Nun zu den wirklich wichtigen Fragen, die derzeit in Berlin und Umgebung (zumindest medial) heiß diskutiert werden. Nein, Capa-kaum befasst sich in den nächsten Zeilen nicht mit der bevorstehenden EU-Wahl, schon gar nicht mit den Wahlen in der Ukraine, den Boko-Haram-Massakern in Nigeria, dem Militärputsch in Thailand oder… Er widmet sich dem Gender-Problem auf den Lichtsignalen der Straßenkreuzungen in der Spree-Metropole.

Kaum ist nämlich die wirklich weltbewegende Diskussion im Szene-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg um die Klo-Häuschen verebbt, geht es nun richtig los um das Ampelmännchen. Um allfälligen Fragen über die Toiletten-Problematik zuvor zu kommen: Da gibt es in besagtem Bezirk politische Vorstöße, zur traditionellen Trennung der WC’s für Frauen und Männer müsste eine dritte Kategorie kommen – geschlechtsneutral, transgendermäßig. Doch zurück zum Ampelmännchen, jenem Relikt aus DDR-Zeiten, wo das grüne Licht für Fußgänger noch mit einem schreitenden grünen Männchen mit Hut gekennzeichnet wurde und zum Stehenbleiben ein rotes Männlein mit beiderseits ausgestreckten Armen aufforderte.

Nach dem Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren wurden diese, liebevoll genannten, Ampelmännchen so sehr Kult, dass sie auch auf Kreuzungen des einstigen West-Berlin Einzug fanden, vor allem aber einer marketingbewussten Shop-Kette nach wie vor zu regem Umsatz verhelfen. Nun aber das: Es gehen doch nicht nur Männer mit Hut über die Straße – womit, wieder aufgrund einzelner politischer Wünsche, im Zeichen der Gleichberechtigung auch Ampelfrauen das Recht hätten, die Lichtsignale zu schmücken. Doch… wie sollten diese aussehen? Mit Zopf und Kleid, wie bereits an manchen Orten verwirklicht? Da stößt nun eine Politikerin in Bezirk Berlin-Mitte die Debatte an, dass dies doch nicht dem zeitgemäßen Frauenbild entspricht. So diskutiert man nun, ob Hose und hohe Absätze dem Ampelfrauchen mehr entsprächen.

Schön, dass man keine größeren Sorgen hat, könnte Capa-kaum kommentieren. Wären da nicht die Milliardenschulden der deutschen Hauptstadt, die hohe Kriminalitätsrate, die wachsenden Probleme mit der steigenden Zahl von Asylbewerbern, dazu den 3.000 Obdachlosen und und…

Und letztlich erinnert die Ampelfrau-Diskussion an jene Kontroversen, die man schon überwunden geglaubt hatte. Etwa um die Frage der politisch korrekten Bezeichnung von Volksgruppen und die sich daraus ergebenden Begriffsprobleme – muss man im Gasthaus tatsächlich ein Sintischnitzel bestellen und als Nachtisch einen Schwarzafrikaner im Hemd oder muss der Wildwasserkanute nach seiner Drehung durchs Wasser von einer Inuit-Rolle sprechen?

Capa-kaum meint, es gibt eben Dinge, die sich jenseits aller Erörterungen um sprachliche politische Korrektheit bewegen. Und man kann sich auch leicht in Übertreibungen hineinsteigern (siehe das Thema Klo-Häuschen). Jedenfalls zeigt die Ampelfrau-Diskussion, dass Berlin alles, auch wirklich alles dafür tut, um London den Rang eins als Unterhaltungsmetropole Europas abzulaufen.

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