Capa-kaum braucht keine Studien oder Expertenanalysen, um festzustellen: Die Welt fordert heute von jedem viel mehr als noch vor 20, 30 Jahren ab. Man kann auch sagen: Die Gesellschaft ist kurzatmig und ungeduldig geworden. Flexibilität und die Jederzeiterreichbarkeit sind Erfolgsfaktoren im Alltag, nicht nur in der Wirtschaft. Jeder erhält immer mehr Information in immer kürzeren Zeiteinheiten. Die Verarbeitung der Information ist für Viele zum Problem geworden – meist ohne dass sie das wissen. Wo aber für das Nachdenken wenig Platz ist, ist der Manipulation Tür und Tor geöffnet.
Das ist die Gelegenheit für die Inszenierer, die Selbstdarsteller. Denn: Was sie über sich erzählen, was über sie zu lesen ist, und was man sich daher über sie erzählt, prägt ihr Image. So sind sie, wer sie in den Augen der Anderen sind. Andererseits ist es ja so praktisch, Mitmenschen einfach schnell bloß aufgrund ihrer Aussagen, vielleicht auch – in unserer „Leistungsgesellschaft“ – aufgrund ihrer Leistungen zu beurteilen.
Wer aber macht sich schon die Mühe, jemanden nach den Aspekten einzuschätzen, um die es eigentlich gehen sollte? Also etwa nach ethischen, moralischen Qualitäten, Fragestellungen wie: Kann man ihm vertrauen? Ist er kompetent, hilfsbereit, ehrlich, menschlich? Welche Freunde hat er? Wahrnehmungen in dieser Hinsicht sind mit Assoziationen und Emotionen verknüpft, spielen sich also affektiv auf der Gefühlsebene ab. Sie kommen der Wirklichkeit der Person viel näher, dringen durch die Oberfläche der Inszenierung.
Capa-kaum gibt zu, dass Viele denken, dieser Weg sei augenscheinlich nicht so direkt – dabei ist der Instinkt-Gefühlsweg in Wahrheit der direktere, sicherere. Freilich muss man imstande sein, seinem Instinkt folgen zu können – das aber wurde in vielen Menschen durch Erziehung, gesellschaftliche Zwänge und Ego oft stark verbarrikadiert. Und man hat mit diesem Weg, zugegeben, auch bloß die eigene, die subjektive Realität der Einschätzung erreicht. Ist doch „Realität“ ein Phänomen, das von jedem Menschen anders wahrgenommen und erlebt wird. Denn die „wirkliche Wirklichkeit“ findet – wie schon der Kommunikationspsychologe Paul Watzlawick feststellte – nur im eigenen Gehirn statt. Aber daher liegt es auch, meint Capa-kaum, an jedem Menschen selbst, sich nicht von Inszenierungen und Manipulation in die Irre leiten zu lassen.


