Eines muss der folgenden Betrachtung gleich einmal vorangestellt werden: Capa-kaum weiß, wie jeder politisch Denkende, dass es in der (Welt-)Politik niemals nur Schwarz und Weiß gibt, niemals nur Gute und Böse. Und unter diesem Aspekt erscheint es gleich zu Beginn eines neuen Jahres interessant, die unterschiedlichen Strategien zu analysieren, mit denen die beiden großen Player auf dem globalen Spielfeld unterwegs sind und – um es so zu formulieren – die Weltherrschaft anstreben. Denn um nichts weniger als das geht es China und den USA, deren Konkurrenzsituation sich zugespitzt hat, seitdem Russland deutlich stärker regional im eigenen Umfeld und weniger global agiert als noch zu Zeiten der Sowjetunion.

Die Mittel und Wege, mit denen China und die USA die globale wirtschaftliche und politische Vormachtstellung anstreben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Im ersten Teil analysiert Capa-kaum die Strategie der USA.

Die USA verfolgen – nicht erst seit der Präsidentschaft Donald Trumps – die Strategie des Einsatzes militärischer Machtmittel als Hebel für ihre wirtschaftlichen Interessen. Während nach Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1950er-Jahre hinein der strategische Einsatz wirtschaftlicher Mittel im Vordergrund weltpolitischer Zielsetzungen stand, hat sich der Fokus spätestens seit den Kuba-und Berlin-Krisen Anfang der 1960er-Jahre deutlich verlagert. Unter dem Eindruck der aufrüstenden Sowjetunion setzten die Präsidenten der USA weltweit auf den Ausbau der militärischen Präsenz. Waren es zuvor, dank der Wirtschaftshilfen wie etwa in Europa der Marshall-Plan, Brückenköpfe in Industrie und Handel, von denen die USA wirtschaftlich und politisch profitierten, ging man in der Folge daran, auf allen Kontinenten schlagkräftige Militärbasen zu errichten, um unter der Prämisse der Sicherheit Macht und Kontrolle zu erreichen. Vereinfacht also: Soldaten und Waffen statt Coca-Cola und McDonalds, Pershings und F 16 statt Exxon und Chrysler.

Der wirtschaftliche Effekt des Ausbaues der Militärbasen ergab sich ohnedies automatisch speziell in den Staaten der Dritten und Vierten Welt: Willfährige Potentaten ermöglichten der „Schutzmacht“ USA den zügigen Auf- und Ausbau wirtschaftlicher Verbindungen. Sie verbilligten amerikanische Importe, gaben bereitwillig Lizenzen für Gründungen amerikanischer Tochterunternehmen – davon profitierten Konzerne wie Monsanto oder General Electric. Dazu kamen überdies „Stellvertreter“-Kriege und -Bürgerkriege, wobei amerikanisches Kriegsgerät eingesetzt und erprobt werden konnte.

Ein Blick auf die mittlerweile weltweit bestehenden Militärbasen gibt ein eindeutiges Bild. Die offizielle Aufstellung des Pentagon verzeichnet rund 865 über die ganze Welt verstreute Militärbasen der USA, laut anderen Quellen sind es jedoch mehr als 1.000 – und sie machen 95 Prozent aller Militärstützpunkte aus, die irgendein Land auf der Erde auf dem Staatsgebiet eines anderen Landes unterhält. So gibt es zum Beispiel derzeit in jedem Staat am Persischen Golf außer im Iran US-Militärbasen. Oder 227 Militärstützpunkte der USA in Deutschland. Und es sind, wieder laut offiziellen Angaben, mehr als drei Millionen US-Soldaten weltweit stationiert.

