Zugegeben: In unserer global engmaschig vernetzten Welt wird es für aufstrebende Wissenschaftler immer schwieriger, Forschungsmaterial zu finden, das es lohnt zu analysieren – und gleichzeitig durch ihre jeweilige Studie potenzielle Geldgeber zu animieren, weitere Forschungsprojekte zu finanzieren. Womit Capa-kaum beim eben publizierten Ergebnis einer amerikanischen Forschungsarbeit angelangt ist, die sich mit der Gefährlichkeit von Wirbelstürmen befasst hat.

Allerdings haben die Studienmacher der Universität Illinois dabei sozusagen eine Analysenische gefunden, die obendrein noch recht publikumswirksam ist. Es ging nämlich um die Geschlechterspezifität der Hurrikans. Ja, doch: Richtig gelesen – und es ist nicht 1. April oder ein aus den weiten Tiefen des Internets hochgedröseltes Fake. Nein: Die Arbeit des jungen südkoreanischen MBA-Studenten Kiju Jung und seiner drei Helfer wurde nun in den ehrenwerten Proceedings of the National Academy of Sciences der USA publiziert. Und zeigte als Ergebnis: „Female hurricanes are deadlier than male hurricanes“. Also echt: Da liegt nun eine Forschungsarbeit vor, die beweist, dass Hurrikans, die mit weiblichen Namen versehen über die Landschaften wüten, mehr Menschenleben fordern als deren männlich benannte Kollegen.

Die hinzugefügte Begründung der Uni-Truppe: Weil Frauen mit Sanftheit in Verbindung gebracht werden, lassen weiblich benannte Hurrikans die Menschen in den betroffenen Gebieten deshalb weniger vorsichtig agieren, man trifft weniger Vorkehrungen, ignoriert auch eher die Anweisungen der Behörden, und also gibt es deshalb mehr Todesopfer…

Nun gut: Analysiert haben die vier Jung-Forscher immerhin Archivdaten zu Schäden von 92 Hurrikans zwischen 1950 und 2012. Und sie haben sich auch die Mühe gemacht, die Studie mit Experimenten zu unterfüttern, wobei Testpersonen zur Gefährlichkeit von weiblich und männlich benannten Wirbelstürmen befragt wurden. Mit, wie sie feststellen, immer demselben Ergebnis, dass etwa ein Hurrikan namens Christina oder Alexandra als deutlich harmloser eingeschätzt wurde als ein Christopher oder Alexander. Ganz arg liebkosende Namensgebungen wie Belle oder Cindy, die laut den Testpersonen überhaupt bewirken würden, einem Aufruf zu Evakuierung nicht nachzukommen. Was in der Schlussfolgerung der Studienmacher dazu führen sollte, dass Meteorologen und Politiker besser über die Namensgebung für die Wirbelstürme nachdenken sollten.

Tja, der Fehler geschah eigentlich 1979. Denn bis 1978 trugen die Wirbelstürme nur weibliche Namen und die Hurrikan-Damen konnten vergleichslos wüten – etwa Diane 1955 (200 Tote), Agnes 1972 (117 Tote) oder auch Carol, Betsy, Camille, Carla, Eloise, Celia, Alma und wie sie alle hießen. Dann traten 1979 mit Bob, David und Frederic gleich drei „männliche Hurrikans“ auf und seither gibt es den Geschlechterkampf der Wirbelstürme.

Schlussbemerkung: Für Capa-kaum reiht sich diese Studie nahtlos in die Liste jener Forschungsarbeiten ein, die er immer wieder gerne seinen LeserInnen zur Kenntnis bringt. Wer also von dieser Hurrikan-Studie noch nicht genug hat, dem helfen unter anderem die folgenden Links zu früheren Capa-kaum-Blogs dieses Genres weiter, etwa: Das Geheimnis der High Heels, Gedächtnis wie ein Schaf, Taxi-Gehirn und Triumph der Lautstärke.

Zweite Schlussbemerkung: Doch, zum Studienteam gehörte auch eine Studentin.

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