Immer wieder beobachtet Capa-kaum, wie treue Gefolgsleute seiner Blogs wissen, erstaunliche Forschungsergebnisse ambitionierter Wissenschaftler und deren dafür eingesetzte oft eigenwillige Methoden. Bei der diesmal entdeckten spanischen Studie wurde jedoch eine durchaus „normale“ Methode angewandt – und das Ergebnis könnte auch echte Lebenshilfe darstellen, wäre es nicht ein wenig problematisch, im Alltag zu der entsprechenden Erkenntnis zu gelangen…

Da haben nämlich Psychologen der Universität Granada Wärmebildkameras eingesetzt, um den Zusammenhang zwischen bestimmten Gefühlen und der Körpertemperatur zu erforschen, und mit dieser Methode festgestellt: Wenn einer der Probanden eine Frage mit einer Lüge beantwortete, wurde es rund um seine Nase und im inneren Augenwinkel messbar wärmer. Andererseits veränderte sich die Temperatur der Nase umso weniger, je ehrlicher die Person war.

Nun wissen Körpersprache-Experten: Wissenschaftlich erwiesen und seit langem bekannt ist, dass Menschen sich häufig an die Nase fassen, wenn sie schwindeln. So hat sich etwa Amerikas Ex-Präsident Bill Clinton bei seiner Aussage zur Lewinsky-Affäre 26mal immer dann an die Nase gegriffen, wenn er nicht die Wahrheit sagte. Und nun spannt sich da der Bogen zur Erwärmung: Beim Lügen setzt der Körper nämlich Hormone frei, die die Nasenschleimhaut anschwellen lassen, die Nase juckt – fast unmerklich – und wird wärmer.

Aber auch das Kälterwerden sagt etwas aus, wie die spanischen Wissenschaftler mit ihren Wärmebildkameras herausfanden. Denn die Temperatur des äußeren Gesichts der Versuchsteilnehmer wurde kälter, wenn diese eine besonders schwierige geistige Aufgabe zu lösen hatten. Gerieten die Probanden wegen Überforderung in Panik, stieg die Temperatur des Gesichts an, erklären die Forscher. (Aber – dieser Hinweis sei Capa-kaum gestattet – das wissen und merken wir ohnedies, auch ohne Studie.)

Außerdem untersuchten die Psychologen die Körpertemperatur bei verschiedenen Tanzstilen, insbesondere (es sind ja spanische Forscher) beim Flamenco. Sie fanden heraus, dass beim Flamenco die Temperatur im Bereich des Gesäßes sank, in den Unterarmen wurde es dagegen wärmer. Was immer das heißen mag. Die Wissenschaftler jedenfalls führen das nicht nur auf die jeweils körperlichen Anforderungen des Tanzes zurück, sondern auch auf die Gefühle und den mentalen Zustand, die beim Tänzer durch Musik und Bewegungen ausgelöst werden.

Ach ja, und auch noch etwas Bedeutsames haben die Forscher mit ihren Wärmebildkameras herausgefunden: Sexuelle Erregung lässt sich bei Männern und Frauen gleichermaßen an einer Erhöhung der Temperatur im Brust- und Genitalbereich erkennen (nochmals Anm.: Als ob’s nur das wäre…).

Jedenfalls glaubt Capa-kaum, durch die Weitergabe dieser Studie den Horizont seiner LeserInnen entscheidend erweitert zu haben, wenn auch die praktische Umsetzung im täglichen Leben mangels ständig zur Verfügung stehender Wärmebildkamera wohl mangelhaft sein wird.

Wer sich jedoch in einer sommerlichen Gewitterpause noch andere bemerkenswerte Studien zu Gemüte führen will, dem – und vor allem den zahlreichen in jüngster Zeit hinzugekommenen LeserInnen – kann Capa-kaum mit einem Verweis auf einige seiner früheren Blogs helfen – etwa: Triumph der Lautstärke, Taxi-Gehirn, Linkshänder, Das Geheimnis der High Heels, Die gefährliche Weiblichkeit der Hurrikans und zuletzt Darüber bin ich wirklich froh.

1 Kommentar zu “Die Wärme des Lügens”

  • H. Diehl 11. August 2014

    …eine erfreuliche Mitteilung für das Gemüt bei so viel Leid um uns herum! Ja, die Spanier sind mir sympathisch!! Danke für den Bericht!!

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