Das wichtigste Aufmarschgebiet im globalen Wirtschaftskrieg ist der Kontinent Afrika. Gerade in Afrika zeigt sich, mit welchen unterschiedlichen Strategien China und die USA die künftige Vorherrschaft im globalen Wirtschaftskrieg anstreben. Investitionen oder Waffen, Wirtschaft oder Militär lautet die Polarisierung im Bestreben, dort Interessen auszuweiten. Im Detail hat Capa-kaum die Vorgangsweisen der USA (Blog-Serie Teil 1) und Chinas (Blog-Serie Teil 2) analysiert, in diesem abschließenden Teil der kurzen Blog-Serie geht es nicht nur um die beiden Hauptkonkurrenten auf dem Weltmarkt, sondern auch um die anderen Player, die gerade in Afrika mitmischen. Besonders interessant ist dabei die Bedeutung eines der kleinsten Staaten: Dschibuti.

Dass Afrika in den Zukunftsüberlegungen der großen Mächte eine Hauptrolle spielt, ergibt sich aus etlichen Faktoren – die wichtigsten sind weithin bekannt: Die wertvollen Bodenschätze, die einst schon die europäischen Kolonialmächte angelockt hatten; unstabile Regierungen oder Diktaturen mit weit verbreiteter Korruption; Bürgerkriege rivalisierender Bevölkerungsgruppen, die sich für Machtzwecke und Waffenlieferungen nutzen lassen. Dazu kommt das enorme Bevölkerungswachstum, das Afrikas Einwohnerzahl von derzeit 1,2 Milliarden auf 2,5 Milliarden Menschen im Jahr 2050 ansteigen lassen wird, sowie riesige ungenutzte Landflächen, die neue Möglichkeiten für die Zukunft eröffnen, wenn dazu neue Technologien entwickelt werden.

Deshalb richten sich nicht nur die Interessen von USA und China, sondern auch jene von Frankreich, Großbritannien, Russland, Indien und Deutschland auf den Kontinent, der als „schlafender Riese“ angesehen werden kann. Noch zählen die meisten der 55 afrikanischen Staaten zu den armen und ärmsten Staaten der Welt und die politischen Mächte aus Europa und Asien tun nicht sehr viel, um der Armut zu begegnen. Deutlich interessanter sind die Ausbeutung der Bodenschätze, lukrative Deals mit afrikanischen Potentaten, wodurch unter anderem etliche Länder als Müll- und Recyclingkippe oder deren „Bevölkerungspotenzial“ zum Austesten von in Entwicklung befindlichen Pharmaprodukten genutzt werden können. Nicht zuletzt, dass sich wegen der immer wieder aufflackernden Bürgerkriege Rüstungsgüter gut verkaufen oder auch erproben lassen.

Laut dem Stockholmer Friedenforschungsinstitut SIPRI gaben die Staaten Afrikas 2016 insgesamt 38 Milliarden Dollar für Rüstungsimporte aus, zwei Drittel davon die Länder Algerien, Marokko, Angola, Südafrika, Sudan, Nigeria, Ägypten und Tunesien. Andererseits produziert und exportiert eine Reihe afrikanischer Staaten Waffen, allen voran Südafrika, Ägypten und der Sudan. Unter den Herstellerländern von so genannten leichten Waffen befinden sich außerdem Länder wie Nigeria, Kenia, Namibia, Uganda, Tansania oder Simbabwe.

Bei alledem scheint der „Faktor Mensch“ in den strategischen Überlegungen zu Afrika eine untergeordnete Rolle zu spielen – liegt doch die Geburtenrate höher als im Rest der Welt: Jede Frau hat, statistisch gesehen, in Afrika 4,5 Kinder, im Rest der Welt 2,5; der westafrikanische Staat Niger, eines der ärmsten Länder der Welt, liegt dabei an der Weltspitze: Jede Frau hat dort laut Statistik 7,2 Kinder.

Besonderes Augenmerk legen die interessierten Mächte auf das achtkleinste Land Afrikas: Dschibuti. Gegenüber dem Jemen am Roten Meer gelegen, kommt dem nur 23.000 Quadratkilometer großen Mini-Staat mit seinen knapp 900.000 Einwohnern eine bedeutende strategische Rolle zu: Einerseits im Kampf gegen die somalischen Piratenschiffe zur Sicherung der wichtigen Handelsrouten, andererseits als Brückenkopf in Afrika und nahe der arabischen Halbinsel.

