Jeder hat so seine Lieblings-„Feinde“. Für Manche sind es die Finanzbeamten, für andere die Nachbarn oder/und die Radfahrer, Strafzettel-Ausschreiber, Hundebesitzer. Für Capa-kaum sind es die Algorithmen, jene Wunderallheilmittel der Software-Wuzzis des Internet-Zeitalters, die wie es wissenschaftlich heißt, „aus endlich vielen wohldefinierten Einzelschritten ein eindeutiges Ergebnis zur Problemlösung“ liefern sollen.

Diese Algorithmen haben bereits die Suchmaschinen, die sozialen Networks, die Seiten der Anbieter von Reisen, Hotels, Theaterkarten und und… unterwandert. Aber leider sind die meisten von ihnen ziemlich doof. Sie bauen auf die gläserne Durchsichtigkeit der Internet-Tätigkeit der User auf und verknüpfen alle von ihm erhältlichen Informationen, meist auch für eine Sparte kanalisiert, miteinander, analysieren durch die Software, verarbeiten und machen ihm aus diesem Informationsmix heraus Angebote, die für ihn angeblich interessant sein sollen.

Deshalb werden also Capa-kaum zum Beispiel in Facebook oder Twitter Menschen für neue Kontakte angepriesen, die er zwar nicht kennt und die – wie ein Kurzcheck ergibt – oft schon monatelang gar nicht in betreffenden Plattform aktiv waren, also selbst kein Interesse daran haben. Oder er erhält vom Theaterkarten-Dienst unverhohlen die Mitteilung: „Sie haben kürzlich die Vorstellung XY gesehen und da könnte für Sie auch das Stück ABC von Interesse sein.“ Das sind für denjenigen, der sich damit abgefunden hat, dass seine Spuren im Internet von vielen unterschiedlichen Interessenten ausgewertet werden, manchmal ja durchaus Angebote, die es sich zumindest näher anzusehen lohnt.

Richtig ärgerlich ist jedoch, welche besonders stupiden Algorithmen sich zum Beispiel die Hotel- und Reiseportale leisten. Da erhält Capa-kaum, kaum dass er ein Hotel oder einen Flug gebucht hat, fast täglich immer neue Angebote für eben dieses Reiseziel, stets mit dem Vorspann versehen „empfohlene Reiseziele für Sie“, „ein Deal für…“ oder „ein tolles Last-Minute-Angebot speziell für Sie“. Und das hört auch nicht auf, wenn Capa-kaum endlich den besagten Ort oder das gebuchte Hotel aufgesucht hat.

Auch wissen Freunde, dass Capa-kaum manchmal hier, manchmal dort weilt – und das wissen aufgrund der Einlockdaten des Computers eben auch die Algorithmen. Deshalb wird er laufend und immer lästiger mit Hotelangeboten gerade jener beiden Städte konfrontiert, in denen er ohnedies privat wohnt. Gegen diese Absurdität nützt nicht einmal die dankenswerte Software, mit der sich die Nutzungsspuren im Internet verwischen lassen.

Capa-kaum will gar nicht weiter denken, wie die Algorithmen zu ihm und seinen Blogs aussehen, die nicht mit Angeboten für ihn verknüpft werden, sondern die bestimmten Institutionen lediglich dazu dienen, ein möglichst umfassenden Personenprofil über ihn zu erstellen. (Spezieller Gruß an Edward Snowden.) Denn leider sind die Algorithmen in ihrer mathematisch entwickelten Form ziemlich eindimensional, oft sinnentfremdet und wie gesagt damit ziemlich stupid. Noch dazu führen sie allzu oft in die Irre. Was bei Hotels, Reisen und sozialen Netzwerken zwar ärgerlich ist, bei den Personenprofil-Interessenten, die daraus politische Zugehörigkeit, sexuelle Vorlieben oder gar kriminelle Neigungen ableiten, jedoch für den Einzelnen leider zunehmend gesellschaftlich gefährlich.

1 Kommentar zu “Diese stupiden Algorithmen”

  • Paul 28. Oktober 2014

    Dem kann ich nur vollinhaltlich zustimmen. Wobei man die Belästigung als Konsument ja meist abstellen kann (hab ich z.B. bei Amazon getan – die behalten ihre guten Ratschläge jetzt für sich). Wirklich gefährlich wird’s bei den Geheimdiensten – nicht nur, weil sie harmlosen Zeitgenossen alles mögliche andichten, was Existenzen vernichten kann, sondern weil sie in der selbstgeschaffenen Flut von vermeintlichen „Spuren“ mit hoher Wahrscheinlichkeit die tatsächlichen Gefährdungen durch Terroristen übersehen werden.

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