Unerfindlich sind die Abgründe der Politik – und ausnahmsweise meint Capa-kaum in seiner Anmerkung nicht die Tiefpunkte des österreichischen Wahlkampfs – obwohl: Ein kurzer Seitenblick sei gestattet, auch wenn dazu landauf, landab schon genug geschrieben und berichtet wird…

… von einem Hoffnungsträger, der sich nicht entblödet hatte seinen Beratern zuzustimmen, als Bundeskanzler Pizzabote zu spielen und nun behauptet, er hätte wochenlang keine Kenntnis von einer ohnedies medial hochgekochten Facebook-Kampagne gegen seinen Widersacher gehabt. Oder einem anderen Hoffnungsträger, der im Überschwang seiner Jünger vorerst einmal die etablierten Parteistrukturen ausbremsen konnte – wohl in der Hoffnung, dass die Altgedienten und ins Abseits Geschobenen über Vorzugstimmen sowieso wieder ihre Pfründe erhalten können. Oder einem angeblichen „Vordenker“ (© Plakat), der einst Hoffnungsträger seiner Gefolgsleute war und heute ziemlich alt aussieht, weil ihm seine Hauptthemen von einem Emporkömmling weggenommen wurden. Und so weiter…

Also, zur Sache, die Capa-kaum zwischenrufmäßig thematisieren will, weil sie in den Verwirrungen des Wahlkampfs ziemlich untergegangen ist. Da hat nämlich der französische Starautor Michel Houellebecq vor wenigen Tagen seinen ersten Orden erhalten.

Nun achtet Capa-kaum den auf der französischen Überseeinsel Reunion geborenen Schriftsteller wegen seines außergewöhnlichen Schreibstils und seiner exzellenten Gabe, gesellschaftliche Situationen zu beobachten. Man denke nur an seine provokanten Werke Elementarteilchen und zuletzt Unterwerfung – seine Stellungnahmen zur Rolle der Frauen und dem Islam haben dabei immer wieder Diskussionen angeschoben. Aber seine Auszeichnung?

Diese ist nämlich das österreichische „Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst“. Toll. Aber Capa-kaum frägt sich seither, was Houellebecq eigentlich direkt mit Österreich zu tun hat. Er hat hier weder einen (Zweit-) Wohnsitz, noch in seinen bisherigen Werken oder persönlich intensive Verbindungen zu Österreich erkennen lassen. Was also hat Österreichs Kulturminister Drozda veranlasst, ihn damit in den erlauchten Kreis 36 Auserwählter der Österreichischen Kurie für Kunst aufzunehmen? Dazu gibt’s erstaunlicherweise keine Antwort, außer dass der Minister Houellebecq bescheinigt, die westlichen Konsumgesellschaften radikal zu sezieren und das Publikum zu spalten. Ja eh.

Und wenn der Geehrte sogar selbst anlässlich seiner Ehrung meinte, Österreich kenne ihn offenbar besser, als er Österreich kenne, dann findet Capa-kaum in den tiefen Abgründen österreichischer Politik einen einfachen Hinweis auf ein fast schon vergessenes Elementarteilchen rotweißroten Politgefühls gegenüber Berühmten und Mächten: Die Unterwerfung unter die Anbiederung

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