Nur noch eine Generation dauert es, bis die globale Wirtschaftswelt ganz anders aussieht als heute. Die Wirtschaftsprüfer von PriceWaterHouseCoopers haben eine Vielzahl von Faktoren analysiert und hochgerechnet und sind zum Schluss gekommen: Um das Jahr 2050 wird China die weitaus größte Wirtschaftsmacht der Erde sein. Und bis dahin wird sich auch Indien vor die USA geschoben haben. Im zweiten Teil der kurzen Blog-Serie Der globale Wirtschaftskrieg befasst sich Capa-kaum mit der wirtschaftlich-politischen Strategie Chinas.

Während die USA die Strategie des Einsatzes militärischer Machtmittel als Hebel für ihre wirtschaftlichen Interessen verfolgen (siehe Der globale Wirtschaftskrieg – Teil 1), geht die aufstrebende globale Großmacht China einen ganz anderen Weg, denn: China kauft die Welt, wie es die Brancheninsider von Godmode Trader in einer Analyse ausdrückten.

Im Gegensatz zu den weltweit verteilten rund 1.000 Militärbasen der USA hat China erst im Vorjahr den ersten Militärstützpunkt außerhalb des eigenen Landes eingerichtet: In Afrika. Capa-kaum wird in Teil 3 dieser Serie näher darauf eingehen. Dagegen spielt China auf dem globalen Wirtschafts- und Finanzmarkt schon jetzt eine herausragende Rolle.

Die letztverfügbaren Zahlen für die Jahre 2015 und 2016 sprechen eine deutliche Sprache: Innerhalb dieser beiden Jahre gingen mehr als 150 Milliarden Dollar in Finanzanlagen Chinas im Ausland. Dabei handelte es sich um so genannte Portfolioinvestitionen – kurz- bis mittelfristige Investitionen in Schuldpapiere und Aktien, also um die Anlage von Geld und nicht um Investitionen mit der Absicht, Unternehmen zu übernehmen. Diese Portfolioinvestitionen machen inzwischen 1,4 Billionen Dollar aus.

Durch seinen hohen Handelsbilanzüberschuss kann China auch als Kreditgeber und damit Gläubiger sehr gut Politik machen. Dies vor allem gegenüber dem globalen Konkurrenten USA, der China gegenwärtig gewaltige rund 1,2 Billionen Dollar schuldet. Denn wenn tatsächlich China künftig die Käufe an US-Staatsanleihen zurückfährt, wie kürzlich an der New Yorker Wall Street verbreitet, gerät die große Volkswirtschaft USA in Probleme – und mit ihr vermutlich wiederum auch die Welt.

Die Konkurrenzsituation zwischen den beiden globalen Großen sieht auf dem Spielfeld des Finanz-Monopoly klar aus: China hat der Welt derzeit rund 2 Billionen Dollar geliehen, die USA sind dagegen mit mehr als 6 Billionen Dollar im Ausland verschuldet. Durch sein Wirtschaftswachstum von jährlich (trotz mancher Diskussion um die Glaubwürdigkeit der Zahlen) konstant deutlich mehr als 6 Prozent kann China auch seine eigene, hauptsächlich kurzfristige Auslandsverschuldung von rund 1,7 Billionen Dollar verkraften.

Besonders interessant ist die Größenordnung der Direktinvestitionen Chinas, also der Kauf von oder die Beteiligung an Unternehmen im Ausland: In zuvor nie dagewesenem Tempo stiegen sie 2015 und 2016 auf insgesamt rund 300 Milliarden Dollar. Man kann davon ausgehen, dass sich diese Zahl in diesem Jahr auf fast 500 Milliarden Dollar erhöhen wird. China kauft vor allem Know-how, beteiligt sich an erfolgreichen Unternehmen und gründet in zunehmendem Maß Wirtschafts-Stützpunkte auf allen Kontinenten. So rangierte schon 2016 ein chinesischer Deal unter den Top 5 aller Firmenübernahmen: ChemChina übernahm um 43 Milliarden Dollar den Schweizer Rohstoffkonzern Syngenta.

Grundsätzlich ist China die Strategie wichtiger als die Größe des Engagements: Wie etwa das erste europäische Forschungszentrum des chinesischen Autoherstellers Great Wall Motors beweist, in dem im niederösterreichischen Kottingbrunn in Zukunft 150 Menschen arbeiten sollen. Denn Great Wall Motors will damit gemeinsam mit der bereits bestehenden Produktion in Bulgarien neue Märkte in Europa erschließen.

