Sinnsprüche

Posted in Blog, Blog Gedanken mit 5 Kommentare

Mrz2018 20

Zuweilen liegen in den Nachtkästchen der Hotels Büchleins, die der eilige Übernachter meist kaum ansieht, die sich aber beim Durchblättern als kleine Fundgrube von Denkanstößen entpuppen können. Capa-kaum muss zwei Dinge vorausschicken: Er meint nicht die in vielen Hotels oft dargelegte Bibel und er meint nicht das Nachtquartier in einem so genannten Designerhotel, wo man fast immer auf Nachtkästchen (und damit auch auf Bücher) verzichtet und auch überhaupt auf Kleiderschränke oder Wäscheablagen, ja sogar auf Aufhängemöglichkeiten für Jacken verzichtet, um das Gesamtbild der designten 18 Quadratmeter nicht zu zerstören…

Also, weil es die friedliche vorösterliche Zeit gebietet, sollen keine weiteren Gedanken über Sinn und Unsinn von Hoteldesigns Platz finden, sondern Denkanstöße aus einem dieser Büchleins, das Capa-kaum kürzlich vorgefunden hat, weitergegeben werden.

Etwa: „Frage nur dann um Rat, wenn du auch bereit bist, ihn anzunehmen.“ Tatsächlich ist es ja so, dass Viele in Wirklichkeit nur die Bestätigung ihrer eigenen Meinung haben wollen, wenn sie Freunde oder Kollegen um Rat fragen („soll ich das machen?“). Denn jeder ist so leicht festgefahren in seinem Meinungskorsett.

Oder: „Verlierer sagen: Ich versuche es.“ Man versteckt sich gerne dahinter, dass man doch aktiv ist, wenn man etwas versucht. Stimmt schon, aber wie so oft ist ein Wort verräterisch (und bekanntlich spiegelt die Sprache das Denken wider): Ein Versuch ist etwas Kleinmütiges, das im Denken die Gefahr des Scheiterns in sich birgt. Man soll nicht versuchen, sondern einfach (im Denken) tun.

Und schließlich Capa-kaums Lieblingszitat aus dem Hotel-Büchlein: „Ein Schiff ist im Hafen sicher, dafür wurde es aber nicht gebaut.“ Tatsächlich kennt Capa-kaum Einige, für die es so praktisch ist, im gewohnten Fahrwasser zu bleiben, ihr gesichertes Lebensfeld nicht zu verlassen. Und dabei gar nicht auf die Idee kommen können, was es noch alles gibt. 20 Jahre in die selbe Gegend, in die selbe Bleibe auf Urlaub fahren. Zu Weihnachten immer das selbe „Feiertags-Ritual“ abspulen. Oder… Einmal etwas anderes machen, hinausgehen aus dem Gewohnten kann vielleicht mühsam sein, der sichere Hafen allein ist jedenfalls nicht das volle Leben mit seinen Möglichkeiten und Entdeckungen.

Manch Einer wird Capa-kaum entgegenhalten, dies seien ja nichts anderes als etwas in die Länge gezogene „Kalendersprüche“. Und wenn es so wäre? Lohnt es nicht, den einen oder anderen Gedanken des unbekannten Autors weiterzuspinnen?

5 Kommentare zu “Sinnsprüche”

  • Rita Uhlig 21. März 2018

    Rituale sind doch Rituale, weil sie immer das Gleiche Prozedere abspulen. Das muss nicht immer schlecht sein. Der aufmerksam Geduldige entdeckt Unterschiede in den Wiederholungen, gewinnt Abstand zu ihnen, stärkt seinen Humor dadurch. Mir sind bekennend leidende Kompromiss-Weihnachts-Abspuler manchmal lieber als jene Weihnachtsritualabspul-Hasser, die aber wert darauf legen, dass sowohl Weihnachten in Australien als auch auf Spitzbergen die rote Mütze ausm Gepäck geholt wird, damit sie sich in ihrem Weihnachtsabspulhass auch so richtig ausnahmebestätigt wohlfühlen können – Jaja, das gibt es!

  • Capa-kaum 21. März 2018

    @De: Das ist nun wirklich eine Frage, die nicht so ohne weiteres zu beantworten ist. Denn ganz entscheidend ist unter anderem, wie eng das freundschaftliche Verhältnis vor der langen Zeit des nicht gegebenen Kontakts war, wie groß das Vertrauensverhältnis, wie die – vielleicht unterschiedliche – Situation… Und natürlich auch, wie die Reaktion des Anderen beim zufälligen Zusammentreffen war. Um Hilfe bitten kann man einen Freund immer, in deinem Fall unter den vorher genannten Aspekten ja, aber man darf sich (nie) zu viel erwarten.

  • De 21. März 2018

    Ich bin auch sehr angeregt zum Sinnsprüch-Denken… Lieber Capa-kaum, hast Du vielleicht einen Rat für mich? Es geht um folgendes: Darf man einen Freund, von man nicht weiß, ob er einem auch wirklich Freund ist, nur umgekehrt, weiß man es genau, dass man ihm sehr Freund ist, darf man den, auch wenn man ihn lange nicht gesehen hat und zufällig trifft, auch um Hilfe bitten? ich meine, nicht um Rat, sondern um seine Hilfe?

  • AusderTonnemitOhr..amHerztresor 21. März 2018

    Oh ja, das lohnt sich immer. Auch gedanken von AutorInnen lohnt es sich weiterzuspinnen! Ich las einmal „Hinter jedem klugen Mann steht mit Gewissheit eine noch klügere Frau.“ Und das hatte ein Mann geschrieben! Seitdem vertraue ich Männern, die spruchreif in Hotelbüchleins vereweigt sind! – Nun gut, es war ein Brite- Briten verfügen aus irgendeinem Grund über besonders viel Understatement, die Deutschen reden sich dann immer damit raus, es sei britischer Humor, weil es Wahrheiten gibt, die Deutsche schwerer vertragen als andere Menschen offenbar-

    Ich finde, solange die Design-Hotels kein Designer-Casting für ihre Gäste betreiben, damit sichergestellt werden kann, dass deren Figur, Gesichtszüge und Teint auch zur Gestaltung der 18 qm passen, soll man sie bestehen lassen so lange sie sich halten und in die nächstliegende gute Pension wechseln, wenn man zufällig an ein solches gerät. Zur Not: Gemütliche Tonne nach Süden mit Sonne…

  • PAndel 20. März 2018

    In meinem Kalender steht heute: Wohin du deine Aufmerksamkeit richtest, dorthin fließt deine Lebensenergie. Denke daher heute an das was du willst, und nicht mehr an das was du nicht willst.
    Mein Zusatz lautet: Herdenken statt Wegdenken.

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