Und dazu hat man in der Griechenland-Krise so lange Monate gebraucht? Dass man am Ende, nach einer durchwachten Nacht, in den Verhandlungen zu einer „Lösung“ gelangt, die allzu bekannt vorkommt, weil sie schon vor einem Vierteljahrhundert angewandt wurde: Die „Treuhand-Lösung“, die die (damals) bundesdeutsche Regierung nach der Wende der aufgelösten DDR verordnet hat.

Nun also wieder: Nichts anderes als eine kalte Enteignung des staatlichen Vermögens an Grund und Boden, an Immobilienwerten, an Firmen, Banken, Flughäfen, Seehäfen und und und – jedenfalls von allen für ausländische Investoren hochinteressanten Werten.

Wie das auf dem Gebiet der früheren DDR geschehen ist und welche Auswirkungen das dort hat, könnten die von dem monatelangen Gezerre um Griechenlands Schulden und Kredite sichtlich nicht nur körperlich erschöpften Politiker zwar besichtigen – viel lieber aber folgten sie den nach den deutschen Drohgebärden scheinbar als Kompromiss tauglichen Vorschlägen, die das deutsche Gespann Merkel-Schäuble auf Grund des ihnen wohlbekannten Musters im letzten Augenblick voranbrachte.

Capa-kaum will nur daran erinnern, was die seinerzeitige Treuhand-Lösung gebracht hat: In den so genannten „neuen Bundesländern“, also der Ex-DDR, in manchen Regionen eine Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 25 Prozent, eine deutlich höhere Quote von Hartz-IV-Sozialhilfe-Beziehern, eine auch nach einem Vierteljahrhundert noch bestehende krasse Ungleichheit der Löhne und Renten, die im Osten Deutschlands nach wie vor bis zu 20 Prozent niedriger als im Westen sind. Gleichzeitig aber auch die Besitznahme von Firmen, Einrichtungen und Medienunternehmen, aber auch von Grund und Boden durch Unternehmen aus dem Westen – Musterbeispiele sind die Autowerke, die Zeitungsverlage oder auch die Energieversorger. Alles das gepaart natürlich mit Personalabbau, Umstellungen auf Leih- und Teilzeitarbeit und Vieles mehr.

Gleichgültig, wie man zum Agieren der gegenwärtigen und vor allem auch der früheren griechischen Politiker steht (und dass EU und Währungsfonds natürlich Garantien für weitere Hilfsgelder wollen): Die Bedeutung und die möglichen Folgen dieser 50-Milliarden-Treuhand-Lösung müssen einfach mit klarem Blick gesehen werden, meint Capa-kaum.

1 Kommentar zu “Ein „bewährtes“ Muster”

  • Paul 15. Juli 2015

    Nach der Austeritätspolitik der 30er Jahre jetzt die Neuauflage des Versailler Vertrags und der Treuhandlösung – wenn schon lernunfähig, dann wenigstens konsequent. Wobei das auf längere Sicht (so man die hat) nicht nur Griechenland auf den Kopf fallen wird, sondern uns allen.

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