Crowdfunding ??

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Sep2017 19

Es ist so eine Sache mit den wohlklingenden Anglizismen, die Vieles in einem anderen Licht erscheinen lassen. Auf traditionell Deutsch also: Uns ganz gut täuschen können, wenn man nicht genau hinschaut, hinhört, hinterfragt. Und manchmal führt das in veritablen Geldverlust, wie eine aktuelle Entwicklung zeigt…

Eines der Lieblingsbeispiele Capa-kaums ist das in der Pop-Kultur seit langem schon eingeführte Wort covern“. Klingt schöner als „nachspielen“, heißt aber nichts Anderes, als dass ein alter Hit (Hit, nicht Hut) von Jemandem, der zur Zeit des Erfolgs dieser Nummer oft nicht einmal noch geboren war, hergenommen, „auf modern“ arrangiert, instrumentiert und gesungen wird. Was ja nicht weiter schlimm ist, wenn’s gut gemacht ist.

Schlimm wird’s, wenn mit einem hübsch klingenden „Label Aktivitäten versehen werden, die dem dadurch Verleiteten Geld kosten. Womit wir beim heutzutage so gern verwendeten Begriff „Crowdfunding sind.

In unserer Internet-Ära ist die „Crowd“ sowieso was Positives – zumindest als solches konnotiert. Crowd“, diese amorphe Gemeinschaft, die – obwohl physisch nicht zu fassen – Großes bewegen kann, glaubt man. In der „Crowd“ fühlt man sich geborgen, unter Sinnesgleichen quasi freundschaftlich verbunden und damit gleichsam unverwundbar. Und genau da setzen die Crowdfunders an, nützen die scheinbare Unverwundbarkeit der Followers für ihre Zwecke.

Sieht doch auch so sozial hilfreich, ökonomisch zweckmäßig und prestigehebend aus, wenn man sich an einer Crowdfunding-Aktion beteiligt. Da wird jungen Leuten zur Gründung ihres Start-ups dadurch geholfen, dass eine Vielzahl von helfenden Mini-Investoren Geld aufbringt – 1.000mal „nur“ 500 Euro ergeben letzten Endes stattliche 500.000 Euro durch Crowdfunding aufgebrachtes Kapital.

Also eine halbe Million – dies ist auch die Summe des ursprünglich aufgebrachten Kapitals der ersten jetzt in die Insolvenz geschlitterten Crowdfunding-Aktivität. Die Crowdfunding-Blase platzte in Berlin: Ein Immobilienvorhaben, bei dem zwei Projektentwickler mit dem Geld der Anleger Mikroapartmenthäuser in Tempelhof errichten wollten und für das Gutgläubige ihr Geld in die Hoffnung auf fette Renditen (versprochen waren: 7 Prozent!) überwiesen hatten. Ohne jedoch eine Grundregel des Wirtschaftslebens zu beachten: Je höher die versprochene Rendite, desto höher das Risiko.

Und für Crowdfunding gilt: Je diffuser Vorhaben und Versprechungen, je einfacher das Investieren (bloß durch die entsprechenden Klicks auf der dargebotenen Internet-Seite), desto risikoreicher. Nichts gegen 100 Euro (wenn man’s hergeben will) für ein Start-up, das einem sympathisch erscheint, sehr viel aber gegen die Abzocker, die den Herdentrieb Unerfahrener (in Sachen Ökonomie und Business) nützen wollen…

3 Kommentare zu “Crowdfunding ??”

  • Linda Wöss 20. September 2017

    VIEL SCHON DAGEWESENES IN NEUEM GEWAND – ALTE ERFAHRUNGEN SIND EBEN SELTEN ÜBERTRAGBAR.

  • Paul 19. September 2017

    Hat’s doch alles immer schon gegeben … das Ausnehmen leichtgläubiger Anlager mit absurden Rendite-Versprechen … neu ist bloß der Kanal Internet.

    Beim Kraut-Funding muss man halt genauso hinschauen wie früher beim Geldverborgen.

  • Lilli Salander 19. September 2017

    Oje! Kraut-Funding, wie man’s hierzulande ausspricht… Früher fiel die Anfrage „Könntest mir ein bissl Geld borgen?“ unter die Rubrik „Samma lieber GLEICH bös!“

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