Der schwarze Fels

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Apr2016 28

Eben erst hat der amerikanische Präsident in Hannover wieder einmal eine Brandrede für das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und Europa gehalten, drängen Teile der europäischen Industrie auf den von den USA gewünschten Abschluss noch in diesem Jahr, artikulieren sich jedoch gleichzeitig immer mehr Skeptiker auch aus verschiedenen Bereichen der Wirtschaft. Nein, Capa-kaum analysiert an dieser Stelle nicht das Pro und Contra zu diesem Thema. Hier soll das Augenmerk auf eine mächtige Organisation gelenkt werden, die im Hintergrund die Fäden zieht und abseits der öffentlichen Diskussion, wer letzten Endes von diesem Abkommen mehr profitieren würde, durch TTIP die größten Gewinne machen könnte. Es ist der „schwarze Fels“ im globalen Finanzbusiness, der größte Vermögens- und Risikoverwalter der Welt: BlackRock.

Ja, es gibt natürlich eine Webseite. Auf dieser bietet BlackRock die heile Welt des Finanzbusiness mit eigenen ethischen Standards wie Anti-Korruption und verkündet zugleich selbstbewusst: „Leading in the new World of Investing“. Aber was hinter der öffentlichen Fassade steckt, ist noch bemerkenswerter:

BlackRock ist die größte Bank, der größte Aktionär und das am besten vernetzte Unternehmen der Welt. In seinem Portefeuille befinden sich Anteile an Konzernen und Organisationen im Ausmaß von mittlerweile fast 5 Billionen Dollar. BlackRock arbeitet nicht zuletzt auch als einflussreicher Berater, man könnte auch sagen: Großlobbyist, in großem Stil, aber stets im Hintergrund. Recherchiert man, stößt man darauf, dass zur Klientel dieses geheimnisumwitterten Unternehmens Politiker und staatliche Stellen aus zahlreichen Staaten gehören. Darunter: Deutschland, Spanien, Kanada und natürlich die USA, ebenso die Schlüsselfunktionäre der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und der amerikanischen Federal Reserve Bank.

Für BlackRock geht es bei TTIP um sehr viel. Kommt das so geheimnisvoll verhandelte Freihandelsabkommen, dann ist erheblicher Spielraum für Großinvestitionen bei vergleichsweise geringem Risiko gegeben. Ein weites Feld für den mächtigsten privaten Fädenzieher der Finanzwirtschaft, der unter anderem über verschiedene Firmen und Fonds allein in Deutschland auch wesentliche Aktienpakete an den großen Konzernen wie Allianz, Adidas, BASF, Siemens, Merck, Heidelberg-Cement oder der Deutschen Bank hält.

Für das amerikanische Finanzministerium analysiert BlackRock so genannte toxische Wertpapiere, man verdiente durch die Finanzkrise unter anderem gutes Geld durch Bankanalysen für die Regierungen von Griechenland und Irland, spielte eine Schlüsselrolle bei den Verhandlungen zwischen Griechenland und den Gläubigern. Pensionskassen und Staatsfonds weltweit vertrauen dem „schwarzen Fels“ Milliarden-Summen an. Sehr praktisch ist dabei, dass die Analyseabteilung von BlackRock auch Regierungen und Notenbanken berät – gerade auch in jenen Ländern übrigens, die Gewicht für das Zustandekommen des TTIP-Abkommens haben.

Die von Larry Fink in New York 1988 gegründete Firma war ursprünglich bloß im Finanzmanagement tätig und erlebte ihren richtigen Aufschwung vor zehn Jahren. Durch die damals erfolgte Fusion mit Merrill Lynch Investment Managers wurde BlackRock eines der weltgrößten Asset-Management-Unternehmen. In der Finanzkrise baute BlackRock mit dem Aufkauf der gesamten Vermögensverwaltung der britischen Barclays Bank seine Position im weltweiten Finanzgeschäft entscheidend aus. Man profitierte davon, dass Investmentbanker und Händler in der Krise massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt hatten. Und mittlerweile hat das Unternehmen seine Beteiligungen so breit gestreut, dass es in der Finanzwelt gleichsam als unsinkbar gilt. Dazu wickelt BlackRock Finanzgeschäfte von rund 10 Billionen Dollar ab. Für dieses Risikomanagement des Investorenkapitals hat das Unternehmen ein ausgefeiltes Computerprogramm namens Aladdin entwickelt, mit dem minütlich und teilweise sogar sekündlich ausgerechnet wird, welchen Wert die Aktien, Bonds, Devisen oder Kreditpapiere haben, die in den milliardenschweren Anlageportfolios liegen. Tausende Analysten arbeiten für BlackRock, rund 6.000 Rechner stellen Hunderte Millionen Kalkulationen pro Woche bereit.

Das Freihandelsabkommen TTIP würde dem geheimen Riesen BlackRock jedenfalls zu noch größerer Marktmacht verhelfen – im Hintergrund von Politik und staatlich kontrollierter Finanzwirtschaft. Und deshalb ist es nicht überraschend, meint Capa-kaum, dass Präsident Obama eigens nach Hannover kam, um die Wichtigkeit von TTIP zu preisen.

1 Kommentar zu “Der schwarze Fels”

  • BrunnenSchereSteinPapier 29. April 2016

    Gute Aufklärung – es ist gar nichts immer so einfach, Leuten nur mit so einem seltsamen Gefühl, welches man habe zu widersprechen, wenn sie vom charming Obama-Auftritt schwärmen – wird man sofort überstimmt und belächelt – Danke!

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