Sind manche Politiker wirklich im 21. Jahrhundert angekommen? Zweifel dürfen gerade in diesen Tagen aufkommen. Das seltsame Verständnis des deutschen Bundespräsidenten zur Pressefreiheit ist dabei nur ein erfreulich öffentlichkeitswirksames Mosaiksteinchen, das jedoch das Augenmerk auf andere aktuelle Ereignisse, die in dieselbe Richtung schlagen, lenken muss. Dabei will sich Capa-kaum in diesem Zusammenhang gar nicht mit verkappten Diktatoren wie Wladimir Putin oder Ungarns Viktor Orban befassen, sondern mit zwei Darstellern aus der dritten Reihe der Politikerriege.
Zum einen ein oberösterreichischer Provinzpolitiker, der nun allen Ernstes gefordert hat, alle Bürger des Landes sollten Kirchensteuer entrichten – unabhängig davon, ob sie dem Verein der Glaubensgemeinschaft tatsächlich angehören. Dieser einem Lehensherren des Mittelalters wohl anstehende Vorschlag wurde allerdings von einem Politiker der ersten Reihe in grotesker Weise überhöht: Denn Österreichs Vizekanzler hatte im ersten Anlauf gedacht, er müsse seinen Parteifreund in dieser abstrusen Forderung unterstützen, ehe er nach eintägiger Schrecksekunde davon abzurücken begann.
Zum anderen eine eben ins Amt gerufene Berliner Senatorin, der „großer Sachverstand“ auf ihrem Weg aus dem Wirtschaftslobbying in die Politik zugeschrieben worden war. Sie ließ – als ihre erste öffentlichkeitsaktive Maßnahme – den Medien mitteilen, sie sollten alle bisher von ihr gemachten Fotos aus den Archiven entfernen und nur noch das gleichzeitig zugesandte Schön-Foto der Erfolgsfrau verwenden.
Zwei auf den ersten Blick unterschiedliche Einlassungen. Aber: Erschreckend, findet Capa-kaum, ist die gleichartige Denke dieser Personen, die sich eigentlich in ihren politischen Funktionen näher am Zeitgeist befinden müssten und nicht in einer Auffassung verhaftet sein sollten, die in demokratischen, zivilisierten Ländern heutzutage keinen Platz mehr haben dürfte.


