Da fahren sie wieder auf, in Frankfurt, bei der Internationalen Automobil-Ausstellung, die E-Mobils, die „Autos der Zukunft“, die Sparsamen, die Umweltfreundlichen, die Vernünftigen. Capa-kaum, dem Umweltbewusstsein so wichtig ist, wie es jedem sein sollte, kann dennoch die von den Automobilherstellern und Stromlieferanten in Gemeinsamkeit mit der Politik zur Schau gestellte Euphorie nicht wirklich teilen. Denn er kennt eine Reihe ernsthafter wissenschaftlicher Studien und neutraler Untersuchungen, die alle zur gleichen Schlussfolgerung gelangen: Die strombetriebenen Autos sind nicht jene Superlösung für Umwelt und Geldtasche, als die sie gerne ins Rampenlicht gestellt werden. Sie dienen vor allem den Stromlieferanten, um einen neuen gewinnträchtigen Absatzmarkt zu erschließen. Deshalb ein paar Gedanken zu dieser Produktsparte, die mithilfe des Themas Umwelt den Autoherstellern und Energieunternehmen neue Einkünfte bescheren soll.

Die Probleme der E-Autos sind schnell aufgezählt. Sie beginnen mit den hohen Kosten beim Kauf: Für ein E-Auto muss eben das Doppelte bis Dreifache eines vergleichbaren Autos mit Verbrennungsmotor bezahlt werden. Kleinwagen, die mit Verbrennungsmotor 12.000 bis 20.000 Euro kosten, sind mit Elektroantrieb nicht unter 30.000 bis 60.000 Euro zu haben. Hauptverantwortlich für die hohen Kosten ist der hohe Preis der Batterien. Noch liegen deshalb die Kosten pro Kilowattstunde zwischen satten 500 und 1.000 Euro. Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet die Industrie bereits an sinnvollen Lösungen, dennoch sind die Batterien noch immer sehr kostspielig und ermöglichen nach wie vor nur eine bescheidene Reichweite der E-Mobils. Überdies sind die Batterien nicht nur teuer, sie verursachen auch extrem hohe Entsorgungskosten und es gibt noch keine verlässlichen Daten zur Haltbarkeit von Batterien in E-Autos.

Dazu kommt noch die Gesamt-Kostenbilanz, die erst kürzlich der deutsche ADAC am Beispiel des Peugeot 107 Filou und seines Elektrobruders iOn errechnet hat. Das Auto mit Verbrennungsmotor ist bei den Gesamtkosten, einschließlich Kaufpreis, um rund die Hälfte günstiger als das vergleichbare E-Auto. Die Monatskosten für den Filou liegen bei etwa 335 Euro, für den iOn bei rund 700 Euro.

Wen wundert’s also, dass die noch vor wenigen Monaten so hochgeschraubten Erwartungen in den Absatzmarkt für E-Autos fürs Erste ad acta gelegt werden? Das im Mai von der deutschen Bundesregierung bekräftigte Ziel von einer Million Fahrzeugen mit Elektroantrieb im Jahr 2020 auf deutschen Straßen wurde im Vorfeld der Frankfurter Automobilausstellung durch eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft und der Deutschen Bank in die Wirklichkeit zurück geführt. Die hohen Kosten führen dazu, heißt es da, dass Elektromobilität in den kommenden Jahren ein Nischenmarkt bleiben werde. Die Nische ist in der Tat ausbaufähig winzig: Gerade einmal rund 3.000 E-Autos sind derzeit in Deutschland zugelassen, in Österreich sind es etwas mehr als 500.

Dennoch lässt sich die Branche von McKinsey mit Optimismus beflügeln: Laut deren Studie sollen bis 2025 E-Autos weltweit einen Marktanteil von 16 Prozent aufweisen. Weniger prominent wird dagegen eine Studie der Spezialisten von Oliver Wyman vermarktet, die zu einem viel niedrigeren Ergebnis gelangt: Weltweit sollen 2025 dieser Prognose zufolge jährlich bloß 3,2 Millionen E-Autos verkauft werden – ein Marktanteil von 3 Prozent. Noch liegen derzeit die Verkaufszahlen der E-Autos unter der Ein-Prozent-Schwelle – bei weltweit jährlich rund 60 bis 65 Millionen verkauften  Fahrzeugen.

Aber nicht nur Anschaffungs- und Betriebskosten müssen erst noch überwunden werden, damit sich das E-Auto auf dem Markt durchsetzt. So ist es besonders die begrenzte Reichweite von meist 150 bis 180 Kilometern die das E-Auto noch zum simplen Fun-Car macht. Außerdem der bei einem Elektroauto nötige stundenlange Ladevorgang und die äußerst geringe Anzahl von Stromtankstellen. Dazu kommt die negative Umweltbilanz. Die Erzeugung von Elektro-Autos verbraucht mehr Energie, mehr Rohstoffe und verursacht rund 6,5 Tonnen CO2, ein Benzin-Pkw rund fünf Tonnen CO2. Und schließlich ist der Materialbedarf eines E-Autos um fast 20 Prozent höher als bei herkömmlichen Autos – ganz abgesehen von aufwändigen Prozessen, um hochwertige Leichtbaumaterialien wie Karbonfasern verarbeiten zu können.

Demgegenüber steht: Der Treibstoff Strom kostet nur etwa einen Euro pro 100 Kilometer – bei Benzinmotoren ist es ein Vielfaches. Allerdings: Immer wieder argumentieren die Stromversorger ihr Atomkraft-Business und hohe Investitionen wie das 500-Milliarden-Euro-Projekt der Sahara-Solaranlage mit der drohenden Stromknappheit durch ständig steigenden Stromverbrauch. Darüber, dass die E-Autos den Stromverbrauch noch weiter wesentlich ansteigen lassen, wird nicht gern gesprochen.

Zusammengefasst heißt das: Autos sollen also künftig umweltfreundlich mit Strom betrieben werden, der zwar jetzt noch billiger als herkömmlicher Treibstoff ist, aber bald immer knapper und damit jedenfalls teurer wird.

Und da dämmert es, meint Capa-kaum, wer wirklich so großes Interesse an den stromgetriebenen Autos hat…

2 Kommentare zu “Der Schmäh mit dem „E“”

  • Charlie 24. September 2011

    am liebsten wäre den autokonzernen, wenn sich jeder so ein e-auto als zweit- oder drittauto kaufen würde! zu mehr ist es eh nicht wert, bei dieser schwachen reichweite. ich will ein auto, das sowohl in der stadt zu gebrauchen ist, aber auch wenn ich irgendwohin am wochenende rausfahren will. bin gespannt, wann das mit dem e-auto soweit sein wird!

  • kalinka 21. September 2011

    Danke für die „erhellende“ Analyse der Problematik des E-Mobils. Bei mir landet vorerst alles zu diesem Theme gemeinsam mit dem E-Book in der „Rundablage“ ;-)),

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