Nicht weniger als acht Staaten betreiben in Dschibuti Militärstützpunkte mit jeweils einigen Hundert Soldaten: Die USA, Frankreich, Japan, Deutschland, Italien, Spanien; und zuletzt sind Saudi-Arabien und China dazu gekommen. Für China ist es überhaupt die erste Militärbasis außerhalb des eigenen Landes (siehe Teil 2 der Blog-Serie). Das Magazin The Diplomat berichtet, dass China dort bis zu 10.000 Mann stationieren darf. Zum Vergleich: Das amerikanische Dschibuti-Camp ist mit 4000 Soldaten bisher die größte ausländische Militärbasis, gefolgt vom französischen Stützpunkt (bis zu 3.500 Mann). Derzeit drängen sich in Dschibuti auf engstem Raum dreimal mehr Soldaten ausländischer Staaten als jene 4.000 Mann, die die einheimischen Streitkräfte haben.

Auffallend ist: Großbritannien und Russland fehlen in Dschibuti. Die britischen Militärs haben andere Regionen im Fokus – die 29 britischen Militärbasen befinden sich vorwiegend in Asien, dazu gibt es Stützpunkte unter anderem auch in Deutschland und Kanada. Bei Russland hat das Fehlen laut der russischen Tageszeitung Kommersant einen speziellen Grund: Die Gespräche mit Dschibuti zur Einrichtung einer russischen Militärbasis wurden 2014 abrupt beendet, weil die US-Regierung wegen der Ukraine-Krise die Regierung Dschibutis aufgefordert habe, keinen russischen Stützpunkt zuzulassen. Die zwei Dutzend ausländischen Militärbasen Russlands befinden sich daher alle nach wie vor in ehemaligen Sowjetrepubliken.

Abgesehen von der starken Präsenz der USA in Afrika – 700 US-Kommandos operieren dort nach Angaben des Spezialdienstes The Intercept regelmäßig in 33 Staaten – sind vor allem Frankreich und Deutschland auf dem afrikanischen Kontinent vertreten. Deutsche Bundeswehrstützpunkte befinden sich außer in Dschibuti auch im Kongo, in Kenia und dem Sudan.

Frankreich, das weltweit 28 Militärstützpunkte betreibt, ist vor allem in Westafrika und den ehemaligen Kolonien vor Ort. Französische Truppen sind außer in Dschibuti im Tschad stationiert, in Niger, Mali, Burkina Faso, Senegal, Gabun und der Zentralafrikanischen Republik. Die Gesamtzahl der französischen Soldaten in Afrika ist zuletzt auf 9.000 angestiegen, wobei die wachsende militärische Präsenz mit dem Kampf gegen Terror und organisierte Kriminalität gerechtfertigt wird. Seit kurzem kooperiert Frankreich in Afrika zunehmend mit den USA, etwa im Niger.

Im Gegensatz zu den USA hat und nützt Frankreich die alten wirtschaftlichen Verbindungen mit den ehemaligen Kolonien und versucht diese Beziehungen durch Militärpräsenz und-hilfe zu stützen. Die USA hingegen machen über den Hebel von Militär und Rüstung auch Wirtschaftspolitik und wollen sich als Wirtschaftsmacht in Afrika festsetzen. Diese Position hat China jedoch schon früher angepeilt – durch Investitionen in Infrastrukturprojekte, durch Erwerb von Landflächen und Schürfrechten sowie die Gründung von Fabriken, etwa in Äthiopien, die in den ärmsten Ländern Afrikas billiger chinesische Waren produzieren können als es in China möglich ist.

Das Großprojekt der chinesischen Militärbasis in Dschibuti könnte jedoch der Anfang der nächsten Stufe der Strategie Chinas in Afrika sein: Nämlich umgekehrt als die USA die Wirtschaft als Hebel für Militär und Rüstung zu nützen. Jedenfalls rückt Afrika immer mehr ins Zentrum globaler Interessen.

Die direkten Links zu den ersten beiden Teilen der Analyse „Der globale Wirtschaftskrieg“: Teil 1: USA, Teil 2: China.

1 Kommentar zu “Der globale Wirtschaftskrieg – Teil 3: Afrika”

  • AusderTonnemitOhr..amHerztresor 23. Januar 2018

    Lieber Capa-kaum, wie hältst Du das nur aus, all diese für das Leben auf unserem Planeten konsequenzenreichen Respekt- und Rücksichtslosigkeiten zu suchen, finden und genau anzuschauen, ohne zu verzweifeln? – Vielen Dank! – nicht nur für Deinen Fleiß und die angewandte Klugheit, auch für diese Tapferkeit…

Kommentar senden

Jeder Kommentar wird erst nach redaktioneller Prüfung freigeschalten.
Nähere Hinweise dazu im Urheberrechtshinweis.

Zum Weiterdenken

Aus den Erfahrungen unserer Vergangenheit schöpfen wir unsere Klugheit für die Gestaltung unserer Gegenwart und unsere Weisheit für unsere Vorhaben in der Zukunft.

  • rss
  • rss
  • rss
  • rss
Info-Mail

Capa-kaum sendet Ihnen seine Info-Mails, wenn Sie hier Ihre E-Mail-Adresse eingeben.