Ein spezielles Beispiel für Chinas Wirtschaftsdenken sind die chinesischen Investitionen in Deutschland. Seit 2010 haben chinesische Investoren insgesamt 193 deutsche Unternehmen gekauft oder sich an ihnen beteiligt. Allein 2016 gingen nicht weniger als 56 deutsche Firmen in chinesisches Eigentum über. Gesamter Kaufpreis: 13 Milliarden Dollar, nicht einmal ein Drittel des Syngenta-Kaufpreises. Dabei reicht die Palette der chinesischen Interessen vom Industrieroboterhersteller Kuka, dem Maschinen- und Rüstungshersteller KraussMaffei und dem Müllverbrennungsspezialisten EEW bis zum Strom-und Gas-Ablesedienst ISTA oder gerade eben zur Modekette C&A. Immer öfter kauft China auch angeschlagene oder insolvente Unternehmen auf, wie etwa den Solar-Spezialisten Convergy. In diesem Bereich zeigen sich überhaupt die in die Zukunft gerichteten Interessen: So haben chinesische Fotovoltaik-Konzerne wie Yingli, JinkoSolar oder Canadian Solar Solarzellen und Module mit solchen Dumpingpreisen auf den Weltmarkt geworfen, dass die EU mit Strafzöllen vorging.

Exakt der chinesischen Strategie entspricht natürlich das Projekt „Seidenstraße“. Mit dem Touch der geschichtlichen Tradition wird hier ein neues Konglomerat von mit China künftig eng wirtschaftlich verbundenen Staaten gebildet. Und klar ist, dass es da nicht nur um den von manchen Medien so simpel hochgespielten Ausbau einer Bahnstrecke von China nach Zentraleuropa geht, sondern selbstverständlich auch um Wirtschaftsförderungen an die betreffenden „Seidenstraße“-Staaten geht, womit neue Abhängigkeiten vom asiatischen Riesen erzielt werden.

Wie es weitergehen soll, kündigte Staatspräsident Xi Jinping in seiner Ansprache zum Jahr 2018 an: Chinas künftige Rolle sei es vor allem auch „Mitwirkender an der globalen Entwicklung“ zu sein. Und in der deutschsprachigen Zeitung China Rundschau wies man dazu explizit darauf hin, das Xi Jinping „die Schlüsselwörter für den Beginn des neuen Zeitalters von Chinas Großmachtdiplomatie“ verwendet habe.

Kein Wunder also, dass die eingangs erwähnten Analytiker von PriceWaterHouseCoopers in ihrer Prognose – auch aufgrund noch weiterer Faktoren wie Produktivität, Bevölkerungsentwicklung oder technologischer Fortschritt – im Jahr 2050 China mit fast 25 Billionen Dollar Vorsprung im Bruttoinlandsprodukt (kaufkraftgewichtet) vor den USA sehen.

Welche Bedeutung Afrika in diesem globalen Wirtschaftskrieg spielt, welche Rolle dabei einem ganz kleinen Land zukommt und wie eigentlich Staaten wie Frankreich, Großbritannien oder Russland mitmachen, wird Capa-kaum in Teil 3 seiner aktuellen Analyse unter die Lupe nehmen.

3 Kommentare zu “Der globale Wirtschaftskrieg – Teil 2: China”

  • ViPoKa 21. Januar 2018

    wenn man sich die schuldenstände auch von china ansieht kann einem angst und bang werden – wie schnell kann ein geldhahn zugedreht werden – wie leicht kann die blase platzen. und was ist mit den usa, die jetzt schon wieder kein budget zusammenbringen und – nicht typisch für trump, hat’s unter obama auch gegeben. unverantwortliche politiker jonglieren mit der sicherheit der welt

  • Renate Skoff 20. Januar 2018

    China setzt beim Ausbau seiner Machtposition das Hirn ein, die USA den Holzhammer. Wie dieses Spiel ausgeht, kann man sich vorstellen.

  • AusderTonnemitOhr..amHerztresor 20. Januar 2018

    Teil 3 wird schon gespannt erwartet! – Was China anlangt, habe ich das seit einigen Jahren angelesen beobachtet und als Fazit erwartet, trotzdem sehr gut Deine Zusammenfassung der beleghaften Zahlen! – Vielen Dank für den Recherchefleiß und die übersichtliche Zusammenfassung!!

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