Also doch

Posted in Blog, Blog Gedanken mit 1 Kommentar

Jun2010 17

Capa-kaum lädt dazu ein, sich über Wirtschaft und Politik am Beispiel Afghanistan Gedanken zu machen. Denn Deutschland hat doch wegen einer Afghanistan-Äußerung seinen Bundespräsidenten verloren, Politiker verschiedener Lager sind empört auf die Barrikaden gestiegen, Regierungsvertreter anderer in Afghanistan engagierter Staaten wiesen Zusammenhänge zurück – aber kaum war Horst Köhler zurückgetreten, kam die Bestätigung, dass der gute Mann sehr wohl die Wahrheit aufgedeckt hat, als er von wirtschaftlichen Interessen im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz gesprochen hatte. Natürlich stellt auch Capa-kaum die Überlegung an, ob und wie ein Bundespräsident solch wahre Worte äußern solle, aber – wie sagt die Dichterin Ingeborg Bachmann: Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.

Und diese Wahrheit kam von amerikanischen Geologen, die die Weltöffentlichkeit darüber informierten, dass unter Afghanistans Erde gewaltige Vorkommen von Kupfer, Eisen, Gold und vor allem von so genannten „Seltenen Erden“ und Lithium liegen. Die beiden letztgenannten Rohstoffvorkommen sind von erheblichem Interesse für die High-Tech-Industrie. Lithium, bisher hauptsächlich von Bolivien geliefert, ist für die immer wichtiger werdenden Lithium-Ionen-Batterien strategisch bedeutend und für die Umstellung auf die Versorgung mit Sonnen- und Wind-Energie unverzichtbar. Und bei den „Seltenen Erden“ sind die Industriestaaten bisher fast ausschließlich auf die Vorkommen in China angewiesen. Aber Chinas Wirtschaftspolitiker haben ihrerseits ohnedies bereits Vorsorge getroffen: Sie haben sich die Abbaurechte für riesige Kupfervorkommen in Afghanistan  gesichert.

Capa-kaum erinnert das alles an den Irak-Krieg und die Tatsache, dass die Bush-Regierung als erste Maßnahme die Ölbohreinrichtungen und Raffinerien vom Militär schützen und von regierungsverbundenen Unternehmen unter Kontrolle nehmen ließ. Unangenehm nur, dass sowohl im Irak als auch in Afghanistan noch immer die für die Entwicklung der Industrie nötige Ruhe fehlt…  

Jedenfalls darf man kurz und bündig zur Schlussfolgerung gelangen, dass es kein Wunder ist, wenn mehr als 100.000 Soldaten ausländischer Staaten unter der Führung der US-Armee in Afghanistan gegen die Taliban und angeblich vorwiegend auch gegen den Anbau von Rauschgiftpflanzen kämpfen.

1 Kommentar zu “Also doch”

  • Charlie 19. Juni 2010

    Das war immer schon so, dass Kriege aus wirtschaftlichen Gründen, vor allem um Bodenschätze, geführt wurden. Ebenso hat die katholische Kirche solche Eroberungen unter dem Vorwand der Missionierung (Mittel- und Südamerika, auch Afrika) unterstützt und auch davon profitiert (Vatikan).

Kommentar senden

Jeder Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschalten.
Nähere Hinweise dazu im Urheberrechtshinweis.

Zum Weiterdenken

Aus den Erfahrungen unserer Vergangenheit schöpfen wir unsere Klugheit für die Gestaltung unserer Gegenwart und unsere Weisheit für unsere Vorhaben in der Zukunft.

  • rss
  • rss
  • rss
  • rss
Info-Mail

Capa-kaum sendet Ihnen seine Info-Mails, wenn Sie hier Ihre E-Mail-Adresse eingeben.