Jetzt hat’s also den Rekord gegeben, und Jeder, der nicht gerade Fußballfan ist, würde eigentlich drüberlesen und sich nicht so besonders dafür interessieren. Wäre da nicht jene Summe, die man nur mit dem Attribut „unsittlich“ bezeichnen kann: Also jene 222 Millionen Euro, die der – zugegeben großartige – brasilianische Fußballer Neymar den Scheichs aus Katar wert ist, um ihr Spielzeug, Paris St. Germain, endlich richtig in die Schlagzeilen und – wenn geht – auch zum Champions League-Titel zu führen. Genug des fußballerischen Sidekicks – Capa-kaum geht es natürlich um andere Aspekte dieses Deals. Einige Rechenspiele.

Eine Frage, natürlich ohne die Neidgesellschaft befeuern zu wollen: Kann ein noch so guter Fußballer so eine astronomische Geldsumme wert sein (die wurde ja von seinem bisherigen Verein FC Barcelona so festgesetzt, um einen Wegkauf zu vermeiden – dachte man, ohne die Rechnung mit den prestigewütigen geldschweren Kataris gemacht zu haben)? Sind ja schon die etwa 100 Millionen Euro Marktwert des mehrfachen Weltfußballers Cristiano Ronaldo oder die 105 Millionen Euro, die Manchester United jüngst für den Jungstar Paul Pogba hinlegte, irrwitzig genug.

Nun könnte man schlicht meinen: Was soll’s, sind doch Gelder von Privatleuten, nicht unsere Steuergelder, die da im Spiel sind. Wenn’s Spaß macht, kann doch Einer mit seinen überschüssigen Millionen tun was er will. Wie sagte die legendäre Witzequelle Radio Jeriwan einst: „Im Prinzip ja, aber…“ Was auch hier gilt. Denn zwei Fakten sind unmittelbar nach Abschluss dieses Megadeals bekannt geworden.

Das UN World Food Programme hat nämlich errechnet, dass für die 222 Millionen Neymar-Euros insgesamt fast 5 Millionen 277 Tausend notleidende Kinder ein ganzes Jahr ernährt werden könnten. Und außerdem hat der spanische Manchester United-Stürmer Juan Mata seine Forderung aus dem Vorjahr, die Spitzenfußballer sollten ein Prozent ihrer Gage für soziale Zwecke hergeben. Er selbst tut dies bereits – von seiner Monatsgage von, naja, knapp 1 Million Euro.

Wäre zumindest nett – wenngleich es auch ein paar Prozent mehr sein dürften, denn ein paar Tausend Euro pro Woche weniger spüren die Spitzenfußballer ohnedies nicht. Etwa ein Lionel Messi oder ein Cristiano Ronaldo, die pro Tag um die 200.000 Euro Gage erhalten… An dieser Stelle muss Capa-kaum dringend Vergleiche ziehen und die Frage nach Verantwortung und Bedeutung in den Raum stellen: Daimler-Chef Dieter Zetsche kommt dagegen auf läppische 38.000 Euro pro Tag, Siemens-Boss Joe Kaeser gar nur auf 23.000 Euro pro Tag und liegt damit in der Größenordnung von Bundeskanzlerin Merkel oder Bundeskanzler Kern – die kassieren ihre jeweils mehr als 21.000 Euro pro Monat und nicht pro Tag (Kern überdies 14mal jährlich).

Zurück zur Welt des Fußballs. Sogar auch beispielsweise das in Österreich hochgejubelte Fußball-Enfant terrible Marko Arnautovic, der nicht zur Einkommensliga von Ronaldo, Neymar, Messi und drei Dutzend anderen Ikonen des Fußballs gehört – er kommt mit seinem Salär von 380.000 Euro pro Monat sicherlich einigermaßen aus. Zum Nachrechnen: Ein Prozent, wie von Mata vorgemacht, wären 3.800 Euro pro Monat, also gut 45.600 Euro pro Jahr – da wären viele einfache Arbeitende froh, würden sie so viel auf ihr Gehaltskonto kriegen, ganz zu schweigen von Notleidenden in den ärmsten Regionen der Welt.

Capa-kaum weiß schon, dass solche Spieler wie Neymar etc. gute Marketing-Anschieber sind, und deshalb jubelte Paris St. Germain bereits zwei Tage nach dem Rekordtransfer, dass gleich einmal Trikots mit dem Schriftzug Neymar im Gesamtwert von einer Million Euro verkauft wurden. Toller Gegenwert, vorerst. Aber vielleicht bringt’s der Rekordler wirklich für die Franzosen und die Sponsoren aus Katar. Wenn nicht, ziehen sich die Scheichs eben zurück und lassen den Verein aus der Spitze tief fallen, wie es im Fußball-Business immer häufiger geschieht (Fulham aus London war so ein Fall, 1860 München kürzlich ebenfalls).

Bleibt noch eine Frage zu klären, die Capa-kaum beim besten Willen nicht beantworten kann: Was sagen eigentlich die echten Fußballfans zu solchen Unsummen und dem angeblichen Wert solcher Spieler? Denn wer etwa mit 1.500 Euro netto pro Monat auszukommen hat (und das sind bekanntlich nicht wenige), muss 5 Jahre und 2 Monate arbeiten, um das zu verdienen, was Österreichs fußballerischer Spitzenverdiener in einer Woche bekommt…

Capa-kaum meint, diese Business-Welt ist aus den Fugen geraten, unsittlich hohe Summen werden im Fußball gedankenlos hin und her geschoben, und man wundert sich, was da läuft.

6 Kommentare zu “Unsittliche Rechenspiele”

  • Retep8 11. August 2017

    Vulgaer! Milde ausgedrückt .

  • Joe 10. August 2017

    …Leute, was ich mit meinem Geld anfange und wofür ich es ausgebe, ist doch meine Angelegenheit. Schadet ja keinem…Was hat das mit Moral zu tun? Ich kann ja auch ins Casino gehen und mein ganzes Geld vespielen.

  • der Kaiser aus Wien 7. August 2017

    Lieber Capa Caum,
    aus meiner Sicht trifft da unmoralisch oder gar obszön noch besser zu!

  • aquarius 7. August 2017

    So viel Geld für einen Fußballstar? Zumindest gibt es dafür viel Können zu sehen. Und wir Zuseher können diesen hochbezahlten „Kickern“ dabei zusehen. Die unverschämt hoch bezahlten Manager, die ganze Unternehmen „verspielen“ und viele Existenzen vernichten, machen mir mehr Sorgen. Wenn ich Ronaldo oder Messi beim Fußballspiel zusehen kann, habe ich großen Spaß daran.

  • Lilli Salander 7. August 2017

    Mir fällt zu dem Thema das Wort „Versündigung“ ein, und die hatte in der Geschichte schon öfters unangenehme Folgen.

  • AusderTonnemitBlick...aufdenSteuertrick 7. August 2017

    Es gibt wohl auch weniger mobile Geldwaschanlagen als Fußballspieler – mit „unsittlich“ ist dieser üblich gewordene Vorgang zwar korrekt bezeichnet, klingt aber viel viel zu harmlos und dem Grad der Unsitte in keiner Weise angemessen. Ich hätte so gern ein angemesseneres Wort dafür…

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