Club 2-Desaster

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Sep2011 15

Österreichs öffentlich-rechtliche Sendeanstalt ORF bejammert zwar pausenlos die sinkenden Quoten, beweist aber immer wieder, dass man den Zug der Zeit verpasst hat. Zum Beispiel: Der vor 30 Jahren erfolgreiche und vor einiger Zeit deshalb (!) wieder belebte „Club 2“, über dessen heutzutage ganz schwachen Einschaltziffern sich die Fernsehmacher permanent wundern…

Die Gründe, so meint Capa-kaum, lassen sich an einem aktuellen Beispiel eigentlich leicht orten.

Erstens ist es die Themenauswahl. Am Mittwoch etwa die Spaltungstendenzen in der katholischen Kirche. Was, so frägt man sich, hat solch ein internes Thema der privaten Vereinigung Kirche im großen Fernsehen verloren. Denn lang ist die Zeit vorbei, als die katholische Kirche in Österreich noch fast den Anspruch einer Amtskirche haben und mehr als 90 Prozent der Bevölkerung zu seinem Gefolge zählen konnte. Jetzt ist sie nicht mehr als eine (zwar große) religiöse Vereinigung unter anderen, noch dazu gebeutelt durch ständig neue Skandale. Die Spaltung (oder auch ein gern gespieltes Thema wie der Zölibat) soll natürlich das Kirchenvolk interessieren, für jedes Nicht-Mitglied oder jeden Nicht-Sympathisanten ist es belanglos. Etwas Anderes sind allgemeine Themen wie etwa der Fundamentalismus in der Welt.

Zweitens die Diskutantenauswahl. Die erste Kategorie kommt nicht mehr; jene, die in den Club-Fauteuils sitzen, haben außer langatmigen Selbstdarstellungen meist nichts zu sagen. In den 1980er-Jahren waren zumindest stets hochrangige Diskutanten zu Gast – die Zeiten haben sich eben geändert.

 Drittens die Auswahl der Moderatoren. Einige von ihnen scheinen überhaupt nicht in der Lage zu sein, eine Gesprächsrunde zu leiten. Da werden etwa um Mitternacht einschläfernde Monologe zugelassen, zu selten strukturierende Fragen gestellt. Die Devise lautet: Lass‘ ma’s eben laufen.

Viertens – und das erscheint Capa-kaum überhaupt als entscheidender Kritikpunkt an den Programmverantwortlichen: Die Struktur der Sendung. Sie ist eben in der behäbigen, breit ausladenden Diskussionsform einfach nicht mehr zeitgemäß. Die österreichische Gemütlichkeit in der Club-Garnitur tut’s heutzutage nicht mehr. Es gibt genügend Untersuchungen der Wahrnehmungspsychologie, wie sehr sich das Aufmerksamkeitsverhalten in den letzten zwei, drei Jahrzehnten verkürzt hat. Derartiges ist an den Retro-Verliebten im ORF spurlos vorbei gegangen – ihre offensichtliche Gedankenwelt: Der Club 2 der 1980er-Jahre war einfach so schön… Und da sieht man sich natürlich nicht aktuelle Formate allein im deutschen Sprachraum an, die zeigen, wie man’s heute machen muss.

Aber im ORF sind Personaldiskussionen, Postenbesetzungen und politische Ränkespiele scheinbar wichtiger als zeitgemäß und „kundenorientiert“ Programm zu machen.

2 Kommentare zu “Club 2-Desaster”

  • jospal 16. September 2011

    von bildungsauftrag kann beim orf eh keine rede sein. wenn, dann werden die sendungen mitten in der nacht versteckt. aber hauptsache, die landeshauptleute bekommen die ihnen gefälligen orf-direktoren. entschuldigung: ich hab vergessen, dass die politiker bei den bestellungen nichts mitzureden haben. haben wir eben super gesehen.

  • aquarius 15. September 2011

    Da bin ich absolut der gleichen Meinung. Ich gehe sogar weiter: wenn der ORF (öffentlich rechtlich und finanziert von großteils unfreiwilligen Gebührenzahlern) ohne Werbung senden müßte, dann wird er endlich seinen Bildungsauftrag erfüllen. Diverse Parteien schauen da immer schon ganz genau hin. Die profitieren ja am meisten davon ;-)). Wirtschaftlichkeit traut der „Anstalt“ ORF ohnehin niemand zu. Dafür gibt es die Privaten im ungeschützten Raum. Willkommen im dritten Jahrtausend!!!!

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