metern Länge auf. Sein exakt modellierter olivdunkler Schuppenpanzer glänzte matt im Schein der Lichterketten. Sein Körper erschien trotz seiner Mächtigkeit elegant, seine von den Lidern nur halb freigegebenen Augen waren irgendwo hin in die an ihm vorbei defilierende Menschenmenge gerichtet. So als würde dieses Reptil sich über seine Umgebung Gedanken machen (wie unsereins dies in solch einer Situation wohl täte).

Bei diesem Anblick wanderten die Assoziationen des Betrachters ganz schnell zu den Hinweisen kluger Köpfe, die erklären, dieser stille Alligator würde die Vielzahl menschlicher Leiber um ihn herum seinem Weltbild entsprechend ganz einfach in die für ihn relevanten drei Gruppen einzuordnen. Denn Reptile setzen ihre Maßstäbe für ihr mögliches Handeln nach sehr schlichten Grundsätzen: Zuerst: Wird mir das Lebewesen gefährlich? Dann: Kann ich es fressen? Und schließlich: Kann ich Sex mit ihm haben?

So einfach also stellt sich die Welt für die Alligatoren und sonstigen Reptilien dar. Wobei Capa-kaum an dieser Stelle an die Forschungen erinnern muss, dass auch das Gehirn der menschlichen Spezies in seinem Ursprung und innersten Kern auf diesem Reptilien-Gehirn fußt – und dass tatsächlich so manche Verhaltensweisen prinzipiell darauf zurückzuführen sind. Doch leider können wir zuweilen den Eindruck haben, dass manche Menschen über dieses einfache Strickmuster der reptilischen Aktions- und Wertekategorien nicht hinausgehen.

Aber ehe Capa-kaum seinen durch dieses Reptil in Gang gesetzten Gedanken noch weiter nachhängen konnte, hatte ihn die nach Glühwein dürstende Leibermenge schon an jenem hölzernen Dekorationsstück der Marktbude vorbei geschoben…

1 Kommentar zu “Ein Reptil im Advent”

  • walter macher 19. Dezember 2013

    Lieber Capakaum,
    zunächst einmal denke ich nicht, dass Du mir gefährllich werden kannst, Sex mit Dir brauche ich auch nicht – bleibt die Frage des Fressens. Keine Ahnung ob ich Dich jemals verdauen könnte, daher verzichte ich auf das Fressen, aber – da gibt es bei uns so einen Ausspruch „zum Fressen gern haben“ – das klingt schon ein wenig interessanter. Habe eine Weile in mich hineingedacht und dann entschieden – lassen wir – zu Weihnachten das Fressen weg, es gibt ohnehin genug Kekse und diverses anderes Leckeres, der Rest – das gern haben – genügt auch noch.

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