Was sich liebt, das neckt sich – heißt es volksmündlerisch. Und deshalb befasst sich Capa-kaum aus gegebenem Anlass mit einer Entwicklung in der Hauptstadt des europäischen Fädenziehens, die man euphemistisch als Schmankerl, realpolitisch dagegen mit deftigeren Begriffen beschreiben kann. Es geht wieder einmal um die unsägliche Never-ending-Story des neuen Flughafens, eigentlich aber nicht um diesen direkt, sondern um die Unfähigkeit, der Realität zeitgerecht „ins Auge zu sehen“.

Nein, nicht das Gezerre um das Offenhalten des bisherigen Berliner Hauptflughafens Tegel auch nach Eröffnung des BER genannten Großflughafens, ist das Thema von Capa-kaums Betrachtung. Und doch eine Anmerkung vorweg: Erstens ist ohnehin nicht klar, wann (und ob?) der Protzflughafen tatsächlich eröffnet wird (2018?), und zweitens ist klar, dass der Flughafen schon jetzt für das Passagieraufkommen zu klein dimensioniert wäre – ganz abgesehen davon, dass etwa London und Paris (mit denen sich Berlin gerne vergleicht) nicht nur einen Flughafen besitzen. Aber ein zwei Jahrzehnte alter Berliner Senatsbeschluss steht der Zwei-Flughäfen-Lösung entgegen…

Diesmal muss ein Faktum betrachtet werden, dass die preußische Planungs- und Organisationskompetenz in anderem Licht erscheinen lässt. Es geht um die Zufahrt zum neuen Flughafen. Zur Erinnerung: Dieser sollte am 3. Juni 2012 eröffnet werden. Nun kamen Verkehrsplaner vor wenigen Wochen endlich darauf, dass die dort vorbeiführende Ringautobahn bereits ohne Flughafen-Zubringerverkehr regelmäßig kollabiert. Die Deutsche Bahn wiederum, die durch den inzwischen fertiggestellten Flughafenbahnhof immer wieder Geisterzüge durchfahren lassen muss, damit dieser durchlüftet wird, kann aus Gründen des Ausbaumangels nur halbstündlich Züge vom Stadtzentrum zum BER nach Süden führen.

Doch jetzt, nur fünf Jahre nach dem ursprünglichen Eröffnungstermin, taucht plötzlich eine neue Idee der Berliner Verkehrsbetriebe auf – nein: So neu ist sie nicht, sie wurde in den letzten Jahren bereits wiederholt verworfen… Jedenfalls heißt es: Man könne doch die nur wenige Kilometer vom neuen Flughafen entfernt endende U-Bahn-Strecke ganz einfach als Hochbahn verlängern und somit das Zubringerproblem lösen.

Super Idee, könnte man sagen. Nur ein Jahrzehnt zu spät. Aber es gibt zwei andere Hindernisse: Denn es drängt nun die Zeit, etwaige Planungen in Angriff zu nehmen – nicht wegen des angeblichen Eröffnungstermins im kommenden Jahr… sondern weil genau dort, wo die U-Bahn-Trasse verlaufen könnte, eigentlich schon fix vorgesehen ist, einen Mast für das Hochleistungsstromnetz zu errichten. Und überdies hat sich die erst im Vorjahr gewählte Berliner Stadtregierung darauf geeinigt, in dieser Legislaturperiode keine Planungen für neue U-Bahn-Strecken zu beginnen. Na dann…

Capa-kaum freut sich jedenfalls, dass auch in der Hochburg der selbst ernannten Organisationsmeister Derartiges stattfindet. Und wundert sich nicht, dass angesichts der Dauermalaise um Unzukömmlichkeiten im Bau und im Management des Protzflughafens dessen ihm seinerzeit verliehener glanzvoller Name „Willy-Brandt-Flughafen“ von den Politikern nicht mehr verwendet wird.

1 Kommentar zu “Berliner Schmankerl”

  • AusderTonnemitBlick...aber nurkurz: zurück 8. Mai 2017

    Das ist nur ein vorübergehendes Ergebnis im Kampf um die alten Senatsbeschlüsse, in der Vorwahl wird da genügend Zeug zusammengebotet werden, so dass dann demnächst schon von einem Winnie-Brand-Flughafen zu lesen sein könnte oder nur Brand-Flughafen. Worauf alle denken, dass der nun auch noch – so kurzvorEröffnung fertiggestellt, abgebrannt ist – dann gibt es einen Untersuchungsausschuss wegen der unentscheidbaren Verantwortungsverschiebung für die Auftragsvergabe für die Brandschutztechnik und alles wird wieder gut. Sobald der Mast steht, wird einfach die Buga-Seilbahn bis nach Schönefeld verlängert und die Grünen gewinnen die Wahl für den Bundestag, weil Berlin so ökologisch läuft – Danke für den erheiternden Beitrag

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