Ein Glücksfall

Posted in Blog, Blog Kultur mit 2 Kommentare

Jan2016 05

Nicht immer ist die Umbesetzung einer der Hauptrollen so ein Glücksfall, wie ihn Capa-kaum am Montagabend im Berliner Ensemble erlebte. Nachdem Uwe Bohm wenige Stunden vor der Vorstellung der Drei Schwestern von Anton Tschechow ins Krankenhaus musste, spielten mehrere Zufälle zusammen, die den Abend für das Publikum zu einem besonderen, man kann in diesem Fall durchaus auch sagen: einmaligen Erlebnis machten.

Denn: Kaum war die Nachricht vom Ausfall des Werschinin-Darstellers eingetroffen, musste der in Wien befindliche BE-Prinzipal Claus Peymann (der derzeit am Wiener Burgtheater seine Handke-Inszenierung vorbereitet) entscheiden, ob der Abend abgesagt werden müsse. Und der Glücksfall: Leander Haußmann, Regisseur der Drei Schwestern, war am Montag in Berlin, ebenfalls in Vorbereitung eines Stückes (wieder am Berliner Ensemble) beschäftigt – und Peymann gelang es, Haußmann dazu zu überreden, am selben Abend die Werschinin-Rolle zu übernehmen.

Man muss anmerken: Haußmann, gefeiert als exzellenter Film- und auch Theaterregisseur, hat natürlich genügend Erfahrung als Theaterschauspieler, diesen Teil seiner Karriere aber bereits vor zwei Jahrzehnten hinter sich gelassen. Und außerdem: Premiere der Drei Schwestern war erst Mitte Dezember, dem Regisseur Text und Situationen des Stücks daher noch präsent.

Es wurde ein fulminanter Abend – nicht nur wegen der exzeptionellen Darbietung des kurzfristigen Einspringers Haußmann, den man außergewöhnlicher Weise auf der Bühne erleben konnte, sondern auch wegen der konzentrierten und spielfreudigen Leistung des gesamten Ensembles. Dazu kommt: Haußmanns Regieansatz wird dem offensichtlichen Vorhaben Tschechows, Gesellschaftskritik und Beziehungsprobleme sowohl mit russischer Schwermut als auch mit humoriger Leichtigkeit zu verbinden, überaus gerecht. Dreieinhalb Stunden, in denen dank der opulenten und klugen Inszenierung nie Langeweile aufkommt.

Drei Schwestern (Anton Tschechow). Berliner Ensemble, Berlin. Regie: Leander Haußmann. U.a. mit: Laura Tratnik, Karla Sengteller, Antonia Bill, Leander Haußmann, Peter Miklusz , Anna Graenzer, Gudrun Ritter, Axel Werner, Boris Jacoby.

2 Kommentare zu “Ein Glücksfall”

  • Capa-kaum 7. Januar 2016

    @Gast: Info des BE am Abend der Vorstellung

  • Gast 7. Januar 2016

    In Vorbereitung einer neuen Inszenierung am BE? Wo kommt denn diese Information her?

    LG

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