Früher, in Zeiten des Kolonialismus wie ihn die Europäer betrieben haben, lautete die Strategie: Ganze Länder übernehmen und sie verwalten. Aber das wäre heute zu schwerfällig. Da sind schlagkräftige Brückenköpfe ausreichend. Allerdings: Diese Militärbasen sind nicht billig. Die USA budgetieren bisher mehr als 150 Milliarden Dollar jährlich für den Betrieb ihrer Militärbasen in Übersee, wie das Institute for Policy Studies auflistet. In Zukunft wird es deutlich mehr sein, folgt man den politischen Absichten der Trump-Administration. Und dazu kommt: Es wird den amerikanischen Militärangehörigen in den meisten Ländern Immunität zugesichert, die sie vor jeglicher Strafverfolgung schützt…

Übrigens: Die fünf größten Stützpunkte der USA besitzen die Dimensionen von größeren Städten. Die Gesamtfläche der amerikanischen Militärbasen beträgt mehr als zwei Millionen Hektar. Womit das Pentagon einer der größten Landbesitzer der Welt ist.

In der Liste der weltweiten amerikanischen Militärbasen finden sich neben den bekannten Staaten wie Japan und Südkorea oder Italien, Deutschland und Spanien auch Länder wie Georgien, Kolumbien, Neuseeland, Kosovo, Ungarn, Bulgarien, Burkina Faso, Dschibuti, Äthiopien, Kenia und Niger. Erst im Herbst hatte ein Vorfall in Niger große Aufmerksamkeit in den USA erregt, weil über die Einsätze des US-Militärs in Afrika relativ wenig an die Öffentlichkeit dringt: Vier amerikanische und fünf nigrische Soldaten waren bei einem Einsatz getötet worden und in den Medien wurde, angeführt durch die Schauspielerin Mia Farrow, gefragt: „Warum sind wir im Niger?

Tatsächlich wird nahe der nigrischen Stadt Agadez eine große Drohnenbasis ausgebaut – laut Recherchen des investigativen Online-Magazins The Intercept belaufen sich allein dort die Investitionen auf 100 Millionen Dollar. Und es ist nicht der einzige Stützpunkt der USA in Niger: Auch in Niamey und weit im Norden in Arlit gibt es militärische Einrichtungen der USA. Diese Militärbasen sind Teil des Konzeptes des 2007 gegründeten US Africa Command, unter dem beispielsweise im Jahr 2014 etwa 700 US-Kommandos auf afrikanischem Boden operierten. Nach Angaben von The Intercept wurden US-Spezialeinheiten insgesamt bereits in 33 afrikanische Staaten entsandt, was 60 Prozent der insgesamt 54 diplomatisch anerkannten Staaten des Kontinents entspricht.

Die Strategie der USA scheint klar: Im Windschatten der militärischen Einrichtungen, oftmals argumentiert mit dem Kampf gegen den Terror, werden wirtschaftliche Interessen gerade in den Ländern der Dritten und Vierten Welt auf- und ausgebaut. Nicht nur die Waffenindustrie ist es, sondern auch Saatgutkonzerne, Gentechnikentwickler, Softwareanbieter und Datenverarbeiter sind es unter anderem, die von dieser Strategie merkbar profitieren.

Und Afrika ist zweifellos das wichtigste Aufmarschgebiet im globalen Polit-Wirtschaftskrieg. Weshalb dort China, allerdings mit anderer Strategie, den USA immer wieder in die Quere kommt. Mehr dazu in Teil 2 von Capa-kaums Analyse.

3 Kommentare zu “Der globale Wirtschaftskrieg: Die unterschiedlichen Strategien – Teil 1: USA”

  • thomass 17. Januar 2018

    leider sind solche aktionen wie der marshall-plan aus den köpfen der politiker verschwunden. wundert mich nicht, heute will man den schnellen erfolg und nicht ein land in ruhe aufbauen helfen. für die rüstungsindustrie sind bürgerkriege sowieso lukrativer und wenn dann noch die mitspielen, die das politische sagen haben wie derzeit, dann ist hilfe zur selbsthilfe nicht gefragt

  • AusderTonnemitOhr..amHerztresor 17. Januar 2018

    Danke. Vielen Dank.

  • afackelmann@gmx.at 17. Januar 2018

    Danke für diesen umfassenden und für mich beklemmenden bericht. die ideen einer bertha suttner scheinen angesichts dieser daten keinen stellenwert zu haben. du hast eine mammutaufgabe hinter dir, indem du diese daten gesammelt hast. hoffentlich lässt man dich als wissenden informanten in ruhe. was du machst ist nicht ungefährlich: Alles Gute

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